Login
Automatisierung

Automatisch und doch nah am Tier

Futterband Milchviehstall
Thumbnail
Max Riesberg, Wochenblatt
am
01.02.2018

Melk-, Fütterungs- und Spaltenroboter – Vroni und Klaus Waldschütz möchten die automatischen Helferchen in ihrem Milchviehstall nicht mehr missen.

Futterband Milchviehstall

Es dauert drei Monate, bis sich die Kühe an die neue Technik gewöhnt haben und drei Jahre, bis der Bauer wirklich damit zurecht kommt“, diesen Satz von LfL-Melk-roboter-Experten Jan Harms haben Vroni und Klaus Waldschütz aus Irschenberg anfänglich noch belächelt, als sie 2015 ihr automatisches Melksystem (AMS) anschafften. Im Vorfeld dieser Investition und des Stallbaus hatte das Betriebsleiter-Ehepaar einige Info-Veranstaltungen und Betriebe besucht, um die verschiedenen Systeme in Aktion zu sehen und Erfahrungen zu sammeln. „Meine Frau wollte anfangs gar keinen Roboter, sondern einen Melkstand“, erzählt der 41-jährige Oberbayer. Mit der Zeit habe er sie dann aber zum Glück umstimmen können.
Das war für Familie Waldschütz aber nur der Anfang, denn schließlich kamen noch ein automatisches Fütterungssystem (AFS), ein Spaltenreinigungsroboter und eine automatische Brunsterkennung zum Stallequipment hinzu. Die Entscheidungsfindung schildert der Bio-Milchviehhalter folgendermaßen: „Wir wollten die Bausubstanz des alten Stalls weiter nutzen. Außerdem stand bereits ein neuerer Hallenanbau. Da hat unser Bauberater gemeint, wir seien der ideale Betrieb für ein automatisches Fütterungssytem. Weil durch die Nutzung des Altgebäudes die Futtertischbreite also mit 2,40 Meter vorgegeben war, haben wir uns schließlich für ein Futterband mit separatem Mischer entschieden. Das Band wurde extra in  2,40 Meter Höhe installiert, damit man im Notfall mit dem Hoftrack füttern kann.“

Perfekte Kombination

Futerband im Milchviehstall

Insgesamt 750 000 € brutto hat der neue Stall gekostet. Davon fielen brutto 68 000 € auf das AFS, 130 000 €
auf das AMS inklusive Kühltechnik sowie nochmals 12 000 € auf den Spaltenreinigungsroboter. 35 % der Investitionssumme wurden staatlich gefördert „Das AFS passt einfach perfekt zum AMS. Wir haben gelenkten Kuhverkehr. Die Kühe werden regelrecht zum Fressen angeregt. Achtmal am Tag wird frisches Futter vorgelegt“, schildert Klaus Waldschütz. Die Tiere sind immer ausgefüttert. Davon sei auch der LKV-Fütterungsberater begeistert. Zudem sei die Herde viel ruhiger, was sich allgemein positiv auf die Tiergesundheit auswirkt.
Die Kuhration für die 60-köpfige Herde setzt sich wie folgt zusammen: 600 kg Grassilo vom ersten Schnitt, 600 kg vom zweiten Schnitt und 1000 kg vom vierten Schnitt sowie 100 kg Heu und 60 kg Biokörnermais. Die Rinder und Kälber bekommen die ausselektierte Kuhration sowie die Jungviehration. Hier werden sechs Boxen extra gefüttert.
„Letztes Jahr haben wir auf Bio umgestellt und kommen, obwohl wirklich nur Grundfutter am Futtertisch vorgelegt wird, im Schnitt auf 2,3 bis 2,6 Melkungen pro Tier und Tag“, sagt der Landwirt zufrieden. Auch die Kombination des AMS mit Weidegang im Sommer sei kein Problem, versichert er. Dann sinken die Melkungen zwar auch durchschnittlich 2,1 pro Tier und Tag ab, weil zwei Futterdurchgänge mit dem AMS ausfallen, „aber das passt immer noch“, so Waldschütz. Die Milchleistung seiner Kühe liegt, bei geringem Kraftfuttereinsatz, momentan bei 6000 kg Milch. „Auf die 7000 Kilo Stalldurchschnitt wollen wir aber noch kommen. Wir denken, das ist ein realistisches Ziel, das zu unserem Betrieb passt.“

 

Immer am Ball bleiben

Melkroboter

Sogar die Brunsterkennung läuft inzwischen automatisch, das heißt über Aktivitätsmessung am Halsband, das jedes Tier trägt. Die Daten werden an den Computer gesendet. Damit man die Vorteile der ganzen Automatisierung nutzen kann, müsse man aber dahinter sein und alle sonstigen Daten, wie HIT-Anmeldungen, Besamungen oder tierärztliche Behandlungen sofort einpflegen.  „Wenn man immer am Ball bleibt, beschränkt sich die reine Büroarbeit auf etwa eine halbe Stunde am Tag. Wir haben das heute viel besser im Griff“, sagt Waldschütz. „Auch wenn so ein Roboter den Menschen nie ganz ersetzen kann“, betont der Biobauer. Man müsse trotzdem mindestens zweimal täglich durch die Herde gehen und nach dem Rechten sehen. Gerade in puncto Fruchtbarkeit sei das unverzichtbar.
Den Erfahrungswert: „Drei Monate brauchen die Kühe und drei Jahre braucht der Bauer“, könne man heute nur bestätigen. „Das trifft es schon ziemlich genau, bis man sich die nötige Routine und Lockerheit im Umgang mit der Technik angeeignet hat“, meint das Ehepaar. „Natürlich hat sich inzwischen in Sachen Stand der Technik einiges verbessert. Aber eines hat sich nicht geändert: Man darf nichts erzwingen wollen, nur dann funktioniert es.“

Infotage zur Automatisierung

Das Institut für Landtechnik und Tierhaltung (ILT) der LfL veranstaltet am 15. und 16. Februar Infotage zum Thema „Automatisierung im Milchviehstall“. In Kurzvorträgen werden an beiden Tagen der aktuelle Stand des Wissens und praktische Erfahrungen vorgestellt. Neu ist, dass diese Kurzvorträge während des ganzen Tages angeboten werden. Der Besucher kann sich so sein Programm selbst zusammenstellen. Parallel dazu besteht die Gelegenheit, in den Ausstellungshallen und der Lehrschau die neueste Technik direkt zu besichtigen. Zudem werden die ALB, die staatliche Bauberatung und das ILT mit einem Infostand vertreten sein.

Programm am Donnerstag, 15. 2.:

8.30 Uhr: Einlass

9 Uhr: Begrüßung und Eröffnung (Dr. Georg Wendl, ILT)

9.30 Uhr: Allgemeines zur Automatisierung/ Stallbau (Dr. Jan Harms, Dr. Bernhard Haidn, Jochen Simon, ILT)

10.30 Uhr: Öffnung der Hallen

11.30 Uhr: Umbau eines Anbindestalls zum Jungviehlaufstall (Klaus Hoffmann, FZ Schweinfurt)

12 Uhr: Einsatz eines Futterbands im Um- und Neubau (Christian Schmidt, FZ Schweinfurt)

12.30 Uhr: Planungstipps AMS (Dr. Jan Harms, ILT)

14 Uhr: Hitzestress – technische Lösungen (Johannes Zahner, ILT)

14.30 Uhr: Planungstipps AFS (Dr. Bernhard Haidn, ILT)

15 Uhr: Laufflächengestaltung/-reinigung (Dr. Bernhard Haidn, ILT)

15.30 Uhr: Tierumtrieb bei AMS (Dr. Jan Harms ILT)

Programm am Freitag, 16. 2.:

8.30 Uhr: Einlass und Einführungsvortrag (s. o.)

11.30 Uhr: Licht im Stall (Prof. Klaus Reiter und Maike Greif, ILT)

12 Uhr: Fütterung mit AFS (Claudia Leicher, ILT)

12.30 Uhr: Sonderbereiche (Dr. Jan Harms, ILT)

14 Uhr: Projekt Bau, Bauherrenaufgaben – vom Konzept zum fertigen Bau (Stefan Bauer, FZ Traunstein)

14.30 Uhr: Hitzestress – bauliche Lösungen (Peter Stötzel, ILT)

15 Uhr: Liegeboxengestaltung (Johannes Zahner, Claudia Leicher, ILT)

Kostenbeitrag: 40 € (2 Tage), 30 € (1 Tag)

Anmeldung bis 13.2. unter www.lfl.bayern.de/infotag-automatisierung oder Tel. 089/99 141 371.

Auch interessant