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Viehschau

Fein gemacht wie für das Oktoberfest

Viehschau Schweiz
Dr. Michael Götz
am
09.10.2017

Schweiz - Die Viehschau in Eggersriet in der Schweiz erinnert an die Wiesn in München.

Viehschau Schweiz

Die herbstlichen Viehschauen sind Tradition und ein fester Bestandteil im Jahresablauf der Viehzüchter in der Schweiz. Die Bauern treiben ihre prachtvoll geschmückten Herden zum Schauplatz am Dorfrand, um sie einander zu zeigen. Auch die nicht-bäuerliche Bevölkerung nimmt an diesem Fest teil.

Zuschauer säumen schon um 9 Uhr die Straße zum Schauplatz in Eggersriet. Man hört das Geläut der schweren Kuhschellen, dann erscheint die Herde – meistens angeführt vom Bauern in Sennentracht, gefolgt von drei schönen Kühen, die die schweren Senntumsschellen an kunstvoll verzierten Riemen tragen. Darauf folgen vier Sennen in Tracht mit dem Gros der Herde. Zwischendurch gibt es auch Gruppen von weißen Appenzeller-Ziegen, getrieben von Buben und Mädchen – auch diese in traditionelle Sennentrachten gekleidet. Die Haare der Mädchen sind kunstvoll geflochten, die Buben tragen ein Sennenkäppchen und über der Schulter einen reichgeschnitzten Melkkübel, dessen Unterseite mit einem runden Gemälde, dem Bödeli, verziert ist.

430 Tiere sind dieses Jahr aufgefahren, wie es im Dialekt heißt. Auf dem Schauplatz werden sie an vorbereiteten Stangen in Abteilungen entsprechend ihrem Alter angebunden. Danach beginnt die Arbeit der auswärtigen Richter. Sie rangieren die Tiere in jeder Abteilung nach den vier Kriterien: Format, Fundament, Euter und Zitzen sowie Typ. Gegen Mittag ist diese Arbeit abgeschlossen und die Bauern treffen sich mit ihren Familien zum Mittagessen im Festzelt. Am Nachmittag werden die Preise vergeben, ein Preis für die Kuh mit dem schönsten Euter, für die „Generationenkuh“ mit vier anwesenden Generationen, für die Fitnesskühe mit hohen Lebensleistungen und geringer Zellzahl sowie für den Rinderchampion. Spezielle Tiervorführungen runden das Programm ab.

Viehschau: ein Festtag

Viehschau Schweiz

Früher waren die Auszeichnungen an der Viehschau für die Bauern wichtig, um später einen guten Preis für ihre Tiere zu erzielen, berichtet Michael Egger, der Präsident der Schaukommission. Heute ist die Viehschau vor allem ein Festtag für die Bauern, den sie mit Liebe und Sorgfalt vorbereiten. Die Bäuerinnen schmücken ihre Kühe mit Blumenkränzen und Hauben, während die Jungen die Festwirtschaft vorbereiten, Kuchen backen und dafür sorgen, dass sich die Gäste in der Festwirtschaft wohlfühlen. Für die Musik sorgen die Bauern selber, indem sie gemeinsam Zäuerli singen.
Was für München das Oktoberfest, ist für Eggersriet und für viele Schweizer Dörfer die traditionelle Viehschau. Die Viehschauen in den Kantonen St. Gallen, Appenzell und in Liechtenstein finden von Mitte September bis Ende Oktober statt.Dr. Michael Götz

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