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Tierwohl

Eile mit Weile

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Andrea Tölle, Wochenblatt
am
03.11.2016

München - Forschungsergebnisse abzuwarten und dann der Praxis Zeit für die Umsetzung zu lassen.

Dass man beim Hausbau erst ein Fundament braucht, bevor man die oberen Stockwerke baut, soll ja angeblich jedes Kind wissen. Ganz sicher ist dieses Wissen aber wohl nicht, wenn man die Entwicklungen in der Tierhaltung sieht. So werden Ferkel mit Ringelschwanz gefordert, die schmerzfrei oder gar nicht kastriert wurden, und auch Geflügel soll seinen langen Schnabel behalten. Diese Forderungen gehen freilich in die richtige Richtung. Wir alle wollen ja, dass es den Tieren gut geht.

Doch fraglich ist die Art der Umsetzung. Kindern wurde früher beigebracht, dass man erst denken und dann reden sollte. Und auch erst denken und dann handeln. Doch heutzutage scheint das alles andersrum zu gehen. Wichtig ist dabei anscheinend auch nicht das Tierwohl, sondern dass man sich hervortun kann – sei es als Politiker, Lebensmittelhändler oder Tierrechtler.

Wirklich sinnvoll ist doch, dass man erst gründlich forscht, bevor man die Praxis – und die Tiere – sozusagen ins Unglück laufen lässt. Denn wem ist damit gedient, wenn sich Tiere selbst verstümmeln? Den Tieren sicher nicht.

Sinnvoller ist doch, erst die Forschungsergebnisse abzuwarten und dann der Praxis Zeit für die Umsetzung zu lassen. So zeigt sich ja erst wieder bei den Ringelschwänzen, dass man hier nicht einfach aufs Kupieren verzichten kann. Vielmehr brauchen die Tiere dann Beschäftigung z. B. durch Raufutter. Und dieses Raufutter verstopft in bisherigen Ställen die Güllekanäle. Das ist noch nicht so lange bekannt, Stallungen müssen aber langfristig geplant werden. Noch schlimmer ist es beim Thema Ferkelkastration. Hier gibt es noch überhaupt keine zufriedenstellende Lösung. Das ist zermürbend und frustrierend.

Dabei gilt doch, dass das Management fürs Tierwohl die größte Rolle spielt – und das kann ein Landwirt am besten, wenn ihm die Arbeit Spaß macht.

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