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Imkerei

Bienen - das Volk jetzt fit machen

Drohnenbrütig
Fachberater für Bienenzucht
am
11.04.2018

Imker haben jetzt viel zu tun. Das Volk muss für den Sommer fit gemacht werden. Dazu gehören die Kontrolle der Tiere, der Futtervorräte und der Waben. Ist die Königin nicht mehr fit, sollte man Völker vereinigen.

Reinigungsflug
Im Frühjahr vollzieht sich ein Wechsel von Winter- zu Sommerbienen. Dieser Wechsel wird in der Imkerei auch als Durchlenzung bezeichnet. Hier wachsen die Völker noch nicht. Erst wenn der Wechsel zu den Sommerbienen weitgehend vollzogen ist, findet ein Zuwachs an Volksstärke statt. Dabei kann sich die die Volksstärke in einer Woche nahezu verdoppeln. Der Zeitpunkt und die Intensität der Eingriffe variiert je nach Jahr und nach Region, deshalb sind keine allgemeingültigen Arbeitsanweisungen möglich. Vielmehr muss der Imker die Zusammenhänge verstehen lernen und sich entsprechend seiner Lage und der Witterung flexibel verhalten.

Erste Kontrollen nach dem Reinigungsflug

Kalkbrut
Erste Kontrollen der Bienenvölker erfolgen, nachdem der Reinigungsflug stattgefunden hat. Beim Reinigungsflug entleeren die Bienen ihre volle Kotblase. Findet vor dem Reinigungsflug eine Kontrolle statt, bei der die Völker geöffnet werden, dann kann dies zum Abkoten innerhalb des Bienenkastens führen. Infolgedessen kann dann eine Durchfallerkrankung (Ruhr bzw. Nosemose) auftreten.

Die Temperatur sollte bei den ersten Kontrollen über 12 °C liegen, damit die bereits angelegte Brut nicht zu stark auskühlt. Die Brutnestanordnung sollte nicht gestört werden, die Eingriffe auf das Nötigste beschränkt werden.

Honigraum-3
Die wichtigste Kontrolle betrifft den Futtervorrat. Zum Zeitpunkt des Reinigungsfluges sollten die Völker noch mindestens 8 bis 10 kg Winterfutter aufweisen (zum Vergleich: 1 Zanderwabe voll gedeckelt entspricht ca. 2,5 – 3 kg; 1 dm² Wabenfläche beidseitig gedeckelt ergibt ca. 330 g Futter). Die Kontrolle kann über das Wiegen des Volkes oder durch Ziehen der Futterwaben erfolgen.

Die Anordnung des Futters wird ebenso überprüft. Die Bienentraube muss Kontakt zu den Futterwaben haben. Die Anordnung spielt vor allem bei Kälteeinbrüchen eine wichtige Rolle. Die Bienen bleiben auf der Brut sitzen, um sie zu wärmen. Ist der Abstand zum Futter zu groß, verhungern Völker, obwohl Futter im Bienenkasten vorhanden ist. Volle Futterwaben werden daher an die Bienentraube gerückt, leere Waben nach außen gehängt oder zum Einschmelzen entnommen. Ist in den Völkern zu wenig Futter vorhanden, erfolgt eine Notfütterung. Im Idealfall werden geeignete Futterwaben (evtl. von einem anderen Volk) zugehängt. Futterwaben von schwachen oder kranken Völkern dürfen dabei allerdings nicht verwendet werden.

Absperrgitter
Sind keine Futterwaben vorhanden, kann eine Notfütterung mit Flüssigfutter (Fertigfuttersirup oder Zuckerwasser) erfolgen. Futterteig, eine Mischung aus Puderzucker und Honig, ist für eine Notfütterung nicht bzw. nur bedingt geeignet. Denn Futterteig kann von den Bienen nur verarbeitet werden, wenn sie die Möglichkeit haben, Wasser zu holen. An Tagen ohne Flugbetrieb belasten Futterteige die Völker daher unnötig.

Der Versuch, durch spezielle Futtergaben, Tees oder sonstige Eingriffe das Volk dazu zu bringen, mehr Brut aufzuziehen (sog. Reizfütterungen), funktioniert nicht. Hat das Volk genügend Futtervorrat, entwickelt sich ein gesundes Volk von allein. Nur bei Futtermangel bewirken zusätzliche Futtergaben, dass sich das Volk normal entwickeln kann. Notfütterungen sind keine Reizfütterungen.

An einem schönen Frühlingstag mit gutem Bienenflug können weitere Kontrollen erfolgen. Dabei werden auch meist mehrere Waben gezogen und der Zustand des Volkes gründlicher in Augenschein genommen.

starke-Auswinterung
Wurden die Völker auf zwei Räume (Magazine) eingewintert und ist der untere Raum nicht mehr mit Bienen bzw. Brut belegt, sollte er weggenommen werden. Diese Maßnahme dient der Wabenhygiene, indem dunkle Altwaben den Völkern entnommen und eingeschmolzen werden. Auf dunklen Altwaben sind die Verpuppungshäutchen vieler Brutsätze mit den Resten des Larvenkotes vorhanden. Auf solchen Waben finden sich viele Krankheitskeime und diese sollten deshalb regelmäßig entnommen und im Wachsschmelzer (Sonnenwachsschmelzer oder Dampfwachsschmelzer) eingeschmolzen werden. Wachs ist ein wichtiger Rohstoff und findet als Ausgangsmaterial für neue Mittelwände Verwendung. Eine spätere Erweiterung erfolgt dann mit unbebrüteten Honigraumwaben oder mit Mittelwänden statt.
Löwenzahnblüte
Bei Verwendung von Bienenkästen mit geschlossenen Böden wird der Boden während der Kontrolle gereinigt bzw. ausgetauscht. Damit entfernt man verschimmeltes und feuchtes Gemüll (Reste der Zelldeckel, Pollen etc.) aus der Beute. Bei Gitterböden entfällt diese Maßnahme in der Regel.

Die Fitness der
Königin überprüfen

Obstgarten-2
Werden Waben gezogen, kann anhand der verdeckelten Brut das Vorhandensein und der Zustand der Königin (Weiselrichtigkeit) überprüft werden. Dazu muss die Königin nicht gesucht werden. Ist die Arbeiterinnenbrut flach gedeckelt und weitgehend geschlossen, ist alles in Ordnung. Sind dagegen die Arbeiterinnenzellen hoch gedeckelt, spricht man von Buckelbrut. In diesen Zellen entwickelt sich keine Arbeiterin sondern ein Drohn. Dafür kann es verschiedenen Ursachen geben: Befindet sich hier in jeder Zelle nur ein Ei und ist dieses Ei am Zellgrund, ist eine Königin vorhanden, die entweder nicht begattet oder keinen Spermavorrat mehr hat. In diesem Fall wird die drohnenbrütige Königin entfernt und das Volk, solange es noch gesund ist, mit dem Nachbarvolk vereinigt (evtl. über Zeitungspapier mit einigen Löchern).
Kotspritzer
Sind dagegen mehrere Eier in der Zelle und Eier seitlich an der Zellwand, und ist häufig auch kein geschlossenes Brutnest zu erkennen, dann ist keine Königin mehr vorhanden, sondern es legen bereits Arbeiterinnen (unbefruchtete) Eier. Solche Völker können nicht mehr beweiselt werden (= eine begattete Königin zusetzen). Die Bienen solcher drohnenbrütiger Völker würden jede Königin abstechen. Auch die Vereinigung mit anderen Völkern durch das Abfegen der Bienen abseits vom Bienenstand kann Probleme bereiten. Am sichersten ist es, solche Völker aufzulösen.
Kotspritzer deuten auf Ruhr bzw. Nosema hin, Krankheiten, die durchfallartige Erscheinungen auslösen. Stark befallene Völker werden aufgelöst. Schwach befallene Völker werden eingeengt und mit einer kleinen Flüssigfuttergabe gefüttert. Idealerweise sollten solche Völker auf einem eigenen Stand (Quarantäne) aufgestellt werden. Eine Selbstheilung ist in manchen Fällen möglich. Verkotete Waben werden immer eingeschmolzen.
Kalkbrut ist eine Erkrankung der Bienenbrut. Die Bienenlarve kann sich nicht vollständig entwickeln und es entsteht eine etwa 1 cm lange, weiss-graue feste Masse, die auch als Kalkbrutmumie bezeichnet wird. Die Kalkbrut ist an den weißlichen Mumien im Boden der Bienenkästen oder am Flugloch erkennbar. Die Waben mit den Kalkbrutmumien werden eingeschmolzen. Die Königin eines Kalkbrutvolkes sollte man sobald möglich durch eine andere Königin mit einer gesunden Nachzucht ersetzen, denn für diese Bienenkrankheit gibt es eine genetische Veranlagung.
Werden Brutzellen gefunden, deren Inhalt zersetzt und fadenziehend ist, besteht der Verdacht auf Amerikanische Faulbrut. Bereits der Verdacht ist anzeigepflichtig. Der Amtsveterinär muss benachrichtigt werden, bevor weitere Maßnahmen am Stand getroffen werden. Die weitere Vorgehensweise wird dann mit dem zuständigen Amtsveterinär abgesprochen.
Werden tote Völker vorgefunden, sollte unbedingt die Ursache dafür ermittelt werden. Dies kann durch Begutachtung der toten Tiere bzw. der Begutachtung der Brutreste bzw. der Waben erfolgen. Bei hohem Befall mit Varroamilben, dem wichtigsten Gegenspieler der Honigbiene sind die Bienenkästen häufig leer, lediglich Brutreste sind noch vorzufinden. Sind keine Brutreste vorhanden, deutet dies auf den Verlust der Königin hin. Stecken die Bienen kopfvoran in den Zellen, sind sie verhungert. Imker können sich bei Fragen an die ehrenamtlichen Gesundheitswarte wenden, die regelmäßig im Erkennen von Bienenkranheiten geschult werden. Tote Bienenvölker werden genauso wie leere Bienenkästen unverzüglich bienendicht verschlossen. Alle Waben (auch mit Futterresten) werden im Wachsschmelzer eingeschmolzen und dürfen keinesfalls gesunden Völkern zugehängt werden.
drohnenbrütige-Königin

Schwache Völker, ohne erkennbare Anzeichen von Erkrankungen müssen nicht unbedingt aufgelöst werden. Sind keinerlei Krankheitsanzeichen zu erkennen, können schwache Völker auf Nachbarvölker über Absperrgitter aufgesetzt werden. Das Absperrgitter verhindert ein Passieren der Königin. Das aufgesetzte Volk profitiert von der Wärme des unteren Volks. Mit der Unterstützung des unteren starken Volkes gelingt es auch einem schwächeren Volk, wenn es über eine leistungsfähige Königin verfügt, genügend Jungbienen aufzuziehen und zu erstarken. Rechtzeitig vor Trachtbeginn werden die beiden Volksteile wieder getrennt.

Durch die wachsende Zahl der schlüpfenden Jungbienen erwacht im Laufe des Frühjahrs der Bautrieb. Die jungen Bienen schwitzen Wachs aus ihren Wachsdrüsen und errichten Waben. Zusätzlich wollen die Bienenvölker mit der Aufzucht der Drohnen, der männlichen Bienen, beginnen. Dafür bauen sie größere Zellen im Randbereich des Brutnestes. Deshalb wird in der Regel ab Mitte April ein sogenannter Drohnenrahmen gegeben. Dies ist im einfachsten Fall ein leeres Rähmchen, das am Rand des Brutnestes eingehängt wird. Die Bienen bauen darin bevorzugt die größeren Drohnenzellen. Sobald das Rähmchen ausgebaut ist und in den Zellen sich Drohnenbrut befindet, kann es auch zwischen andere Brutwaben gerückt werden. Drohnenlarven werden intensiver gefüttert und ihre Entwicklungszeit ist länger als die von Arbeiterinnen, die Milben können mehr Nachkommen aufziehen. Aus diesem Grund finden sich in den verdeckelten Drohnenzellen deutlich mehr Varroamilben als in Arbeiterbrut. Deshalb wird der Drohnenbau ausgeschnitten und eingeschmolzen, sobald die Drohnenzellen überwiegend gedeckelt sind. Diese Entnahme der gedeckelten Drohnenbrut bremst die Entwicklung der Varroamilbe bereits früh im Jahr. Zudem dämpft diese Maßnahme die Schwarmgefahr.
Afterweisel

Durch den erwachten Bautrieb können nun bereits notwendige Erweiterungen mit Mittelwänden erfolgen. Diese Erweiterungen werden immer am Rand des Brutnestes eingehängt, das Brutnest selbst bleibt als Einheit beisammen. Bei Erweiterungen im Frühjahr ist immer darauf zu achten, dass das Brutnest Kontakt zu Waben mit Futter hat.

Nachdem im Frühjahr noch mehr Zeit für Nebenarbeiten bleibt, sollte man diese Zeit auch nutzen, um die Gerätschaften und Materialien vorzubereiten. Es sollen ausreichend Rähmchen vorbereitet sein. Für jedes Volk sollte ein Ableger eingeplant werden und mancher Schwarm kann auch noch geschöpft werden. Lieber etwas mehr Rähmchen in Reserve haben als zu wenig. Mittelwände sollten ebenfalls griffbereit sein. Je Volk mindestens 15 Mittelwände sowie zehn Mittelwände für Ableger vorsehen.

Trachtbeginn und Erweiterung

Kontrolle

Zur Hauptblütezeit (Löwenzahn, Obstblüte, Raps) ist das Volk stark und benötigt ständig mehr Platz. Der Imker erweitert daher rechtzeitig den Brutraum, sodass die Königin ungehindert das Brutnest vergrößern kann, und er setzt den Honigraum auf, in den dann der Honig abgelagert werden kann. Im Brutnestbereich werden neben sog. Mittelwänden ausgebaute Waben (unbebrütet oder bebrütet) verwendet. In bebrüteten Waben sind noch die Verpuppungshäutchen erkennbar, sodass die Waben eine bräunliche Farbe bekommt. Als Mittelwände bezeichnen Imker dünne Wachsplatten, aus denen die Bienen Waben ausbauen. Die sechseckige Grundstruktur der einzelnen Zellen ist auf den Mittelwänden vorgegeben, so errichten die Bienen gleichmäßige Waben, die die weitere Verarbeitung, z. B. bei der Schleuderung erleichtern.

Amerikanische-Faulbrut

Je nach Beutensystem gibt es verschiedene Möglichkeiten der Erweiterung. Großwabensysteme (z. B. Dadant, Trogbeuten) weisen nur einen Brutraum auf, der mit einem Schiedes (Sperrholzbrett) den verfügbaren Raum der Volksstärke anpasst. Hier wird wabenweise erweitert und der Schied rutscht allmählich zur Seite. Normale Magazinsysteme (Zander, Deutsch-Normal etc.) erweitern in der Regel zargenweise, d. h., wenn der erste Brutraum gut besetzt ist, wird der zweite Brutraum aufgesetzt, das Volk wächst zargenweise in die Höhe. Im nächsten Schritt wird der Honig-raum erweitert. Hier kommen neben Mittelwänden ausschließlich unbebrütete Waben zum Einsatz. Diese wurden noch nie bebrütet und sind gelb. Häufig wird zwischen Brutraum und Honigraum ein sogenanntes Absperrgitter eingelegt. Ein Absperrgitter ist ein Gitter mit einem Gitterstababstand, der das Durchschlüpfen der Arbeitsbienen ermöglicht, jedoch für die Königin zu eng ist. Damit wird verhindert, dass die Königin im Honigraum Brut anlegt.

Wird der Honigraum aufgesetzt, entfernt man aus dem Brutnestbereich die überschüssigen Futterwaben. Diese werden durch die Tracht nicht mehr im Volk benötigt und man vermeidet, dass die Bienen evtl. Winterfutter in den Honigraum umlagern. Die überschüssigen Waben werden im Wabenlager verwahrt und für die Fütterung von Ablegern verwendet. Johann Fischer
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