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Zentral-Landwirtschaftsfest

Bayerns Beste

Fleckviehlandessieger auf dem ZLF 2012
pd
am
08.09.2016

München - Züchter aus dem gesamten Freistaat präsentieren ihre Rinder auf der ZLF-Landestierschau.

Der Anteil von Milch und Rindfleisch an den Verkaufserlösen der bayerischen Landwirtschaft betrug im Jahr 2013 54,3 %. Davon entfielen auf Milch 40,2 % und auf Rind- und Kalbfleisch 14,1 %. Laut Rinderbestandserhebung zum 3. November 2015 stehen mit 3,2 Mio. Rindern ein Viertel aller Rinder der Bundesrepublik und mit 1,2 Mio. Milchkühen rund 30 % aller deutschen Milchkühe in Bayern. Zum 30. September 2015 waren den bayerischen Rinderzuchtverbänden 17.710 Betriebe mit 830.901 Herdbuchkühen angeschlossen. Der durchschnittliche Kuhbestand pro Herdbuchbetrieb beträgt damit 47 Kühe.
Im Umfang der ausgestellten Rinderkollektionen macht sich auch die Bedeutung der Rinderzucht und -haltung sichtbar. Die bayerischen Rinderzüchter stellen rund 150 hochwertige Zuchtrinder vom Kalb bis zum ausgewachsenen Bullen aus, wobei folgende Rassen zu sehen sind:

Zweinutzungsrassen: Deutsches Fleckvieh, Deutsches Braunvieh, Deutsches Gelbvieh, Murnau Werdenfelser und Deutsches Braunvieh alter Zuchtrichtung;
Milchrassen: Deutsche Holsteins;
Fleischrinderrassen: Deutsch Angus, Charolais, genetisch hornloses Fleckvieh, Deutsches Gelbvieh, Limousin, Galloway, Highland, Pinzgauer, Hereford, Pustertaler, Rotes Höhenvieh und Wagyu.

Mit dieser breiten Palette an Rinderrassen für die unterschiedlichsten Nutzungsrichtungen – ob Milch oder Fleisch oder beides zusammen – soll der hohe Leistungsstand der Rinderzucht und die Arbeit der Zuchtverbände und der staatlichen Beratung dargestellt werden. Für gezielte Paarungen werden die besten Bullen, Jungrinder, Jungkühe und Kühe ausgewählt und daraus die nächste Bullengeneration nachgezogen. Wenngleich die moderne Rinderzucht von biotechnischen und gendiagnostischen Verfahren geprägt ist, haben Tierschauen und ganz speziell eine Landestierschau mit Zuchttierwettbewerb, nach wie vor eine besondere Bedeutung. Die Tiere stehen im Mittelpunkt und anhand von Hochleistungstieren sollen bei den einzelnen Rassen der erreichte Leistungsstand sowie die künftigen, dem Markt entsprechenden Zuchtziele dargestellt werden. Die Tiere können entweder in der Halle 14 oder bei den täglichen Vorführungen im Großen Ring beim Schaubild der bayerischen Rinderzucht besichtigt werden.

Kälber/Fresser: Die bayerischen Zuchtverbände stellen frohwüchsige, gut entwickelte Kälber aus kontrollierten Betrieben für die Bullen- und Kälbermast vor. Welche Bedeutung das Kalb für die bayerischen Zuchtverbände hat, spiegelt sich in den Verkaufszahlen wider. 2015 wurden 227 185 Nutzkälber und 14 516 Zuchtkälber über die Auktionen vermarktet.

Hornloszucht: Das Interesse an genetisch hornlosem Fleckvieh ist ungebrochen. Ausgehend von den Anfängen der züchterischen Bearbeitung in den 70er-Jahren in der staatlichen Mutterkuhherde in Acheleschwaig (HLG Schwaiganger) hat sich inzwischen ein bewährtes Prüfprogramm entwickelt. Seit 1987 werden hornlose Bullen über einen begrenzten KB-Einsatz bezüglich Hornlosigkeit, Kalbeverhalten, Fleischleistung und Milchleistung geprüft. Um zunehmend auf die Enthornung der Kälber verzichten zu können, wird beim Fleckvieh der genetischen (= natürlichen) Hornlosigkeit in den Zuchtprogrammen eine immer größere Bedeutung eingeräumt. Seit März 2012 ermöglicht ein direkter Gentest Aussagen zum Hornstatus unabhängig von der Rasse- und Abstammungsinformation. Die Kenntnisse über den genetischen Status hornloser Tiere beschleunigen erheblich den Zuchtfortschritt. So können genetisch reinerbig hornlose Bullen auch ohne Nachkommenprüfung ausgewählt werden und für die Zucht auf dieses dominante Merkmal eingesetzt werden.

Mutterkuhhaltung: Nach den Ergebnissen der Rinderbestandserhebung zum 3. November 2015 wurden in Bayern 71.226 Mutterkühe in 7.858 Betrieben gehalten. Dem Fleischrinderverband Bayern waren am 30. September 2014 4.105 Herdbuchbetriebe mit 5.200 Herdbuchtieren angeschlossen.
Die Fleischrinderrassen werden zum Teil in der Halle 14, zum Teil im Freigelände vor dem Tierzelt (nördlicher Ausgang) mit Bullen und mit Mutterkühen, welche ihre Kälber bei Fuß führen, demonstriert. Angefangen von den Intensivrassen (z. B. Charolais) bis hin zu den Extensivrassen (z. B. Highland) werden insgesamt zwölf Rassen gezeigt.

Gefährdete Rinderrassen: Bayern hat als erstes Bundesland bereits 1975 Maßnahmen ergriffen, um vom Aussterben bedrohte, heimische Nutztierrassen zu erhalten und züchterisch zu betreuen. Sie werden gefördert und für die Zukunft als Genreserve gesichert. Damit wird verhindert, dass die einstige Vielfalt bei den Nutztieren, die zusammen mit der Geschichte und der Kultur gewachsen ist, noch weiter eingeschränkt wird. Als gefährdet gelten die Murnau Werdenfelser und die im Chiemgau einst weit verbreiteten Pinzgauer. Ab 1992 wurden auch das Braunvieh alter Zuchtrichtung, ab 1995 das Ansbach-Triesdorfer Rind sowie ab 2008 Deutsches Gelbvieh und Rotes Höhenvieh in die Förderungsmaßnahmen einbezogen. Diese umfassen neben der finanziellen Unterstützung und der staatlichen Beratung auch die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen. Durch all diese Maßnahmen konnten die Populationen stabilisiert und zum Teil sogar leicht vergrößert werden. Einem weiteren Verlust der genetischen Vielfalt wird damit entgegengesteuert.
Im Tierzelt ist die „Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen“ (GEH) mit einem Informationsstand vertreten.

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