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Gerichtsurteil

Freispruch für Stalleinbrecher - Sind Bauern Freiwild?

Stalleinbruch
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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
20.10.2017

Das Magdeburger Landgericht hat ein spektakuläres Urteil gefällt. Was denken Betroffene darüber? Wir haben zwei Bauern danach gefragt.

"Es geht darum, die Nutztierhaltung generell abzuschaffen"

Stalleinbruch-Bauer

„Es ist zu begrüßen, dass die Staatsanwaltschaft in Berufung gehen will. Die meisten Landwirte kümmern sich sehr gut um ihre Tiere. Sollte bei der Tierhaltung eines Landwirts etwas auffällig sein, sollte es weiter Sache der Behörden wie Veterinäramt oder TGD sein, hier für Ordnung zu sorgen. Es kann ja nicht sein, dass wir Landwirte nachts nicht mehr schlafen können und bei Kontrollgängen Angst haben, weil wir immer befürchten müssen, dass wir in unseren Stallungen auf fremde Menschen treffen. Meiner Meinung nach geht es den Tierrechtlern nicht darum, den einzelnen Nutztieren in speziellen Fällen zu helfen, sondern darum, die Nutztierhaltung generell abzuschaffen. Ich bin Christ und schon im Alten Testament steht, dass die Tiere dem Menschen als Nahrung dienen sollen. Und wir Landwirte sorgen dafür, dass die Tiere bestmöglich leben.“

"Sind wir Landwirte eigentlich Freiwild?"

Stalleinbruch-Bauer

„Sind wir Landwirte eigentlich Freiwild? Wenn man bei Leuten einsteigt, weil man vermutet, dass zum Beispiel ein Hamster nicht artgerecht gehalten wird, ist das Hausfriedensbruch. Aber wir Landwirte müssen uns gefallen lassen, dass Fremde unsere Tierhaltung heimlich kontrollieren, obwohl unsere Ställe ja ohnehin schon von vielen Organisationen überprüft werden. Hat ein Landwirt kein Recht mehr auf Eigentum? Es ist für die Tiere nicht gut, wenn Fremde die Stallungen betreten. Aber auch man selbst bekommt Angst davor, bei einem späten Kontrollgang auf einen dieser Tierrechtler zu treffen. Der Gesetzgeber sollte sich gut überlegen, was er tun kann, damit wir Landwirte die gleichen Rechte bekommen wie alle anderen Bürger. Sicher sollte man etwas unternehmen, wenn es wirklich Missstände gibt. Aber dafür haben wir doch die Staatsgewalt. Hier sollten die Veterinärämter und notfalls die Polizei einschreiten.“

*Hinweis der Redaktion

Die Tierschutzorganisation Animal Rights Watch hat uns darauf hingewiesen, dass das Strafrecht den Begriff "Einbruch" und "einbrechen" nur in Verbindung mit Diebstahldelikten kennt und durch Verwenden des Begriffs eine Assoziation zu kriminellen Handlungen dargestellt werde, mit denen der vorliegende Fall nichts gemeinsam habe. Der korrekte Begriff für den vorliegenden Delikt laute aus juristischer Sicht "Hausfriedensbruch". Das nehmen wir zur Kenntnis und weisen auch unsere Leser darauf hin.

Als Wortschaffende setzen wir Begriffe aber nicht in ihrer juristischen Komplexität sondern in ihrem "wörtlichen Sinne" ein, also entsprechend ihrer Bedeutung in der Sprache. Der Fachbebriff dazu lautet Semantik. Die semantische und die juristische Bedeutung von Begriffen sind nicht immer deckungsgleich. Für uns bedeutet Einbruch semantisch das "unerlaubte Eindringen in ein Gebäude" und so benutzen wir den Begriff auch in unseren Texten.

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