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NEC-Richtlinie

Bauern fürchten fatale Folgen für Tierhaltung

pd
am
13.07.2016

München - Bauernpräsident kritisiert geplante Reduzierung des Ammoniakausstoßes.

Am Donnerstagabend haben sich EU-Parlament, EU-Kommission und EU-Umweltrat geeinigt: Durch die neue NEC-Richtlinie sollen die EU-Mitgliedsstaaten gezwungen werden, den Ausstoß bestimmter Luftschadstoffe zu senken. Deutschland ist am stärksten betroffen, bis 2030 soll der Ammoniakausstoß um 29 Prozent (im Vergleich zu 2005) sinken. Der Bauernverband befürchtet fatale Folgen – gerade für die Tierhaltung in Bayern.

„Eine Studie der EU zeigt: die geplanten Vorgaben lassen sich nicht allein durch technische Maßnahmen umsetzen. Auf den deutschen Bauernhöfen müsste die Zahl der Rinder drastisch sinken“, sagt der bayerische Bauernpräsident Walter Heidl. Rund 26 Prozent aller deutschen Rinder stehen im Freistaat, knapp 37.000 Milchbauern erzeugen hochwertige Milchprodukte.

Heidl: "Ich bin schlicht fassungslos!"

Damit trifft die NEC-Richtlinie gerade die bayerischen Bauernhöfe hart: Zwei Drittel der bäuerlichen Einkommen in Bayern hängen direkt mit der Tierhaltung zusammen – insbesondere mit Milchkuh-, Rinder- und Schweinehaltung. „Die vereinbarten Ziele werden so über kurz oder lang zu massiven Einschnitten auf den Höfen und zu gravierenden Veränderungen in unserer bäuerlichen Landwirtschaft führen“, sagt Heidl. „Der Beschluss lässt mich deshalb schlicht fassungslos zurück.“

Müssen Ställe hermetisch abgeriegelt werden?

Während der Bauernverband immer und immer wieder auf die fatalen Folgen der NEC-Richtlinie hingewiesen hat, haben Bundesregierung, der Umweltrat und die EU-Kommission weitgehend an ihren Positionen festgehalten. „So drohen jetzt Weidehaltung oder Ausläufe unmöglich zu werden. Statt modernen und luftigen Ställen müssen künftig wohl wieder vermehrt geschlossene Stallsysteme zum Einsatz kommen“, befürchtet Heidl. „Gerade in Sachen Tierwohl ist das kontraproduktiv!“ 

Lasten innerhalb der EU unfair verteilt

Auch die Lasten innerhalb der EU seien völlig ungleich und ungerecht verteilt: Während die Ammoniakemissionen in Deutschland um 29 Prozent sinken sollen, wurden für Frankreich 13 Prozent, für Österreich zwölf Prozent Minderung beschlossen. Für Estland ist es gar nur ein Prozent. „Durch diese Ungleichbehandlung kommt es zu einer massiven Wettbewerbsverzerrung zu Ungusten der Landwirtschaft in Deutschland“, kritisiert Heidl. „Jetzt ist eine ehrliche Folgenabschätzung nötig, um den Beschluss dann nachzubessern.“

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