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Schweinekrankheiten

Forscher entdecken neues Pestivirus in Schweinen

Ferkel auf Stroh
aiz
am
05.07.2017

Wien - Wenn neugeborene Ferkel trotz ausreichender Wärmezufuhr ungewöhnlich stark zittern, leiden sie am sogenannten "Ferkelzittern".

Die Symptome der Erkrankung ähneln dem Krankheitsbild der klassischen Schweinepest. Ein viraler Hintergrund der Erkrankung konnte kürzlich mit einem in Europa und den USA identifizierten atypischen porzinen Pestivirus bestätigt werden. Forschende der Vetmeduni Vienna entdeckten nun ein weiteres, bislang unbekanntes Virus in "Zitterferkeln" eines österreichischen Betriebs. Der Erreger ist mit dem australischen Bungowannah Virus und entfernt mit dem Virus der klassischen Schweinepest verwandt. Aufgrund der Symptome wird es vorläufig "LINDA-Virus" genannt. Seine Entdeckung wurde vor Kurzem im Journal "Emerging infectious diseases" veröffentlicht.

In einem österreichischen Zuchtbetrieb kam es im Jahr 2015 bei neugeborenen Schweinen zu einem Ausbruch einer besonderen Form des Ferkelzitterns. Bei dieser Erkrankung, die zu massiven Verlusten führen kann, lösen schwere Schädigungen in Hirn und Rückenmark einen ungewöhnlich starken Tremor bei den Ferkeln aus. Als mögliche Ursache für dieses Krankheitsbild gilt ein vor Kurzem in Europa und den USA gefundenes atypisches porzines Pestivirus (APPV). Dieses wurde von Forschenden der Vetmeduni Vienna mittlerweile auch in Österreich nachgewiesen.
 

Neu entwickelte Nachweismethode

Aufgrund der ausgeprägten Symptome bei den Ferkeln dieses Betriebs untersuchten Experten der Universitätsklinik für Schweine die Tiere auf dieses APPV. Trotz umfassender und spezifischer Analysen konnte weder dieser noch ein anderer bekannter Krankheitserreger als Ursache nachgewiesen werden. Da alle Symptome und Untersuchungsergebnisse jedoch auf die Beteiligung eines Pestivirus hindeuteten, wurde ein neuartiger, diagnostischer Test entwickelt, der schließlich zur Entdeckung des neuen Pestivirus führte.

"Der von unserem Team neuentwickelte Nachweis erfasste alle bekannten Pestiviren und ermöglichte so den Nachweis eines bislang unbekannten Virus", erklärt Benjamin Lamp vom Institut für Virologie. Die vollständige Analyse der Genomorganisation kennzeichneten den neuentdeckten Erreger eindeutig als ein bislang unbekanntes Pestivirus aus der Familie der Flaviviridae. Dieses wurde aufgrund des seitwärts gerichteten Muskelzitterns und der Läsionen im Nervengewebe von betroffenen Ferkeln "LINDA" (Lateral shaking Inducing NeuroDegenerative Agent) genannt.

Keine Gefahr für die menschliche Gesundheit

"Pestivirus-Infektionen sind nur bei Klauentieren verbreitet und stellen keine Gefahr für die menschliche Gesundheit dar", so Lamp. Gleichzeitig mit der Entwicklung des Nachweisverfahrens gelang dem Team mit Hilfe klassischer Zellkulturmethoden auch die Anzucht des neuartigen Pestivirus aus Organproben. "Das ist ein wichtiger Schritt, um das neuentdeckte Virus weiter erforschen zu können", so der Virologe.

Bislang ist nicht bekannt, wie weit das neue LINDA-Virus in der Schweinepopulation verbreitet ist. "Wir arbeiten gerade an einem neuen serologischen Test, um mehr über die Häufigkeit an Krankheitsfällen durch das Virus, in Österreich zu erfahren", sagt Lamp. Der Test ist auch insofern wichtig, da die Verwandtschaftsanalyse zu anderen Erregern das Virus der Klassischen Schweinepest (KSP) als entfernten Verwandten aufzeigte. Es ist außerdem noch unklar, wie gefährlich das LINDA-Virus für die Schweinehaltung ist. "Da es jedoch auch die Gebärmutter von trächtigen Säuen infiziert, könnte es zu Störungen bei der Hirnrinden-Reifung von Ferkeln führen", so Institutsleiter Till Rümenapf. Daher seien Bekämpfungsstrategien so früh wie möglich zu entwickeln.

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