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Beutegreifer

Charolais-Kalb gerissen - War es ein Wolf?

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Gerd Kreibich, Wochenblatt
am
25.01.2017

Fürstenzell/ Landkreis Passau - War es ein Wolf oder war es ein – dann allerdings sehr großer und sehr aggressiver – Hund oder sogar mehrere Hunde? Diese Frage stellen sich viel Bäuerinnen und Bauern in Niederbayern nach einem dramatischen Vorfall.

Offenstall mit Charolais

Als der Landwirt Robert Allmannsberger am 19. Januar morgens in den Freilaufstall seiner Charolais-Rinder ging, um die Tiere zu füttern, lag eines der Tiere, ein einjähriges Kalb, auf dem Boden in einer großen Blutlache, das Tier war schwer verletzt. Landwirt Allmannsberger war geschockt. „Ich war erst einmal völlig kaputt, als ich gesehen habe, was passiert war“, sagt er im Gespräch mit dem Wochenblatt. Die Schamlippen zerfetzt, das Gedärm herausgerissen, das Hinterteil des Tieres nur noch eine Masse aus Blut und Fleisch. Der eilends gerufene Hoftierarzt konnte das Tier nur noch einschläfern, um dessen Leid zu verkürzen.
Robert Allmannsberger informierte die Polizei und die Veterinärbehörde, Spuren wurden gesucht – und gefunden. „Nach den Spuren im Schnee zu urteilen, handelt es sich bei dem Beutegreifer um einen Hund oder einen Wolf“, lautet die erste amtliche Feststellung. DNA-Proben wurden genommen, das Ergebnis ihrer Untersuchung steht derzeit noch aus.
Für Robert Allmannsberger gibt es nur eine logische Erklärung für das, was geschehen ist: Der „Beutegreifer“ muss in den Freilauf gesprungen sein, das Kalb durch die Laufbox gejagt und dann angegriffen haben. Ein Futtertisch war umgeworfen, in Panik habe sich das Kalb wohl durch ein Gitter gezwängt und dabei Holzlatten weggerissen.
Ungefähr 100 m vom Stall entfernt findet sich im Wald eine Stelle, an der große Blutspuren und wieder die Abdrücke des derzeit noch nicht bekannten Räubers zu sehen waren, offensichtlich hat er sich hier an den Beuteteilen, die er mitgezogen hat, gütlich getan.

„Wenn es wirklich ein Wolf war, dann habe ich ein großes Problem“

Bei der zuständigen Polizeidirektion Passau will man sich noch nicht genau festlegen, bevor genauere Untersuchungsergebnisse vorliegen, es könnte ebenso gut ein Wolf wie auch mehrere große Hunde gewesen sein. Für Robert Allmannsberger wird die schwierige Situation durch die Unsicherheit noch verschlimmert, denn: „Wenn es wirklich ein Wolf war, dann habe ich ein großes Problem“, sagt er. Die insgesamt rund 400 Tiere der Allmannsbergers, darunter 80 Kälber, stehen, verteilt auf 18 Herden, auf rund 150 ha Fläche, die wiederum von über 40 km Elektrozaun umgeben sind. Doch der nützt nur wenig, wenn es sich um einen Wolf handelt: „Wenn ich Freilandhaltung betreiben will, dann bräuchte ich für jede Herde zwei ausgebildete Herdenschutzhunde“, rechnet er vor und sieht durchaus die gesamte Weidetierhaltung in Gefahr, wenn sich tatsächlich ein Wolf oder gar ein Wolfsrudel in der Region eine neue Heimat gesucht hätte. Denn der finanzielle Schaden sei groß: Mit 3000 € berechnet der Landwirt den Wert des gerissenen Kalbes. Und es gehe auch um das Wohl der Tiere: „Es ist für keinen Landwirt ein schöner Anblick, wenn er eines seiner Tiere so auffinden muss.“

Dieses Tier hat in einem dicht besiedelten Gebiet wie dem unseren nichts verloren

Jetzt hat Robert Allmannsberger eine Kamera am Laufstall eingerichtet, denn es passiert gerade beim Wolf durchaus, dass er einen „Tatort“ mehr als nur einmal aufsucht.
Beim zuständigen Landratsamt in Passau will man, bevor man ein weiteres Vorgehen plant, erst einmal die Ergebnisse der Untersuchungen der Sachverständigen abwarten. Im südlichen Passau habe es bisher kein Auftreten von Wölfen gegeben, heißt es in einer Stellungnahme. Sollte sich aber das Vorhandensein eines Wolfes bestätigen, dann werde man Experten zuziehen, um das weitere Vorgehen zu diskutieren. Allmannsberger will ebenfalls auf die Ergebnisse der entsprechenden Untersuchungen warten, aber für ihn steht auch fest: „Wenn es ein Wolf war, dann muss man klarstellen, dass dieses Tier in einem dicht besiedelten Gebiet wie dem unseren nichts verloren hat.“ Es gehe hier nicht nur um Tiere, die in Gefahr wären, sondern auch um spielende Kinder oder Spaziergänger – deshalb sei es wichtig, zeitnah zu erfahren, was wirklich in seinem Stall geschehen ist und dann auch entsprechende Konsequenzen zu ziehen.

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