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Zucht

Genomische Zuchtwerte noch sicherer

MR_Fleckvieh-Milchvieh
Dr. Reiner Emmerling, Prof. Kay-Uwe Götz, LfL Tierzucht, Grub, Dr. Georg Röhrmoser, ABB/LBR
am
11.07.2019

Im Verbund-Projekt FleQS wird jetzt die Kuh-Lern-Stichprobe in Bayern gestartet, um mehr Infos zu erhalten und den Zuchtfortschritt weiter zu beschleunigen.

Eine höhere Sicherheit der genomischen Zuchtwerte und das Entwickeln genomischer Zuchtwerte für Gesundheitsmerkmale stehen im Mittelpunkt eines neuen Verbundprojektes der LfL mit den bayerischen Rinderzuchtorganisationen und den bayerischen Rinderzüchtern. Dabei sind die Genotypisierung von insgesamt 80 000 weiblichen Tieren auf Fleckviehbetrieben in Bayern und die systematische Erfassung von Gesundheitsmerkmalen das Herzstück des Projektes.

Genomische Selektion in Bayern

Seit acht Jahren gibt es in Bayern die genomische Selektion beim Fleckvieh und Braunvieh. Diese Methode ermöglicht die Auswahl der besten Tiere durch die Untersuchung einer kleinen Gewebeprobe, die schon kurz nach der Geburt möglich ist. Inzwischen werden jährlich rund 20 000 Kälber aus Elitepaarungen untersucht. Die daraus geschätzten Zuchtwerte sind ein unverzichtbares Kriterium für den Erfolg des bayerischen Zuchtprogramms. Junge männliche Zuchttiere werden nach ihren genomischen Zuchtwerten streng selektiert an die Besamungsstationen verkauft und auch bei weiblichen Tieren hält die Selektion nach genomischen Zuchtwerten Einzug. Derzeit wird die genomische Selektion noch vorrangig zur Erzeugung der nächsten Generation an Besamungsbullen und Bullenmüttern genutzt.

Genomische Zuchtwertschätzung

Rinderzucht

Die Untersuchung der Gewebeprobe ergibt das genetische Muster von 50 000 Markern im Genom des betrachteten Tieres. In der genomischen ZWS lernt das System die Beziehungen zwischen Markern und Zuchtwert anhand von genotypisierten Tieren mit hoher Zuchtwertsicherheit. Diese Beziehungen erlauben dann die Schätzung des Zuchtwerts von Jungtieren mit einer hohen Sicherheit. Je mehr Informationen zum Lernen zur Verfügung stehen, desto besser lassen sich die Zuchtwerte von Jungtieren vorhersagen. In den ersten Jahren wurden aus Kostengründen nur Besamungsbullen mit sicheren Informationen in der Lernstichprobe verwendet, inzwischen lohnt sich aber auch die Genotypisierung von Kühen. Ohne genotypisierte Kühe muss man für neue Merkmale, wie Gesundheitsmerkmale, Klauenerkrankungen oder Futter- effizienz viele Jahre lang Daten sammeln, weil pro Jahr nur 350 neue Bullen in den Einsatz kommen.

Einführung der Kuhlernstichproben

Durch die Messung der neuen Merkmale direkt an Kühen, die gleichzeitig auch genomisch untersucht werden, kann man genomische Zuchtwerte für neue Merkmale innerhalb von drei bis vier Jahren einführen. Darüber hinaus haben Berechnungen gezeigt, dass durch die systematische Genotypisierung von Nachkommen aller Besamungsbullen die Sicherheit genomischer Zuchtwerte für alle Merkmale deutlich ansteigt.
Trotz der gesunkenen Kosten benötigt man sehr viel Geld für Genotypisierungen, wenn man schnell große Kuhlernstichproben aufbauen will. Um die hohe Anfangsinvestition in der Fleckviehpopulation in Bayern zu schultern, wurde das Verbundprojekt FleQS (Fleckvieh-Kuh(Q)-LernStichprobe) gestartet. Das Bayerische Landwirtschaftsministerium fördert die genomische Untersuchung der ersten 30 000 Kühe mit 1,5 Mio. €. Die Zuchtverbände und Besamungsstationen sichern einen zusätzlichen Wirtschaftsanteil von 3,6 Mio. € innerhalb von drei Jahren. Im Projekt arbeiten LfL, Zuchtverbände, Besamungsorganisationen und das LKV eng zusammen. Start war am 1. 7. (Modell siehe Grafik).
Im Bullenmodell werden von jedem Besamungsbullen zufällig 50 Töchter in der ersten Laktation genomisch untersucht. Hierzu entnehmen Mitarbeiter der LfL bei der Nachzuchtbeschreibung eine Haarprobe. Derzeit holen die LOP bei den Betriebsleitern die Zustimmung zur Probennahme ein. Auf diese Art hat zukünftig jeder Besamungsbulle 50 genotypisierte Töchter. In den drei Projektjahren sollen auf diese Weise 45 000 Kühe mit Exterieurbeschreibung und Daten aus den anderen Leistungsprüfungen in die Kuhlernstichprobe eingebracht werden.
Im Betriebsmodell werden zusätzlich zu den Standardmerkmalen auch Gesundheitsmerkmale, Klauenpflegedaten, Kälberkrankheiten und Daten zum Tierverhalten erfasst. Rund 300 Betriebe mit insgesamt 17 000 Kühen können hieran teilnehmen. Als Gegenleistung können Züchter alle weiblichen Jungtiere und Erstlaktierenden mit finanzieller Unterstützung des Projektes genotypisieren lassen. Auf diese Art werden rund 35 000 genotypisierte weibliche Tiere entstehen. Die genomischen Zuchtwerte können auch im Management der Betriebe, z. B. zur Anpaarungsplanung, eingesetzt werden.
Daneben erhalten die Betriebe eine enge Betreuung durch ihren Zuchtverband und können die vielfältigen Managementwerkzeuge in ProGesund nutzen. Wichtig ist dabei eine möglichst hochwertige Erfassung der Gesundheitsmerkmale im Betrieb und ein hoher Anteil an Töchtern junger Vererber, da nur so die erwarteten Sicherheitsgewinne für genomische Zuchtwerte im Projekt erreicht werden können. Bei Interesse an einer Teilnahme beim Projekt, melden Sie sich bitte bei Ihrem Zuchtverband.
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