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Kommentar

Geschlossenheit

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Max Riesberg, Wochenblatt
am
15.02.2018

Über das Schwarz-Weiß-Denken bei emotionalen Themen wie der Tierhaltung

Max Riesberg

Einen guten oder schlechten Bauern erkennt man nicht am Stallsystem! Respekt, wenn sich nicht nur die eigenen Branchenorganisationen mit solchen Äußerungen hinter die Erzeuger stellen, sondern sogar die eine oder andere Molkerei. Denn der Druck vonseiten der Akteure gezielter Stimmungsmache lässt gerade beim Thema Anbindehaltung nicht nach – Fachwissen oft Fehlanzeige.

Doch wen wundert das in einer Gesellschaft, in der Tiere oft besser behandelt werden als der Mensch selbst. Peta und Co freuen sich schon im Sinne der Selbsterhaltung, wenn sie fast wöchentlich eine andere Sau durchs Dorf treiben können. An der Anbindehaltung haben sie sich aber anscheinend schon seit längerem wie Bluthunde festgebissen.

Dabei ist das Schlimme keinesfalls die Auseinandersetzung mit einem Haltungssystem, das es zu überdenken und verbessern gilt – und zwar im Sinne des Tierwohls, aber auch der Menschen, die tagtäglich damit arbeiten müssen – sondern das weit verbreitete Schwarz-Weiß-Denken, wenn es um emotionale Themen wie die Tierhaltung geht und das Vorpreschen einiger ach so innovativer Handelsketten, die keine Milch mehr aus Anbindehaltung anbieten wollen. Wenn die Rechenschaft ablegen müssten über die „Haltungsbedingungen“ ihrer Mitarbeiter!

Den Vorwurf, dass Politik und Interessensvertreter bei der Anbindehaltung geschlafen hätten, muss man aber gerade im Freistaat entschieden zurückweisen. Hier ist man sich der Auswirkungen eines generellen Verbots gerade für die kleineren bäuerlichen Misch- und Nebenerwerbsbetriebe durchaus bewusst. Einen Strukturbruch kann sich keiner leisten, denn auch der vor- und nachgelagerte Bereich würde gnadenlos darunter leiden. Was es nun braucht sind geschlossene Reihen, Aufklärungsarbeit, Planungssicherheit und zukunftsträchtige Konzepte für diejenigen, die weitermachen – am besten über Landesgrenzen hinaus.

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