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Außenhandel

Copa warnt vor Freihandelsabkommen mit Mercosur-Block

pd
am
01.12.2016

Brüssel - Copa & Cogeca organisierten heute ein Event im Europäischen Parlament, um auf die vielfältigen Vorzüge des EU-Rindfleischsektors für die Wirtschaft in ländlichen Gebieten hinzuweisen und vor den verheerenden Folgen eines möglichen Freihandelsabkommens zwischen der EU und dem lateinamerikanischem Handelsblock Mercosur zu warnen.

EU-Parlament

Im Rahmen des Seminars, an dem wichtige Stakeholder aus der ganzen EU teilnahmen, sagte der Vorsitzende von Copa & Cogeca, Jean-Pierre Fleury: „Die EU-Rindfleischproduktion wird von 2,5 Mio. Familienbetrieben der EU durchgeführt. Sie ist ein zentraler Bestandteil der europäischen Landwirtschaft und macht 30,5 Mrd. Euro des gesamten landwirtschaftlichen Outputs der EU aus. Im Rindfleischsektor garantieren die europäischen Erzeuger ein Modell von Familienbetrieben, das gewahrt werden muss.“

„Der Sektor bietet viele Vorteile: eine ausgewogene Ernährung und essentielle Nährstoffe wie Vitamin B12 und Eisen für die Verbraucher, die Sicherung von Wachstum und Beschäftigung in den ländlichen Gebieten der EU, in denen oft keine alternative Beschäftigungsmöglichkeit existiert, und einen Beitrag zu grünem Wachstum. Sechzig Millionen Hektar Grünland, die als Kohlenstoffsenken fungieren, existieren dank dieser Wirtschaftstätigkeit. Zudem werden beträchtliche Investitionen in den Sektor getätigt, um auf die Bedürfnisse und Erwartungen der Gesellschaft einzugehen und sicherzustellen, dass er sich nachhaltig entwickelt. Die Erzeuger benötigen allerdings bessere Markterlöse, um ihre Tätigkeit fortsetzen zu können und der Gesamtgesellschaft Nutzen zu bringen. Geschieht dies nicht, so wird die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) auch weiter ihre Unterstützungsrolle spielen müssen.“

„Der Sektor ist auch insbesondere bei hochwertigen Teilstücken mit zunehmender Konkurrenz durch Importe konfrontiert. Eine neue EU-Studie zu den Auswirkungen des Handels bestätigt die verheerenden Folgen, welche die anstehenden Abkommen für den EU-Rindfleischsektor haben könnten, wenn keine Zollkontingente für Importe verhängt werden. Dies gilt ganz besonders für das Abkommen, das die EU mit dem lateinamerikanischen Handelsblock Mercosur aushandelt. Wir sind der Ansicht, dass ein potenzielles Abkommen mit dem Mercosur den EU-Rindfleischsektor stark beeinträchtigen könnte. Zudem halten diese Länder nicht dieselben Qualitätsstandards wie die Länder der EU ein und es bestehen nach wie vor Bedenken mit Blick auf Sicherheitsaspekte der Fleischproduktion in diesen Ländern. Dort gelten z.B. nicht dieselben Rückverfolgbarkeitsstandards und es können Antibiotika als Wachstumsförderer in ihrer Produktion eingesetzt werden, die in der EU untersagt sind. Wir verfügen zudem über die strengsten Tierschutznormen der Welt. Angesichts der für die Studie ausgewählten Methodik sind wir der Meinung, dass die Kommission den labilen Zustand des EU-Rindfleischsektors unterschätzt. Eine vertiefende Analyse, die zwischen den Erzeugnissen der Schlachtkörperzerlegung und den unterschiedlichen Qualitäten unterscheidet, wäre nötig, um die richtige EU-Fleischstrategie zu entwickeln und das Produktionspotenzial der EU zu erhalten.“

„Wir begrüßen auch die neuen von der EU-Taskforce zu den EU-Agrarmärkten ausgesprochenen Empfehlungen, welche die schwache Stellung der Erzeuger in der Lebensmittelkette hervorhebt und die Einführung einer EU-Gesetzesregelung zur Bekämpfung unlauterer Handelspraktiken in der Lebensmittelversorgungskette fordert, um den Landwirten wieder zu fairen Erlösen zu verhelfen. Gemeinsam mit dem EU-Obst- und Gemüsesektor ist der Rindfleischsektor der Bereich, in dem die Gewinnspannen für den Einzelhandel sehr viel höher ausfallen und wo eine Gesetzesregelung dringend erforderlich ist.“

Jean-Pierre Fleury vom französischen Bauernverband FNSEA wurde heute zum Vorsitzenden der Arbeitsgruppe „Rindfleisch“ von Copa und Cogeca wiedergewählt. Unterstützt wird er durch die beiden stellvertretenden Vorsitzenden Angus Woods vom irischen Bauernverband IFA und Dr. Verena Schütz vom Deutschen Raiffeisenverband.

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