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Tiergesundheit

Ist dauerhafter Zustand von völligem Wohlbefinden realistisch?

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Eva Schuster, Wochenblatt
am
16.06.2016

Wir streben nach der absoluten Gesundheit bei Tier und Mensch.

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Doch was ist eigentlich Gesundheit? Einerseits wird sie über das Freisein von Krankheit und Gebrechen definiert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht noch einen Schritt weiter und sieht Gesundheit als „Zustand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens“. „So einen Zustand kenne ich nur ein paar Stunden im Urlaub“, sagte Prof. Dr. Josef Kamphues vom Institut für Tierernährung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover mit einem Augenzwinkern bei einem seiner Vorträge. Der Tierarzt und Agraringenieur weiß wovon er spricht, vor allem wenn es um Schweinegesundheit geht. Er sagt auch, es sei natürlich, nicht ständig vollkommen gesund zu sein. Während einer Krankheit setzt sich das funktionierende Immunsystem eines Körpers mit Krankheitserregern auseinander. Allerdings kostet die Erregerabwehr Leistung. Bei Masttieren wirkt sich das beispielsweise auf die täglichen Zunahmen aus. Nur ein Grund, sie medizinisch zu behandeln. Der zweite ist, sie sollen nicht leiden. Aber muss es immer die chemische Keule sein? In schwerwiegenden Fällen ist das angebracht. Doch man kann mehr machen. Mäster sind durch die 16. AMG-Novelle gezwungen, neue Wege zu gehen, um Antibiotika zu reduzieren. Sie setzen auf Futterzusatzstoffe oder verbessern das Haltungsmanagement. Das hilft zu einem gewissen Maß, Antibiotika einzusparen, kann man den Kennzahlen trauen. Eins ist jedoch sicher: Krankheit gehört natürlicherweise zum Leben dazu. Den Idealzustand von vollständiger Gesundheit über einen langen Zeitraum werden wohl die Wenigsten erreichen. Er ist ein Wunschtraum der Wohlstandsgesellschaft, die sich mit dem blanken Überleben als Jäger und Sammler nicht mehr auseinandersetzen muss. Es bleibt viel Zeit, über alles Mögliche nachzudenken, wie zum Beispiel das Streben nach absoluter Gesundheit.

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