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Planen und Bauen

Brandgefährliches im Pferdestall

Feuer im Pferdestall: Eine besondere Herausforderung sind für die Rettungskräfte die oft panischen Tiere.
Meike Bölts
am
18.10.2017

Von alten Stromanlagen geht oft ein unterschätztes Risiko aus. Die Gefahr steigt zusätzlich, wenn sie schlecht gewartet oder unsachgemäß installiert wurden.

Staub, Schmutz und Feuchtigkeit sind im Pferdestall nicht zu vermeiden. Das ist bei den Elektroanlagen zu berücksichtigen.  So sollten bei Aufputz­installationen nur Schalter verwendet werden, die rundum verschlossen, schlagresistent und spritzwassergeschützt sind.
Schalter mit offener Rückseite sind ungeeignet, da hier bei jeder Betätigung ein Funke zwischen den Kontakten überspringt. Bei ausgeleiertem Material kann dies zum Schmoren des Schalters führen, was in Verbindung mit Staub, Heu oder ähnlichem zum Brandausbruch führen kann.
Gefahr geht auch von überalterten Steckdosen mit verschlissenen inneren Kontakte aus. Hier kann ein Brand durch den nicht mehr fest sitzenden Stecker entstehen.
Christian Willms, Elektroniker für Gebäudetechnik und Pferdehalter, weiß aus Erfahrung, dass in einigen Ställen die Beleuchtungsanlagen in katastrophalem Zustand sind. Besorgniserregend seien Leuchtstofflampen ohne Rückabdeckung, die Staub und Schmutz ungeschützt ausgesetzt sind: „Eine defekte, leicht glimmende Leuchtstoffröhre kann beim Vorschaltgerät im Inneren Rekordtemperaturen auslösen, was von außen oft nicht bemerkt wird. Lampen, die nicht geschlossen und mit Abdeckwanne versehen sind, gehören nicht in einen Stall.“

 

Nachts das Gebäude spannungsfrei schalten

Der Elektroniker rät auch dazu, Abzweigkästen regelmäßig vom Fachmann überprüfen zu lassen. Häufig finde man auch Defekte an altmodischen Schraub-Klemm-Verbindungen, die heute nicht mehr zulässig sind. Hier könne es bei Belastung zum Schmoren kommen. „Einer regelmäßigen Sichtkontrolle unterzogen werden sollten auch Leitungen an schlecht einsehbaren Stellen. Hier kommt es oft durch Nagerverbiss zum Defekt“, erklärt Willms. Weiter sei es wichtig, alle Installationen unerreichbar für Pferde anzubringen, damit diese nicht daran herumknabbern.
„Wenn meine Pferde nachts im geschlossenen Stall bei eingeschaltetem Strom stehen würden, könnte ich nicht ruhig schlafen“, berichtet der Elektrofachmann empfiehlt die Installation eines Hauptschalters, zum Beispiel am Stalleingang, der mit Ausnahme der Brandschutztechnik das Gebäude spannungsfrei schaltet. Wird der Strom beim Verlassen des Stalls abgeschaltet, lässt sich ein Brand durch einen technischen Defekt in der Elektroanlage weitgehend ausschließen.
„Oft sehe ich fehlerhafte, von Laien ausgeführte Installationen, häufig mit minderwertigem Material. Im Pferdestall kann das brandgefährlich werden“, gibt der Elektroniker zu bedenken. Es gelte auch zu beachten, dass elektrische Installationen nur von ausgebildeten Elektrofachkräften ausgeführt, geändert oder überprüft werden dürfen.
 

Solarmodule sind auf Ställen problematisch

Auf den Dachflächen zahlreicher Betriebe finden sich Photovoltaikanlagen. Zwar liefern diese umweltfreundlichen Strom, im Brandfall besteht jedoch ein erhebliches Risiko, da die Anlagen nicht einfach abgeschaltet werden können. Selbst wenn der Strom durch einen Hauptschalter ausgeschaltet wird, besteht zwischen Solarzellen und Wechselrichter weiterhin eine Gleichstromspannung von bis zu 1000 Volt, sodass Löschmaßnahmen nur schwer oder gar nicht möglich sind. Stallbesitzer sollten dieses Problem bei der Neuinstallation von Solaranlagen berücksichtigen und bevorzugt solche Gebäude wählen, in denen sie keine Tiere unterbringen.

Auf Gefahr mit Warnschild hinweisen

Bei großflächigen Photovoltaikanlagen kann es ratsam sein, Abstände zwischen den einzelnen Modulen zu lassen, in denen gelöscht werden kann. Auch gibt es Möglichkeiten, den unter Strom stehenden Bereich durch Abschaltung direkt hinter dem Modul weiter einzuschränken. Um die Einsatzkräfte im Notfall auf die Gefahr einer Photovoltaikanlage hinzuweisen, sollte am Hausanschlusskasten ein entsprechendes Warnschild angebracht werden. Und für größere Stallanlagen sind spezielle Brand-, Rauch- oder Wärmemeldeanlagen eine gute Investition. Hier gibt es, je nach Lage und Größe des Gebäudes, unterschiedliche Konzepte, die von Brandschutzfirmen individuell erstellt werden.

Keine Warnmelder von der Stange

Möglich sind im Stall installierte Meldeanlagen, die im Brandfall automatisch Alarm geben, entweder über Funk oder eine unterirdische Verkabelung. Es kann auch ein Signal aufs Handy oder den Computer einer Überwachungsfirma geleitet werden. Kleine batteriebetriebene Rauchmelder sind für Stallanlagen eher ungeeignet, da es hier durch die besondere Belastung, wie Staub, Feuchtigkeit und aggressive Dämpfe, häufig zum Fehlalarm kommt. Um die Gefahr eines Blitzeinschlags zu verringern, ist es insbesondere bei freistehenden oder sehr hohen Gebäuden ratsam, eine spezielle Blitzschutzanlage einbauen zu lassen.
Aus Sicherheitsgründen ist im Stall ein generelles Rauchverbot einzuhalten. Um Brandentstehung durch Funkenflug auszuschließen, gilt für Hufschmiede-, Reparatur- oder Schweißarbeiten ein Mindestabstand von 25 m zu leicht entflammbaren Materialien.
Feuer durch Brandstiftung ist leider nie auszuschließen, weshalb besonders das Heu- und Strohlager vor unbefugtem Betreten gesichert werden muss. Befindet sich das Futterlager in einem separaten Gebäude, hilft dies im Brandfall, den Pferdebestand zu schützen.
Landwirte wissen um die hohe Brandgefahr, die von Heu ausgeht, das sich durch wärmebildende Gärprozesse bis zu drei Monate nach Einlagerung selbst entzünden kann. Sorgfältige Erntebedingungen, luftige, trockene Lagerung und regelmäßige Kontrollen des Heustapels mittels Heumesssonde helfen das Brandrisiko zu verringern.
Tragbare Feuerlöscher sind hilfreich, um kleinere Entstehungsbrände vor Eintreffen der Feuerwehr einzudämmen. Je nach örtlichen Gegebenheiten kommen Wasser-, Schaum- oder Pulver-Löscher infrage. Feuerlöscher müssen stets erreichbar sein, denn im Brandfall zählt jede Sekunde. Sie sollten vor Staub geschützt und mindestens alle zwei Jahre vom Fachmann überprüft werden.

Für den Ernstfall gerüstet sein

Minimieren lässt sich die Brandgefahr  auch durch gezielte Aufklärungsarbeit:

  • gut sichtbare Hinweisschilder und Brandschutzverordnungen,
  • Stallbesucher mit Sicherheitsvorkehrungen vertraut machen,
  • Ordnung im Stall – Rettungswege niemals zustellen,
  • Fluchtwege ausschildern,
  • Feuerschutztüren funktionstüchtig halten,
  • elektrische Geräte, zum Beispiel Heizstrahler, Kaffeemaschine unter anderem in Aufenthaltsräumen, nur unter Aufsicht benutzen – anschließend Stecker ziehen,
  • Anfahrtswege für Feuerwehr frei halten, Parkverbote einhalten.

Hilfreich sind weiter Gespräche mit der örtlichen Feuerwehr oder Notfallübungen vor Ort, bei denen die Einsatzkräfte auch den Umgang mit Pferden erlernen können. Geklärt werden sollten Fragen wie: Wohin mit den Pferden im Brandfall? Gibt es dafür eine geeignete, sicher eingezäunte Weide? Ist für jedes Pferd ein Halfter schnell greifbar? Verfügt der Stall gegebenenfalls über einen zweiten Ausgang? Berücksichtigt werden muss auch, dass Pferde im Brandfall oft Panik haben und ihre Box, in der sie sich sicher fühlen, möglicherweise nicht verlassen wollen. Bei Notfallübungen lässt sich klären, ob es Probleme gibt und ein gutes Management kann im Ernstfall Leben und Existenzen retten.

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