Login
Eiweißstrategie

Eiweißpflanzen mit Zukunft

Thumbnail
Ulrich Graf, Wochenblatt
am
13.02.2019

Heimische Körnerleguminosen wie Körnererbsen, Ackerbohnen, Süßlupinen und auch zur Eiweißgewinnung vorgesehene Sojabohnen werden derzeit nur auf rund 1,5 % Fläche angebaut.

Blaue Süßlupine

Wenn es nach der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e. V. (UFOP) geht, soll sich dies möglichst bald ändern. Denn diese Hülsenfrüchte sind eine interessante Anbaualternative für Landwirte, die viele Vorteile für Mensch, Agrarwirtschaft und Umwelt mit sich bringen. Hülsenfrüchte zählen seit Jahrhunderten zu den bedeutendsten pflanzlichen Eiweißquellen für Mensch und Tier. In Deutschland waren sie in den letzten Jahrzehnten etwas in Vergessenheit geraten, doch in jüngster Zeit rücken vor allem Körnererbsen, Ackerbohnen, Süßlupinen sowie auch heimisch erzeugte Sojabohnen in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Neben dem traditionellen Einsatz in der Nutztierfütterung sehen Experten in den Körnerleguminosen ein großes Potenzial für neue und gesunde Lebensmittel. Für Menschen, die auf tierisches Eiweiß als Zutat in Lebensmitteln verzichten müssen oder wollen, stellen Proteine aus in Deutschland angebauten Sojabohnen, Körnererbsen, Süßlupinen und Ackerbohnen eine interessante Alternative dar.

Entsprechende Mehle, Konzentrate und Isolate finden Einsatz beispielsweise in Suppen, Cremes, Soßen, Eierspeisen, Backwaren, Nudeln, Fertigmenüs, Getränken, Joghurt, Eis, Sportlernahrung oder in Fleischersatz-Produkten. Neben dem Eiweiß ist auch die Stärke in verschiedenen Körnerleguminosenarten ein wichtiger Bestandteil. Bei Körnererbsen wird sie bereits großtechnisch gewonnen und in Food- sowie Non Food-Anwendungen genutzt.

Trotz des Anbaus von Raps, der mit Rapsextraktionsschrot das wichtigste heimische Eiweißfuttermittel liefert, gibt es in Deutschland nach wie vor einen das Angebot übersteigenden Bedarf. So beträgt die Eigenerzeugung an Eiweißfuttermitteln in der Europäischen Union lediglich rund 30 bis 35 Prozent, da sich in den letzten Jahrzehnten importiertes Sojaschrot als Standard in der Nutztierfütterung etabliert hat. Die weltweit wichtigsten Anbaugebiete für Soja sind die USA, Brasilien und Argentinien. Die dort angebauten Sorten sind heute überwiegend gentechnisch verändert.

Aus Gründen einer nachhaltigen Weiterentwicklung des deutschen Ackerbaus werden vielfältige Fruchtfolgen und pflanzliches Eiweiß aus heimischer Erzeugung immer wichtiger. Körnererbsen, Ackerbohnen, Süßlupinen und Sojabohnen stellen hier eine wertvolle Ergänzung dar.

Auch interessant