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Im Auge des Betrachters

Kuhstall Triesdorf
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Max Riesberg, Wochenblatt
am
13.06.2019

Ein Kommentar von Wochenblatt-Redakteur Max Riesberg über Tierwohl, Tierhalter und "Sofa-Tierschützer"

Max Riesberg

Wenn es um das Thema Tierwohl geht, hat fast jeder irgendeine Meinung. Vor allem diejenigen, die von der Nutztierhaltung kaum oder bestenfalls aus dem Fernsehen und dem Urlaub ein Fünkchen Ahnung zu haben scheinen, hauen besonders auf den Putz. Erst recht die, die selbst ein wirtschaftliches Interesse haben, Stichwort: NGOs. Den Bauern selbst wird die Diskussion zu diesem trendigen Thema inzwischen schon eher leidig.

Sie wollen aus ureigenster Überzeugung heraus, dass es ihren Tieren gut geht, arbeiten sie doch tagtäglich dafür und verdienen mit dem Nutzen an ihrem Vieh ihr Auskommen. Genau hier liegt der Kern des „Problems“. Denn werden außerhalb der Landwirtschaft Tierwohl-Diskussionen meist auf rein emotionaler Ebene geführt und die Tiere selbst zu regelrechten „Ersatzmenschen“ hochstilisiert – man denke nur an die vielen Katzenvideos, Boo den Zwergspitz oder das schielende Opossum Heidi – so geht es den Tierhaltern um Nutzungsdauer, Nachhaltigkeit und natürlich auch um Wirtschaftlichkeit.

Wohlbefinden von Nutztieren ist für sie beispielsweise hinsichtlich Stallplatz, Versorgung mit Futter und Wasser, Licht etc. ohnehin genau definiert und ergibt sich quasi aus den Vorschriften. Denn dafür wurden sie schließlich auch gemacht.

Natürlich spielt die Persönlichkeit des Betriebsleiters zudem eine wichtige Rolle, wenn es um’s Tierwohl geht. Auf einen gemeinsamen gesellschaftlichen Nenner zu kommen scheint trotzdem schwierig bis unmöglich. Und doch muss es sich lohnen aufeinander zuzugehen, schließlich ist man auf die Verbraucher und ihre Kaufkraft angewiesen. Die Kaufentscheidung selbst wird zwar längst im Marketing und nach wie vor beim Preis gewonnen, aber die Produktion muss mit stichhaltigen Argumenten, wie objektiven Tierwohlkriterien, weiter begreifbar werden, auch für die „Sofa-Tierschützer“.

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