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Vermarktung

Export als Ventil

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Hans Dreier, Wochenblatt
am
19.01.2017

München - Die bayerischen Landwirte sind derart fleißig, dass ihre Erzeugnisse nur zum Teil an die heimische Bevölkerung verkauft werden können. Für Lebensmittel im Wert von 8,9 Milliarden Euro mussten im vergangenen Jahr Käufer außerhalb Deutschlands gefunden werden.

Wegen der hohen Produktionskosten in Bayern kann der Export eigentlich kein Ziel für unsere Landwirtschaft sein. Wichtig ist er jedoch als Ventil. Ohne die Möglichkeit des Exports wäre die Agrar- und Ernährungswirtschaft vollends dem Preisdiktat der deutschen Discounter ausgeliefert. Es stimmt zwar, dass mit Getreide, Milch und Schlachtvieh auf dem Weltmarkt nicht viel zu verdienen ist. Die Exporterlöse der Nahrungsmittelhersteller zeigen aber, dass konsumfertige Lebensmittel aus Bayern in anderen Ländern gut bezahlt werden.

Die Bedeutung des Exports zeigt auch folgender Vergleich: Der gesamte landwirtschaftliche Produktionswert, also das was die bayerischen Bauern beim Verkauf all ihrer Produkte erlösen, beträgt nur 11 Milliarden Euro. Rechnerisch könnten die Lebensmittelhersteller allein mit den Exporteinnahmen ihre Einkäufe bei den Bauern weitgehend bezahlen.

Die Lebensmittelhersteller schöpfen in Bayern so richtig aus dem Vollen. Der Selbstversorgunggrad beträgt bei Milch 173 Prozent, bei Rind- und Kalbfleisch 166 Prozent. Bei einer derart hohen Erzeugung muss sich kein Verarbeiter Sorgen um den Warenbezug machen und freiwillig bessere Einkaufspreise bezahlen.

Allerdings ist auch ein niedriger Selbstversorgungsgrad kein Garant für einen höheren Erzeugerpreis. Bestes Beispiel hierfür ist Bayerns Schweinefleischerzeugung: Obwohl sie den Bedarf nur zu 81 Prozent deckt, ist der Schweinepreis nicht besser als anderswo. Denn der Marktpreis bildet sich aufgrund der überregionalen Versorgungslage (EU, Welt) und gilt dann auch in Bayern.

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