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Planen und Bauen

Ausgeträumt - Bauvorgaben sind nicht immer tierfreundlich

Sau rauslassen
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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
14.06.2018

Freigelüftete Ställe mit viel Platz und Auslauf zählen in der Schweinehaltung aus Genehmigungssicht zu den Problemfällen.

Ulrich Graf

Einmal allen Verbraucherwünschen gerecht werden. Das wär’s doch! Und wie sieht die perfekte Schweinewelt aus? Vielleicht so: Bevor das Mastschwein seiner Bestimmung im regionalen Schlachthof zugeht, genießt es sein Leben in vollen Zügen in geräumigen, von Licht und Luft durchfluteten Buchten und wenn es Lust auf eine frische Brise verspürt, wechselt es in den Auslauf.

Und was braucht es dazu? Natürlich den passenden Stall. Selbst wer es geschafft hat, bis hierhin wirtschaftliche Aspekte auszublenden, bei dem wird es jetzt im Kopf „schnackeln“: Aus der Traum! Denn derartige Gebäude sind aus Genehmigungssicht Problemfälle. Freigelüftete Ställe mit Auslauf sorgen für bodennahe, diffuse Emissionen, die als Duftfahne „in Nasenhöhe“ verfrachtet werden. Da braucht es große Abstände zu den Nachbarn, bis eine ausreichende Verdünnung eintritt. Außerdem nimmt mit dem Platzangebot auch die potenziell verkotete Fläche zu, was die Emissionen pro Tier erhöht. Damit stehen gleich mehrere Tierwohlfaktoren in Widerspruch zu dem, was den Behörden bei einer Genehmigung wichtig ist: Nämlich, den Eintrag von Stoffen in die angrenzende Umwelt und die Belastungen für die Anwohner gering zu halten, denn die sollen und wollen von der Tierhaltung meist nichts mitbekommen.

Ganz andere Signale sendet der Markt. Anfang April hat Lidl ein Vier-Stufenmodell eingeführt, mit dem es sein Frischfleisch auszeichnet. Das setzt gegenwärtig auch die Konzernschwester Kaufland um. Oberste Stufe ist Bio, dann folgt bereits das Außenklima-Label. Der Handel will damit nach eigenen Aussagen die Erzeugung transparenter machen und dem Verbraucher den Mehrpreis „auf einen Blick“ erkären. Ob der mitzieht, darüber hält sich der Handel noch bedeckt. Eines aber ist klar: Aufgrund der hohen Standortanforderungen an offene Ställe muss der Mehrpreis deutlich ausfallen. Ob das der Verbraucher mitträgt?

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