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Seltene Rassen

Frage der Haltung

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Max Riesberg, Wochenblatt
am
31.08.2017

München - Erst wenn etwas selten geworden ist, dann fällt dem Menschen auf, welchen Wert es hat.

Max Riesberg

Oh, sind die schön – wie aus dem Bilderbuch!“ Das hört man oft, wenn man einer Weide mit Murnau-Werdenfelser Kühen oder anderen seltenen Rinderrassen vorbeikommt. So ist der Mensch eben: Erst wenn etwas selten geworden ist, dann fällt ihm auf, welchen Wert es hat. Oder wenn es ganz von der Bildfläche verschwunden ist, was einem eigentlich verlorenen ging.

Im Falle seltener Rassen wie den Murnau-Werdenfelsern und einigen anderen gefährdeten Rindern ist es ein sensibles Zusammenspiel des Züchtens und Erhaltens mit der Haltungsform an sich. Denn alle diese Rassen wurden und werden heute noch vorwiegend in kleineren Beständen auf Bergbauernhöfen, Nebenerwerbsbetrieben und von Landwirten gehalten, die aufgrund äußerer Umstände und/oder aus Überzeugung gegen den Strom der Zeit schwimmen.

Eine Schlüsselrolle spielen hier seit jeher die traditionelle Form der Anbindehaltung in Verbindung mit Weidegang vom Frühjahr bis in den Herbst und die Almwirtschaft. Dass diese Form der Kombinationshaltung jede Menge Vorteile mit sich brachte – und heute noch bringt – das traut sich aber aktuell kaum einer mehr zu sagen. Anscheinend auch dann nicht, wenn der Bergbauer mit der prächtigen Almkuh auf der Milchpackung thront. Anbindehaltung ist gegen den Zeitgeist. Sie lässt sich nicht gut vermarkten und macht einen angreifbar. Dass die ganzjährige Stallhaltung mittelfristig in der Öffentlichkeit nicht mehr zu vermitteln ist, dazu braucht es keine Wahrsagerin. Aber eine Kombinationshaltung mit viel Tierwohl, frischer Luft, sattem Gras und vielen positiven Nebeneffekten für die Mensch-Tier-Beziehung und die Landschaftspflege müsste eigentlich jedem einleuchten. Es ist wieder mal eine Frage, wie man die Tierhaltung nach außen darstellt. Die Salzburg Milch geht hier derzeit mit positivem Beispiel voran und zwar vonseiten der Molkerei. Respekt!

Mit Material von Max Riesberg, Redakteur
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