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Betriebskonzept

Gute Leistung von der Fläche

Ziegen
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Redaktion Wochenblatt, Wochenblatt
am
11.10.2017

Unteropfingen - Bei der Betriebsübernahme entschieden Monika und Thomas Makary, die Kühe gegen Milchziegen und Legehennen zu tauschen. Heute schätzen sie ihre Betriebszweige nicht nur wegen der höheren Wertschöpfung.

Knapp 30 Kühe standen im Stall und eine Idee im Raum – der Hof sollte bio werden: „Da waren wir uns einig“, erzählen Monika und Thomas Makary. Doch mit welcher Tierart war dies in der Ortsmitte von Unteropfingen bei Memmingen möglich? Für eine zukunftsfähige Rinderhaltung hätte der Betrieb viel investieren oder gar aussiedeln müssen: „Wir hatten hier als Voraussetzung Innerortslage mit wenig Platz um den Hof, altbemaßte Hochboxen und keinen direkten Zugang zu einer ausreichenden Weidefläche“, erklärt der Landwirt die ungünstige Ausgangslage. Dazu kam viel Handarbeit in den teils niederen und auch schlecht belüfteten Ställen.

Für seine Frau Monika, die den Hof Anfang des Jahres 2013 von ihren Eltern übernahm, fiel die Entscheidung ohnehin bereits Jahre zuvor: „Ich habe mich schon während dem Studium in Ziegen verliebt“, erklärt die Agrarwirtschafterin und lacht. Im Sommer 2013 war es schließlich soweit: „Die Kühe gingen im Juni raus, fünf Wochen später kamen 75 ungedeckte Jungziegen aus dem Schwarzwald bei uns am Hof an.“ 40 000 € hat das junge Ehepaar in den Umbau investiert: Dabei wurden die Güllekanäle verfüllt und eine Platte darüber betoniert, die Rinderaufstallung wurde komplett entfernt und durch schlichte Holzpalisaden-Fressgitter ersetzt. Zentrales Augenmerk legten sie  beim Umbau darauf, dass jede Ecke des Stalles mit dem Hoflader erreichbar ist und den Tieren viele komfortable Tränken und Fressplätze zur Verfügung stehen, um den Stress aus der Herde zu nehmen.

Im Melkstand wurde die Grube an die Körpergröße der neuen Betriebsleiter angepasst und tiefer gesetzt sowie die gesamte Melktechnik ausgetauscht: „Vom Vierer-Tandem sind wir jetzt auf einen einseitigen Zwölfer-Side-by-Side umgestiegen“, erklärt die Ziegenhalterin.  Beim Melkzeug und der Abnahmeautomatik haben sie sich für hochwertige Neuanschaffungen entschieden, bei der weiteren Technik dagegen aus Kostengründen für gebrauchte Lösungen oder Eigenbauten.

Die Flächenleistung ist konkurrenzlos gut

Familie

Auch ihr Mann Thomas ist inzwischen voll und ganz vom neuen Betriebszweig überzeugt: „Die Wertschöpfung pro Hektar ist deutlich höher – auch im Vergleich zu Biokühen. 90 Ziegen brauchen so viel Futterfläche wie neun Kühe. Dafür brauche ich neun Hektar Hauptfutterfläche und habe von der Fläche bei 1000 Liter Milchleistung pro Ziege ein jährliches Milchgeld von 81 000 Euro. Das ist eine Wertschöpfung von fast 10 000 Euro pro Hektar. Das ist konkurrenzlos gut“, rechnet der Agraringenieur vor, der vor seiner praktischen Arbeit am Hof als Milchviehberater tätig war.

Um die entsprechende Milchleistung ermelken zu können, haben sich Makarys für die Bunte Deutsche Edelziege entschieden. Die Milch wird je nach Inhaltsstoffen zu einem Preis von 0,88 bis 1,10 € an die Landkäserei Herzog im gut 30 km entfernten Roggenburg geliefert, die daraus Frischmilch, Frischkäse und halbfesten Schnittkäse produziert. Sechs weitere Ziegenhalter liefern der Molkerei zu. Die Anlieferung erfolgte bis zum Vorjahr von jedem Ziegenhalter separat. „Uns war die Fahrerei aber zu aufwendig.“ Der scharf kalkulierende Milchlieferant entschied sich, gemeinsame Sache mit den anderen Landwirten zu machen und schaffte einen kleinen Milchlaster an, mit dem die Milch von einem externen Fahrer seit April diesen Jahres jeden dritten Tag gesammelt und geschlossen abgeliefert wird.

Anders entwickeln soll sich auch die Vermarktung der Jungziegen. Neben den Zuchttieren – für die die Milchziegenhalter 200 € für eine deckreife, gut sechs Monate alte Jungziege oder 400 € für ein bereits belegtes Tier bekommen – geht der Großteil der männlichen Jungtiere in die Mast. Um diesen Weg künftig zu vermeiden, soll die Fleischdirektvermarktung weiter ausgebaut werden. Bis zu 40 Tiere pro Jahr sind es bereits. Mit zehn Wochen und 14 bis 16 kg werden die Jungböcke geschlachtet und liefern ein Schlachtgewicht von 6 bis 11 kg. Die Tiere werden dann in der Regel als Hälften und für 14 € je Kilo Fleisch küchenfertig und vakuumiert verkauft. Über die gesamte Aufzucht-Dauer der Jungböcke rechnen die Landwirte mit Bio-Vollmichpulver-Aufwand von  10 bis 12 kg.

Züchterisch sind die Ziegenhalter auf große rumpfige Tiere bedacht: „Die können viel fressen und geben viel Milch“, erklärt Monika Makary und ergänzt: „Wir wollen eine homogene Herde aus unkomplizierten Tieren, die alt werden und auch ein gutes Gemüt mitbringen.“ Dies ist vor allem bei den horntragenden Tieren im Stall ein wichtiges Kriterium. „Die Ziegen mit Hörnern sind eindeutig im Vorteil und wissen das auch unschön zu nutzen. Langfristig müssen wir uns entscheiden, ob wir Tiere mit oder ohne Hörner haben wollen.“ Derzeit prüfen sie an einer von den übrigen Ziegen getrennten Hornlosherde, ob sich diese tatsächlich durch eine schlechtere Milchleistung unterscheidet, wie es ihnen von manchen Züchtern nachgesagt wird. „Sollte sich da kein negativer Unterschied feststellen lassen,“ stellt der Züchter klar, „werden wir die behornten Tiere aussortieren.“

Gute Milchleistung dank Luzerne

Für eine gute Milchleistung setzen Makarys verstärkt auf das Füttern von Luzerne: „Das ist die Königin der Futterpflanzen. Die bleibt sogar bei Hitze super schmackhaft und die hat ein enormes Zeitfenster, in dem du sehr gutes Grundfutter ernten kannst“, lobt der 33-jährige. Von Beginn der Laktation Anfang Februar bis Anfang Mai bekommen die Ziegen warmbelüftetes Luzerne-Heu ad libitum. Ab Mai bis in den Oktober steht die wertvolle Futterpflanze dann als frisches Grün zur Verfügung und ab September wird den Tieren sukzessive immer älteres Heu vorgelegt. Ab Januar geht es  wieder in die nährstoffreiche Vorbereitungsfütterung. Als Energieausgleich zur eiweißreichen Luzerne bekommen die Tiere bislang Milchleistungsfutter und Körnermais. Ab dem kommenden Jahr soll die Energie ausschließlich aus eigenem Hafer, Körnermais und Gerste stammen. „Wir wollen eine Mahl- und Misch­anlage bauen und dann sollen alle Tiere eigenes Kraftfutter bekommen“, erklären Makarys, die damit die Abhängigkeit vom Markt reduzieren möchten: „Durch die vielen Neu-Umsteller ist das Biofutter momentan knapp und es wird monatlich teurer.“ Auch die Qualität und Zusammensetzung sei aufgrund der knappen Rohstoffe nicht mehr konstant. „Außerdem sparen wir so 200 Euro je Tonne gegenüber dem Zukauffutter und können die Zusammensetzung im Laufe des Jahres genau an den Leistungsbedarf unserer Tiere anpassen.“

Legehennen als zweites Standbein

Hühner

Vom betriebseigenen Kraftfutter werden dann auch die rund 800 Legehennen profitieren. Die ersten davon kamen im Jahr 2015 an den Hof. „Wir wollten ein zweites Standbein, das nicht so arbeitsintensiv ist wie die Milchziegen-Haltung“, erklärt der Eierproduzent. Drei Jahre lang hatten sich die Beiden vorab über Haltungsformen, Ställe und Marktsituation informiert, bevor sie den Schritt gewagt haben. Aus wirtschaftlicher Sicht kam nur der Schritt zum Mobilstall in Frage. „Ich wollte keine Eier produzieren für einen Cent Marge und am Tropf der Großhändler hängen. Lieber klein und Direktvermarktung und mit 300 Hühnern so viel verdienen wie mit 3000 Tieren im Feststall.“
Bewusst hat sich das Ehepaar für einen kleinen Stall für 280 Hühner entschieden: „Wir waren Hühner-Anfänger und es ist gut, wenn etwas langsam wachsen kann“, erklärt die Landwirtin und freut sich über die hohe Nachfrage nach den Eiern: „Nach sechs Wochen waren wir zum ersten Mal ausverkauft und das mitten im Sommer, wenn eigentlich niemand Eier will.“ Schnell fiel die Entscheidung, im Folgejahr in einen zweiten Mobilstall zu investieren und die Vermarktung auszubauen. Beim Kontaktaufbau zu den umliegenden Naturkostläden konnten sie sich der Hilfe von benachbarten Biobetrieben sicher sein. „Wir haben super Tipps und Angebote für Liefergemeinschaften bekommen – da war eine wahnsinnige Solidarität da.“ Auch sehr gut funktionierende Maschinengemeinschaften seien so unter den Biobauern entstanden.

Die Neueinsteiger konnten von Beginn an vom jahrelangen Wissen der inzwischen befreundeten Betriebe profitieren und dadurch Fehler vermeiden. So sind sie bis heute mit der Wahl ihrer mittlerweile drei Rowa-Ställe sehr zufrieden. 50 000 €/Stall mussten sie investieren und konnten je rund 15 000 € Fördermittel beanspruchen. „Das ist pro Tierplatz relativ teuer“, erklärt Makary, aber beim Arbeitskomfort möchte die Familie keine Abstriche machen: „Uns war wichtig, dass wir die Eier nicht bei Wind und Wetter von außen, sondern trocken im Fahrzeug einsammeln können.“ Man könne zudem aufrecht stehen, der Wagen ist bis – 20 °C isoliert und lässt sich einfach bewegen.
Ausgestattet sind die Fahrzeuge mit je 56 Legenestern, Wassertank und Trogketten-Fütterung. Letztere koste laut dem Hühnerhalter zwar rund 1500 € Aufpreis, der amortisiere sich aber durch die geringeren Futterverluste binnen zwei Jahren. Makary selbst hat das Hühnermobil noch mit einer Photovoltaik-Anlage nachgerüstet, um Licht, die Fütterung, das Weidezaungerät und die Jalousie steuern zu können. Zweimal pro Woche werden Futter und Wasser nachgefüllt. Dafür veranschlagen Makarys einen Zeitaufwand von wöchentlich zwei Stunden. Auch das regelmäßige Versetzen aller Ställe innerhalb der Parzelle ist binnen einer Stunde erledigt. Für jeden der Ställe war trotz der Mobilität ein reguläres Baugesuch nötig gewesen.

Auf der Suche nach Zweinutzungs-Rasse

Hühnerstall

Die Betriebsleiter haben sich bei der Wahl der Hühner für das Bruder Hahn-Projekt entschieden. 5 € Aufschlag auf den regulären Preis von 9,50 € je Junghenne nehmen Makarys dafür in Kauf, dass auch die männlichen Küken aufgezogen und gemästet werden. Dennoch sind die Beiden aber auf der Suche nach einem vollwertigen Zweinutzungs-Huhn: „Der Bruder-Hahn braucht sechs bis acht Kilo Futter je Kilo Zuwachs. Das ist doppelt so viel wie bei anderen Rassen und es kommt eigentlich nicht genug Fleisch dabei raus. Wir und unsere Kunden wollen das Töten der männlichen Küken nicht, aber das aktuelle System ist eine Notlösung.“ Es gebe derzeit allerdings kein vergleichbares Huhn, das ansatzweise an eine vernünftige Legeleistung herankomme und einen guten Hahn produziere. Am ehesten sehe er die Chance bei der französischen Rasse Le Bleues, die aber nur rund zwei Drittel der Legeleistung erreichen: „Um damit die Hühnerhaltung unter den gegebenen Bedingungen wirtschaftlich zu gestalten, bräuchte man rund 45 Cent pro Ei.“

35 ct je Ei erzielen Makarys derzeit mit ihren Hühnern. Der Preis setzt sich umgerechnet aus 3 ct je Huhn plus 1,5 ct Bruder-Hahn-Zuschlag, 8 ct Futter, Wasser und Vitamine 0,5 ct, 3,5 ct für den Stall bei 10-jähriger Abschreibung sowie 1 ct für Zäune und sonstigen Arbeitsmaterial zusammen. Die Produktion summiert sich damit auf 17 ct Direktkosten. Rund 1000 Stunden Arbeitszeit rechnet der Direktvermarkter für die gesamte Haltung inklusive Sammeln, Sortieren und Ausliefern der Eier. Die täglich 650 und jährlich rund 240 000 Eier vermarkten sie über zwei Edekas, einen Rewe, acht Naturkost- und Hofläden sowie ab Hof und über die Gastronomie. Die Abnehmer werden in zwei wöchentlichen Touren beliefert.
„Die Hühnerhaltung der Zukunft ist eine Mobilstallhaltung“, ist sich Thomas Makary sicher, „nur damit kann man dem Auslaufverhalten des Huhns gerecht werden.“ Immer die gleiche Auslauffläche sieht er als großes Problem: „Die Ausläufe sind spätestens nach dem zweiten Jahr verseucht.“ Nur das regelmäßige Versetzen sei Garant für eine gesunde Herde. Die Hühnerhalter raten zudem, nicht zu groß zu denken: „Mit kleineren Gruppen kann man flexibler reagieren auf den Markt oder Krankheiten.“ Zudem biete sich so die Chance, zeitversetzt zu fahren, um die Nachfrage kontinuierlich decken und zu den Stoßzeiten an Weihnachten und Ostern genug Eier zur Verfügung zu haben. Die Menge ausbauen möchten sie trotzdem nicht: „Wir haben unseren Hof jetzt fünf Jahre aufgebaut – wir wollen nicht mehr größer werden, sondern lieber optimieren.“

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