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Rinderhaltung

Behornte Rinder - Herdenführung als Erfolgsschlüssel

Bio-Milchviehstall
Max Riesberg, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt ,
am
08.01.2018

Demeter-Berater Ulrich Mück schildert im Wochenblatt-Interview seine Erfahrungen und fordert eine spezielle finanzielle Unterstützung derjenigen Landwirte, die für behornte Kühe einen Stall bauen wollen.

Mueck behornte Rinder

Wochenblatt: Welche Brennpunkte gibt es in Laufställen für hörnertragende Rinder?

Mück: Die Auswertungen des Bundesprojektes zeigen, dass Auseinandersetzungen zwischen den Kühen vor allem im Wartebereich und im Fressbereich stattfinden.

Wochenblatt: Was bedeutet das für die Planung solcher Laufställe?

Mück: Neue Laufställe für horntragende Milchkühe sollten Ausweichmöglichkeiten bieten und deshalb besonders im Warte- und Fressbereich etwas großzügiger gestaltet sein. Zudem ist eine extra Bucht für die Separierung von Rindern aus der Herde anzuraten. Am Futtertisch sollte ein hörnergeeignetes Selbstfang-Fressgitter eingebaut werden. Die Fixierung während des Fressens am Futtertisch empfiehlt sich, um die herdengemäßen Hoheitsansprüche und Verdrängungen durch die hochrangigen Kühe zu unterbinden. Außerdem bietet ein Auto-tandem-Melkstand einige Vorteile bei horntragenden Milchkühen.

Wochenblatt: Welche Konsequenzen hat dies für die Investitionssumme und für die Bauförderung?

Mück: Durch den erhöhten Platzbedarf im Stall, die Anschaffung eines Autotandem-Melkstandes und des speziellen Fressgitters erhöht sich die Investitionssumme beim Stallbau für horntragende Kühe erheblich und zwar um etwa 20 Prozent, wie eine KTBL-Erhebung von 2014 zeigt. Die Stallbauförderung des Agrarinvestitions-Förderprogramms gewährt aktuell nicht die entsprechenden Fördermittel, um Ställe gemäß den Anforderungen horntragender Kühe zu bauen. Durch die Deckelung der Fördersumme bzw. das sogenannte Referenzkostensystem, die Begrenzung der Fördersumme pro Tier, entgehen denjenigen, die Ställe für horntragende Kühe bauen, erhebliche finanzielle Mittel. Hier müsste unbedingt im Sinne der vielen bereitwilligen Betriebe nachgebessert werden.

Wochenblatt: Wie beurteilen Sie die Arbeitssicherheit für den Menschen in derart konzipierten Laufställen?

Mück: Die Tierverhaltensforschung und die Halter von Hornkühen berichten davon, dass horntragende Kühe nicht grundsätzlich aggressiver oder gefährlicher wären wie hornlose. Es gibt auch keine Statistik, die eine höhere Unfallrate mit horntragenden Kühen belegen würde. Wie grundsätzlich in der Tierhaltung sind ein aufmerksamer und ruhiger Umgang, Verständnis des Tierverhaltens sowie eine gute Mensch-Tier-Beziehung die beste Voraussetzung für unfallfreies Arbeiten mit Tieren. Wer horntragende Kühe hält, sollte dies aus Überzeugung tun.

Wochenblatt: Wie sieht es mit der Verletzungsgefahr für die Tiere aus?

Mück: Die Ergebnisse des Projektes zeigen erhebliche Unterschiede zwischen den Betrieben. Es gibt Betriebe mit wenigen und Betriebe mit vielen hornbedingten Schäden. Dabei wird deutlich, dass wenige Schäden an den Tieren – in der Hauptsache waren dies haarlose Stellen – einhergehen mit einer ruhigen Herde und stabiler Rangordnung. Herdenführung mit Bewusstsein und züchterischem Blick auf das Sozialverhalten der Rinderherde ist neben den stallbaulichen Faktoren und dem Management der Schlüssel für eine ruhige Herde. Sogar Defizite im stallbaulichen Bereich können dadurch ausgeglichen werden.

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