Login
Seuchen

Gefügelpest - im Norden weiter angespannte Lage

Thumbnail
Ulrich Graf, Wochenblatt
am
27.12.2016

Hannover/München - Betroffen ist vor allem das Land Niedersachsen. Im Landkreis Cloppenburg wurde heute der zweite Vogelgrippevirusfall vom Subtyp H5N8 in Nutzgeflügelhaltungen bestätigt. Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sehen ebenfalls keinen Grund zur Entwarnung. Hier sind Neuinfektionen aber vor allem auf Wildgeflügel beschränkt.

In Deutschland sind bislang 15 Bundesländer von der Wildvogel-Geflügelpest betroffen. Zuletzt brach die Tierseuche in Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen in größeren Hausgeflügelbeständen aus. Die Tiere mussten alle der Geflügelpestverordnung entsprechend getötet werden. Auch in Europa grassiert der Erreger – in Ungarn, Frankreich und den Niederlanden sind zahlreiche Hausgeflügelhaltungen betroffen.

Niedersachsen - Region mit einer Millionen Stück Geflügel betroffen

Heute hat sich der Verdacht auf einen weiteren Vogelgrippefall im Landkreis Cloppenburg bestätigt. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) stellte die hochpathogene Form H5N8 fest. Die Tötungen der im Ausbruchsbetrieb sowie in einem Kontaktbetrieb gehaltenen Puten sollen noch heute abgeschlossen werden. Es handelt sich um 14.000 und 7.200 Putenhähne. Für die betroffenen Gemeinden Garrel und Bösel wurde ab heute (0 Uhr) ein „Stand-Still" für 72 Stunden verfügt. Hier dürfen kein Geflügel und keine Geflügelprodukte in die Betriebe hinein- oder aus ihnen heraus gebracht werden. In einem Radius von drei Kilometern um den Ausbruchsbetrieb wird in Kürze ein Sperrbezirk eingerichtet, dort werden rund eine Million Stück Geflügel gehalten. Zudem richtet der Landkreis ein Beobachtungsgebiet im Radius von 10 Kilometern ein.

Es ist der zweite bestätigte Fall von Geflügelpest in einem Nutzgeflügelbestand im Landkreis Cloppenburg. Einen weiteren Fall von Vogelgrippe gibt es im Landkreis Northeim. Betroffen ist ein Kleinstbestand mit 18 Hühnern und sechs Enten. Auch hier bestätigte das FLI den Virussubtyp H5N8. Die Tiere wurden inzwischen getötet. Die Landkreisbehörden bereiten die Einrichtung eines Sperrbezirks und eines Beobachtungsgebietes vor. Im vorgesehenen Drei-Kilometer-Sperrbezirk befinden sich nur Hobbyhaltungen mit Geflügel.

Unterdessen sind die Räumungen in dem von Vogelgrippe betroffenen Puten-Betrieb in Dötlingen, Landkreis Oldenburg, sowie in zwei Kontaktbetrieben im Landkreis Vechta abgeschlossen. Es handelt sich im Ausbruchsbetrieb um 10.000 Tiere sowie in den zwei weiteren Betrieben um jeweils rund 12.000 Tiere. Zwischen den drei Geflügelhaltungen hatte es enge Kontakte gegeben, vor allem durch Futtermeister, die an allen drei Standorten in die Ställe gingen. Bei Untersuchungen von zwei Betrieben im Ein-Kilometer-Radius um den Ausbruchsbetrieb ergab sich hingegen kein weiterer Verdachtsfall. Für die Gemeinde Dötlingen gilt ein „Stand-Still" seit Heiligabend, 16 Uhr, für ebenfalls 72 Stunden. Die Einrichtung von Sperrbezirk und Beobachtungsgebiet trat mit dem heutigen Tag in Kraft.

Schleswig-Holstein - das ganze Landesgebiet betroffen

Weiterhin sind in Schleswig-Holstein alle Kreise und kreisfreien Städte von der Geflügelpest betroffen, entweder durch eigene Nachweise oder durch Restriktionszonen aufgrund der Nachweise in einem angrenzenden Kreisgebiet. So wurde jüngst der hochpathogene Geflügelpesterreger des Subtyps H5N8 in einer Möwe und einem Schwan aus Lübeck sowie einem Bussard aus dem Kreis Plön (Funde vom 15. bzw. 16. Dezember) nachgewiesen. Insgesamt wurde der Subtyp H5N8 in Schleswig-Holstein bislang bei 109 Proben von Wildvögeln (z.T. Untersuchung in Poolproben sowie exemplarisch bei Funden mehrerer verendeter Vögel an einem Ort) durch das Friedrich-Löffler-Institut (FLI), dem nationalen Referenzlabor für aviäre Influenza, bestätigt. Betroffen sind zahlreiche Arten wie Wildenten (insbesondere Reiherenten), Wildgänse, Möwen, Schwäne, Seeadler und Bussarde.

Mecklenburg-Vorpommern - Minister warnt vor nachlassender Aufmerksamkeit

„Auch wenn die Vogelgrippe sukzessive aus dem Bewusstsein der Allgemeinheit verschwindet, ist in Mecklenburg-Vorpommern eine Ausbreitungstendenz weiterhin gesichert gegeben. Hierzulande werden immer noch H5N8-Nachweise in Vögeln geführt, das Virus ist also präsent," so schätzt Landwirtschaftsminister Till Backhaus in Mecklenburg-Vorpommern ein. Eine Aufhebung der landesweiten Stallpflicht komme deshalbnicht in Frage.

Auch interessant