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Fütterung

Düngeverordnung: Phosphor raus aus dem Mineralfutter?

Leckstein
Dr. Hubert Schuster, Jennifer Brandl, Petra Rauch LfL Tierernährung, Grub
am
28.08.2017

München - Die Düngeverordnung wirkt sich auch auf die Rationsplanung aus. Doch wie flexibel ist man hier wirklich, ohne dass Leistung und Tiergesundheit leiden?

Phosphor (P) hat mehrere „Gesichter“: in der Umweltdiskussion ist er in Form von Phosphat als Verursacher für übermäßiges Algenwachstum in Gewässern negativ behaftet. Als Rohstoff ist er knapp, da die weltweiten Rohphosphat-Vorkommen in der relativ kurzen Zeit von zehn bis 20 Jahren erschöpft sein werden. Beides sind triftige Gründe, den Einsatz von P als Dünge- oder Futtermittel zu hinterfragen und ihn nicht gedankenlos zu „konsumieren“.

Welche Aufgaben hat Phosphor beim Tier?

In der Fütterung ist P ein wichtiger Bestandteil, der zusammen mit Calcium für die Knochenbildung und als Bestandteil von Enzymen und Erbmaterial wichtig ist. Darüber hinaus spielt er eine wichtige Rolle beim Energiestoffwechsel. Pro Liter Milch scheidet eine Milchkuh 0,9 g P aus. Den höchsten Bedarf an P haben wachsende Tiere und Milchkühe. P kann im Skelett gespeichert und hieraus auch wieder freigesetzt werden. Er wird über den Dünndarm aufgenommen. Dabei beträgt die mittlere Verwertung 70 %, das heißt 70 % des gefütterten P werden vom Tier aufgenommen. Überschüsse werden vorwiegend über den Kot ausgeschieden, wobei dies von der Zufuhr abhängt: Ist sie hoch, so steigt die Ausscheidung, ist die Zufuhr niedrig, so fällt sie. Eine zu reichliche Versorgung mit P führt daher zu einer Verringerung der Absorption und einem Anstieg der Ausscheidung.

Wie viel Phosphor ist in Futtermitteln?

P ist ein essenzieller Bestandteil der täglichen Futterration. Vor einer Ergänzung muss man wissen, welche Menge zur Bedarfsdeckung fehlt. Die Kenntnis um die natürlichen Gehalte in den Einzelfuttermitteln ist daher unbedingte Voraussetzung. In der Tabelle 1 sind die aktuellen P-Gehalte in Grobfutter dargestellt. In Klee-/Grassilagen beträgt der Mittelwert ca. 3,5 g Phosphor/kg TM, bei Heu und Maissilagen ca. 2,5 g/kg TM. Bedeutsam sind aber die Spannweiten, was am Beispiel Grassilage verdeutlicht werden soll: Zwar erscheint eine Spannweite bei Grassilagen vom ersten Schnitt zwischen 2,5 und 4,3 g/kg TM auf den ersten Blick nicht viel. In der praktischen Fütterung stellt sich dies jedoch anders dar (siehe Tab. 3).
Bei einer Grassilage-Menge von 20 kg FM (ca. 7 kg TM) pro Tier und Tag ergeben sich daraus 17,5 g – bzw. 30,1 g P-Aufnahme rein aus der Grassilage. Im ersten Fall werden 24 % , im anderen Fall 42 % des Bedarfs einer Kuh mit 30 kg Milch gedeckt. Die Kraftfutter sind zwar bezüglich des Mittelwerts relativ konstant, jedoch mit kräftigeren Unterschieden zwischen den einzelnen Futtermitteln (siehe Tab. 2). Bei den Energiefuttermitteln liefern Getreide ungefähr dreimal so viel P wie Nebenprodukte aus der Zuckerherstellung (Melasse-, Trockenschnitzel). In den Eiweißfuttermitteln liegen jedoch zum Teil deutlich höhere Gehalte vor und auch die Unterschiede zwischen den Futtermitteln sind größer.

Wie viel Phosphor ist in der Ration?

Ob überhaupt ein Bedarf zur P-Ergänzung besteht und – wenn ja – in welcher Dimension wird anhand von drei praktischen Rationen aus der Milchvieh- bzw. Mastbullenfütterung beispielhaft dargestellt. Dabei wurden für die Einzelfuttermittel mittlere Gehalte an P angenommen. Bei den Milchviehrationen handelt es sich um je ein Praxisbeispiel aus einer Ackerbau- und einer Grünlandregion. Beide sind für ca. 30 kg Milch nach Energie und Protein ausgelegt. In der Ackerbauration decken Grobfutter 57 %, in der Grünlandregion 67 % des Gesamtbedarfs an P. Bereits ohne Ergänzung durch Mineralfutter beträgt der Überschuss an P 28 % in der Ackerbau- und 29 % in der Grünlandration. In der Bullenmastration ist der Bedarf an P zu rund 54 % allein durch die Maissilage und Heu abgedeckt. Auch hier ergibt sich zusammen mit der Kraftfutterergänzung ein P-Überschuss von 26 %.

Welche Konsequenzen folgen daraus?

Ein Großteil des P ist bereits in den auf dem eigenen Betrieb erzeugten Futtermitteln Gras- und Maissilage enthalten. Der Rest wird durch das Kraftfutter abgedeckt. Daher kann auf den Phosphor im Mineralfutter verzichtet werden. Wird zum Beispiel in einem Ackerbaubetrieb mit 50 Kühen und 40 ha LF (siehe Tab. 3) der im Mineralfutter enthaltene P komplett weggelassen, so reduziert sich der P-Überschuss scheinbar nur geringfügig um 8 g pro Kuh und Tag. Bei 50 Kühen sind das aber im Jahr 146 kg P. Dies entspricht 335 kg Phosphat oder auf 40 ha verteilt, 8,4 kg weniger Phosphat pro ha und Jahr. Im Beispielsbetrieb brächte also allein die Reduktion von P um ein Prozent im Mineralfutter rund ein Kilogramm weniger Phosphat pro ha und Jahr.
Kann also auf eine Mineralfuttergabe gänzlich verzichtet werden, da andere Mengenelemente wie Natrium und Calcium günstiger über kohlensauren Kalk und Viehsalz abgedeckt werden können? Auf keinen Fall, da der Schwerpunkt bei der Mineralfutterergänzung in der Sicherstellung der Versorgung mit Spurenelementen und Vitaminen liegt! Ein Mineralfutter sollte dabei immer als „Ergänzung“ von Mengen- und Spurenelementen verstanden werden, nicht als alleinige Quelle. Ergänzen kann man aber nur, wenn man weiß, was man ergänzen muss. In der Rinderfütterung heißt das, die Gehalte an Mengen- und Spurenelementen in der Ausgangsration zu kennen. Ohne vorhergehende Untersuchung auf die tatsächlichen Gehalte an Mengen- und Spurenelementen ist eine bedarfsgerechte Ergänzung nicht möglich und fällt meist viel zu hoch aus. Aus Gründen einer bedarfsdeckenden Fütterung, der Futterkosten, aber auch der Umweltrelevanz insbesondere von P-Ausscheidungen sollte deshalb jeder Betrieb seine  Hauptfuttermittel Gras- und Maissilage auch auf Mineralstoffe untersuchen lassen.

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