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Premiere in Landsberg

Erster Bayerischer Milchviehtag des Wochenblattes

Milchviehtag Landsberg
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Max Riesberg, Wochenblatt
am
27.04.2017

Landsberg - Rechtzeitig vor dem Start in die Siliersaison 2017 lud das Wochenblatt gemeinsam mit dem „Allgäuer Bauernblatt“ zum ersten Bayerischen Milchviehtag an der Landmaschinenschule Landsberg, um seinen Lesern noch den ein oder anderen Kniff mit auf den Weg zu geben.

Klaus Schiller, Geschäftsführer vom Maschinenring Aibling-Miesbach-München und erfahrener Betriebsberater hatte einige hilfreiche Tipps im Gepäck. Wenn es um die optimale Silierkette und letztendlich die Futterqualität geht, dann gibt es für ihn nur eine Prämisse: „Qualität vor Geschwindigkeit!“ Eine sorgfältige Planung und klare Ziele sind das A und O. Wenn man die Ruhe und auch die Nerven bewahrt und sich nicht von der allgemeinen Hektik anstecken lässt, die oft beim Silieren herrscht, dann zahlt sich das auf jeden Fall aus, betonte Schiller.
Und auch die betriebswirtschaftlichen Zahlen geben ihm recht, wenn es um die Gewinnsteigerung durch das Reduzieren von Silierverlusten geht. „Die Unterschiede zwischen den Betrieben sind wirklich enorm und das bei gleicher Tier- und Flächenausstattung“, so Schiller. Die Futterkosten machen den Löwenanteil aus. Überraschend sei zudem, dass es immer gleich um 10 000-Euro-Schritte gehe, die man mehr oder eben weniger erzielen könne. Schiller brachte das Wichtigste in den zehn goldenen Silierregeln auf den Punkt.

Die zehn goldenen Silierregeln

  • Optimaler Schnittzeitpunkt ist der Beginn des Ährenschiebens
  • Dauergrünland nicht tiefer als 5 cm und Ackergras nicht tiefer als 7 cm schneiden
  • Kreiselheuer, Schwader und Erntetechnik nicht zu tief einstellen
  • Trockenmasse-Gehalt von 30 bis 40 % innerhalb von zwei Tagen
  • Breite Ablage durch Mähen mit Aufbereiter oder durch Zetten für ein optimales Anwelken
  • Kurze Schnittlängen: bei Gras 2,5 bis 4 cm, bei Mais 6 bis 8 mm
  • Gras im Silo in Matratzen zwischen 20 und 40 cm Stärke ablegen
  • Unbedingt auf ausreichend Walzgewicht achten
  • Reifendruck beim Walzfahrzeug >2 bar
  • Walzgeschwindigkeit 5 – 7 km/h; 1 – 2 Stunden nachwalzen

Euphorie um Shredlage

Ob sich die Euphorie hinsichtlich der neuen Shredlage-Technik beim Ernten von Silomais tatsächlich halten lässt, dazu brachte Dr. Thomas Ettle vom Institut für Tierernährung der LfL Klarheit in das derzeit vieldiskutierte Thema. Im Rahmen eines Fütterungsversuches in Achselschwang (siehe Wochenblatt 11/S. 52), der momentan in die zweite Phase geht, haben die Wissenschaftler versucht, die Vor- und Nachteilen des Shredlagesilos im Vergleich zu einer TMR (7 mm Häcksellänge) aufzuzeigen. Auch wenn die Bedingungen 2015 nicht optimal waren, so hofft man jetzt mit dem Futter aus 2016 noch deutlichere Ergebnisse hinsichtlich Lebendmassezunahme, Futteraufnahme, Milchleistung, Milchparameter etc. zu erhalten.
Entscheidend ist der Strukturwert der Silage bzw. der Ration, der über die jeweilige Häcksellänge beeinflussbar ist, wie sich gezeigt hat. Die Frage sei aber, ob Shredlage für bayerische Betriebe überhaupt systemrelevant sei, so Ettle. „Wichtig ist es bei der ganzen Debatte um die Häcksellänge und das Nachzerkleinern, sich vor allem mit dem tatsächlichen Erntegut intensiv auseinanderzusetzen, speziell mit der Körneraufbereitung“, machte der Experte von der LfL deutlich.

Spurensuche im Milchviehstall

Auf einen gedanklichen Spaziergang durch die „Wohlfühloase Milchviehstall“ nahm Anna Bilgeri, Fütterungs- und Haltungsberaterin vom Lkv Bayern, die Tagungsteilnehmer mit. „Die Forderungen vonseiten der Verbraucher, aber vor allem auch direkt vom Lebensmitteleinzelhandel an die Tierhalter werden immer extremer“, schilderte Bilgeri. Klar stehe dabei der fließende Übergang vom Anbindestall hin zum Lauftsall im Vordergrund, „aber es gibt große Unterschiede zwischen den einzelnen Betrieben“, betonte sie. Oft sei dabei mit kleinen Verbesserungsmaßnahmen schon viel in Sachen Tierwohl zu erreichen.
Wichtig ist es, erst die Tiere und dann den Stall genauer unter die Lupe zu nehmen. Bilgeri zeigte anhand der verschiedenen Funktionsbereiche auf, wo am häufigsten Schwachstellen in den Milchviehställen liegen.
Liegeboxen: „Wie viele Kühe liegen und wie viele stehen in den Boxen? Normalerweise dauert es keine Minute, wenn sich eine Kuh auf der Weide ablegt. Die sollen ja eigentlich auch 14 Stunden am Tag liegen um Milch zu produzieren. Für die Boxenmaße gibt es Richtlinien, aber rasse-individuell müssen diese angepasst werden. Auf keinen Fall darf die Bugschwelle weggelassen werden, denn die steuert die Kuh in der Box.“
Lauffläche: „Wichtig ist, dass sich die Tiere sicher bewegen können. Daher sollte größter Wert auf eine trittfeste Oberfläche gelegt werden. Bei der Sanierung hat sich das reine Aufschneiden des Spaltenbodens im Vergleich zum Fräsen bewährt. Rund 4,50 bis sechs Euro pro Quadratmeter sind dafür einzukalkulieren.“
Fressplatz: „Die Barrenwand sollte nicht höher als 50 Zentimeter sein, die Fressplatzbreite zwischen 75 und 80 Zentimeter, die Halsweite 22 bis 30 Zentimeter und die Fressgitterhöhe sollte zwischen 150 und 155 Zentimeter betragen. Da Kühe um ein Vielfaches besser riechen können als der Mensch, ist auch besonders da-rauf zu achten, dass der Futtertisch hygienisch ist. Für das Sanieren stehen unterschiedliche Beschichtungsverfahren zur Verfügung. Neu angelegte Futtertische sollten etwa 1,20 bis 1,50 Meter beschichtet sein.“
Tränken: „Wasser ist das billigste Kraftfutter. Da Rinder in kurzer Zeit enorme Mengen saufen, sind möglichst viele, gut zugängliche Tränken im Stall zu installieren. Dabei sollte der Nachlauf und auch die Sauberkeit täglich überprüft werden.“

Biosicherheit – ein heißes Thema

Auch Dr. Ingrid Lorenz vom TGD Bayern beschäftigte sich in ihrem Vortrag mit einem brandaktuellen Thema, nämlich der „Biosicherheit in der Rinderhaltung“. Was in der Schweine- und Geflügelhaltung inzwischen gang und gäbe ist, sei in bayerischen Rinderställen bislang kaum zu finden. „In der Rinderhaltung ist man noch nicht so weit“, sagte Lorenz. Dabei müssten die Bio-Sicherheitsmaßnahmen auch hier weiter gehen, als nur Gummistiefel für den Tierarzt oder Besamungstechniker hinzustellen, forderte sie. Das BVD-Geschehen im Freistaat, wo 2016 wieder persistent infizierte Kälber aufgetreten sind oder das Blauzungen-Virus, das aktuell vor der deutschen Grenze lauert, zeige das eindrucksvoll.
Dazu sei eine Sensibilisierung der betroffenen Tierhalter, aber auch der Berufskollegen dringend notwendig: „Auch die Impfung ist ein Mittel zu mehr Biosicherheit“, betonte Lorenz, auch wenn das oft nicht gerne gehört werde. „Entscheiden muss jeder selbst, wie gut er schlafen will!“ Außerdem spiele natürlich die Vermarktung von Schlacht- und Lebendvieh eine wichtige Rolle, wenn es um den Sinn von Impfungen gehe. Im Falle der Blauzungenkrankheit haben sich die Rinderzuchtorganisationen eindeutig für eine solche Impfung ausgesprochen.
„Es muss uns darum gehen, zu verhindern, dass krankmachende Keime durch andere Tiere, den Menschen, Gerätschaften oder Ungeziefer in den Betrieb eingeschleppt werden“, machte Lorenz deutlich. Alles was das verhindert, sei zu fördern, auch wenn es gerade bei Haustieren oder bei betriebsfremden Personen hier Zielkonflikte zu verzeichnen gebe, Stichwort: Offene Stalltür.

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