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Schweinstall

Heute den Stall für morgen bauen

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Dr. Christina Jais, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Grub
am
18.10.2018

Sich laufend änderende Haltungsvorschriften zwingen Schweinehalter zu Neu- oder Umbauten. Aber wie sollen diese teuren Maßnahmen aussehen, wenn die Vorgaben morgen bereits wieder anders lauten können?

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Zwei Redewendungen zeigen die Herausforderung auf: „In Beton gegossen“ und „Nichts ist so beständig wie der Wandel“. Dabei steht der Beton sinnbildlich für weitgehende Unveränderbarkeit. Das trifft zumindest auf die Bodenplatte und auf die Wände zu. Dem stehen die sich ständig wandelnden Rahmenbedingungen gegenüber, angetrieben durch gesetzliche Vorgaben, Vermarktungsinitiativen und Labelprogramme sowie durch technische Innovationen.
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Stallungen sollten deshalb so gebaut werden, dass die Anpassung an sich ändernde gesetzliche Mindeststandards und an die Anforderungen von Labelprogrammen möglich sind. Das ist eine hohe Herausforderung für die Schweinehalter. Über die Möglichkeit einer höherwertigen Vermarktung können aber auch Chancen entstehen.

Mehr Platz für die Sauen

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In der Sauenhaltung sind einige Änderungen absehbar. Infolge des sogenannten Magdeburger Kastenstandurteils wird derzeit eine Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung vorbereitet. Sie sieht vor, dass die Zeitspanne, während der güste und niedertragende Sauen einzeln in Fressliegeständen gehalten werden dürfen, sich deutlich verkürzen wird. Die Einzelhaltung, die heute noch vom Absetzen bis zum 28. Trächtigkeitstag möglich ist, wird dann im Wesentlichen nur noch bis zum Abschluss der Besamung zulässig sein. Zugleich werden Einzelstände, in denen Sauen dann noch mehrere Tage festgesetzt werden dürfen, auch deutlich breiter und länger sein müssen als heute üblich.
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Den augenblicklichen Diskussionsstand gibt das Eckpunktepapier des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft in der Fassung vom August 2017 wieder. Es ist auf den Internetseiten des Ministeriums www.bmel.de abrufbar.
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Auch den säugenden Sauen wird zukünftig mehr Bewegungsfreiheit gewährt werden müssen. Möglicherweise wird eine entsprechende gesetzliche Grundlage sogar zusammen mit den Änderungen zum Deckzentrum beschlossen werden. Die Sauen werden dann nur noch wenige Tage um die Geburt und während der ersten Lebenstage der Ferkel in den Ferkelschutzkörben fixiert werden dürfen.
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Aber auch über die aktuell in Umsetzung befindlichen Änderungen hinaus werden sich die gesetzlichen Vorgaben in Zukunft weiter verändern. Über Labelprogramme des Handels und über das geplante staatliche Tierschutzlabel können weitere Kriterien definiert werden, die auf die Halter zukommen, wie etwa das Angebot von noch mehr Platz je Tier, von geschlossenen, gegebenfalls eingestreuten oder zumindest weichen Liegeflächen, eine tägliche Gabe von Raufutter oder von Stroh zum Nestbau sowie der Zugang zu einem Auslauf.

Kupierverzicht und artgemäße Haltung

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Alle gerade genannten Punkte bezüglich Platz, Liegeflächen und Auslauf werden von einigen Vermarktungsprogrammen schon heute auch für die Ferkelaufzucht und Mast gefordert. Zusätzlich ist hier noch der Kupierverzicht für Ferkel zu nennen. Aus ihm ergeben sich grundlegende Folgen für die Konzeption der Stallungen. Und der Aspekt des Kupierverzichts ist besonders aktuell, weil hier Druck durch die Tierschutzgesetzgebung besteht. Das Kürzen der Ferkelschwänze ist bereits schon nach dem geltenden Tierschutzgesetz grundsätzlich verboten. Ein Abweichen ist nur dann gestattet, wenn das Risiko für das Auftreten von Schwanzbeißen zuvor durch andere geeignete Maßnahmen verringert wird.
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Eine konsequentere Umsetzung dieser Vorschrift ist für die Zukunft zu erwarten. Ein wichtiger Aspekt kommt in diesem Zusammenhang dem Einsatz von Grundfutter, zumeist von Raufutter, zur artgemäßen Beschäftigung und Ernährung der Schweine zu. Darauf muss die Entmistung abgestimmt werden. Welche Haltungsvarianten sind nun für die Zukunft denkbar und wie sind sie hinsichtlich ihrer Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Vorgaben zu bewerten?

Flexibel gestaltetes Deckzentrum

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Die allermeisten Sauenhalter werden die Sauen während der Besamung auch in Zukunft in Einzelständen festsetzen wollen. In diesem Fall stehen grundsätzlich zwei Haltungsvarianten offen:

  • die Zweiflächenbucht
  • und die Dreiflächenbucht.

Bei der Zweiflächenbucht sind die Einzelstände sowohl Fress- und Besamungs- wie auch Liegestand. Die Sauen können hier über mehrere Tage, also auch während der Rausche, einzeln gehalten werden. Die Stände müssen deswegen die erhöhten Breiten und Längen für das Liegen aufweisen. Das Eckpunktepapier des BMEL sieht hierfür eine lichte Standbreite von 75 cm für Sauen mit 81 bis 90 cm Schulterhöhe und 80 cm lichte Standbreite bei 91 cm bis 100 cm Schulterhöhe vor sowie eine lichte Standlänge von mindestens 220 cm. Hinter den Einzelständen befindet sich ein Laufgang, der nach derzeitigen gesetzlichen Vorgaben bei einreihiger Standanordnung mindestens 160 cm und bei zweireihiger Standanordnung mindestens 200 cm breit sein muss. Bei einer mittleren Standbreite von 85 cm – hier ist das Achsmaß maßgeblich – ergibt sich so ein Flächenbedarf von 3,6 m² je Sau bei einreihiger Standanordnung und 3,1 m² je Sau bei zweireihiger Anordnung (siehe Grafik Aufstallung im Deckzentrum, Zweiflächenbucht).

In der Dreiflächenbucht ist der Liegebereich dagegen außerhalb der Einzelstände angeordnet (siehe Grafik Aufstallung im Deckzentrum, Dreiflächenbucht). Diese sind nur zum Fressen und zur Besamung nötig. Wenn auf eine längere Fixierung der Sauen im Stand über die für den Besamungsvorgang nötige Zeitdauer hinaus verzichtet wird, müssen die Stände nicht auf die Erfordernisse (Breite und Länge!) des Liegens angepasst werden, sondern können mit den bisher üblichen Maßen gebaut werden. Dafür nimmt der Raum hinter den Einzelständen deutlich mehr Platz ein. Liegekojen sind mit etwa 2 m Tiefe und auch der zwischen Liegebereich und Ständen befindliche Gang ist mit etwa 2 m Breite zu planen. Daraus ergibt sich ein Flächenbedarf von 4,2 m² je Sau.

Im Vergleich punktet die Zweiflächenbucht mit einem geringeren Flächenbedarf je Tier und mit der Möglichkeit, die Sauen während der Rausche einzeln zu halten. Das sorgt für mehr Ruhe in der Gruppe und verringert das Risiko von Verletzungen. Deutliche Vorteile für den Besamungserfolg und für die Abferkelrate sind dadurch jedoch eher nicht zu erwarten.

Aufstallung Deckzentrum

Die Dreiflächenbucht hat dagegen Vorteile im Hinblick auf die Anpassungsfähigkeit des Systems. Ein geschlossener, eventuell sogar eingestreuter oder weicher Boden im Liegebereich ist hier, außerhalb der Einzelstände, deutlich leichter einzurichten beziehungsweise nachzurüsten. Die Dreiflächenbucht ist auch unabhängig von den künftigen Entwicklungen bezüglich der Maße für Liegestände. Wer in puncto Produktionsleistung und Management während der Rausche auf Nummer sicher gehen möchte, könnte auch in der Dreiflächenbucht entsprechend breite und lange Fressliegestände einbauen.

Der insgesamt im Vergleich zur heute üblichen Einzelhaltung deutlich höhere Flächenbedarf der Gruppenhaltung wird etwas dadurch gemildert, dass in Zukunft weniger Deckeinheiten nötig sein werden. Im Dreiwochenrhythmus wird statt der heute üblichen zwei Deckzentren nur noch ein Deckzentrum vorgesehen werden.
Zu überlegen ist die Umsetzung einer Arena, in der die Sauen auf geschlossenem, weich eingestreutem Boden und bei mindestens 4 bis 5 m² Fläche je Tier ihre Rangkämpfe und die Rausche in einer weniger verletzungsgefährlichen Umgebung ausleben können. Diese Arenen lassen sich auch mit einer Dreiflächenbucht kombinieren. Landwirte, die in Abferkelställe investieren, entscheiden sich zumeist schon jetzt für Bewegungsbuchten, bei denen die Sauen zur Geburt und während der ersten Lebenstage der Ferkel im Kastenstand fixiert werden können. Nahezu alle Stalltechnikfirmen bieten Produkte an, die sich in ihrer Gestaltung deutlich unterscheiden und die oft noch einem Wandel im Laufe der Zeit unterliegen.

Bewegungsbuchten für säugende Sauen

Aufstallung im Abferkelbereich

Neben der diagonalen, geraden und parallelen Ausrichtung des Sauenstands gibt es auch Buchten, die den Trog an der Wand anordnen und solche, die ihn zum Betreuungsgang orientieren. Um den Sauenhaltern hier eine Orientierung und Empfehlungen bei der Auswahl geben zu können, hat die LfL durch vergleichende Versuche bereits Empfehlungen zur Bewertung der verschiedenen Buchtentypen, zu ihrer Bemaßung und zur Gestaltung von Aufstallungsdetails erarbeitet (https://www.lfl.bayern.de/ilt/tierhaltung/schweine/121188/index.php).

In den Untersuchungen der LfL hat sich keine eindeutige Präferenz der in den Buchten an den Tieren arbeitenden Personen für eine spezielle Buchtenanordnung gezeigt. Egal ob gerade mit Trog an der Wand, gerade mit Trog am Gang, diagonal oder parallel, jeder Buchtentyp weist individuelle Vor- und Nachteile auf. Jede der aufgeführten Buchtentypen stellt aber spezifische Anforderungen an die Breite und die Tiefe beziehungsweise Länge der Bucht.
Bei Bewegungsbuchten mit gerader Anordnung des Ferkelschutzkorbs und Ausrichtung des Geburtsbereichs zu einer Abteil- oder Buchtentrennwand (siehe Grafik Aufstallung im Abferkelbereich, Bewegungsbuchten mit geradem Ferkelkorb) sollte ein Längenmaß von mindestens 2,75 m nicht unterschritten werden. Diese Maßempfehlung setzt sich aus einem hochgelegtem Trog, dem etwa 2 m langen Stand– beziehungsweise Liegeplatz der Sau und ausreichend Platz für den Geburtsbereich zusammen.

Die Buchtenbreite bei gerader Aufstallung sollte mindestens 2,20 m betragen, damit ein ungehindertes Umdrehen der Muttersau vor allem beim Ein- und Ausstallen gesichert ist. In geraden Buchten mit Ausrichtung des Trogs zur Wand (Geburtsbereich liegt zum Gang hin) kann die Länge auf 2,60 m verkürzt werden, bei seitlich versetztem Trog (siehe Grafik Aufstallung im Abferkelbereich, Bewegungsbucht mit seitlich versetztem Wandtrog) sind dann auch 2,50 m Länge möglich.

Bei diagonaler Anordnung des Ferkelschutzkorbs haben sich Buchtenabmessungen von 2,6 m Breite und von 2,3 m Tiefe bewährt, die Buchtenmaße können jedoch auch bis zu einer quadratischen Form mit 2,45 m x 2,45 m verändert werden (siehe Grafik Aufstallung im Abferkelbereich, Bewegungsbucht mit diagonalem Ferkelkorb). Die diagonale Bucht weist gerade noch ausreichend Platz auf, falls auch im Abferkelbereich der Sauenstand um 20 cm auf 2,20 m verlängert werden müsste. Bei allen anderen Varianten wäre die entsprechende Buchtenseite anzupassen, das heißt unterm Strich, sie wären zu verlängern.
Buchten im Abferkelbereich

Wer für die Zukunft vorsorgen möchte, könnte eine Bucht mit mindestens 7 m² realisieren. In diagonalen Buchten könnte die Fläche relativ frei auf Länge und Breite verteilt werden, bei gerader Standanordnung wären mindestens 3 m Länge beziehungsweise Tiefe in Standrichtung zu fordern, wenn der Geburtsbereich zu einer Wand liegt, ansonsten mindestens 2,80 m (Trog vor dem Stand ) bzw. 2,70 m (Trog schräg zum Stand).

Raufutter in Mast und Ferkelaufzucht

Eine Maßnahme, die das Risiko für Schwanzbeißen deutlich senkt und für die Haltung unkupierter Ferkel und Mastschweine als unverzichtbar anzusehen ist, ist die Gabe von Rau- oder Grobfutter. Diese ist aber mit den gängigen Entmistungssystemen, bei denen die Gülle passiv aus vielen kurzen Kanälen abfließt, nicht vereinbar, sondern erfordert den Einsatz einer Schieberentmistung mit nur wenigen aber langen Entmistungsachsen.
Der übliche sogenannte Kammstall, der eine kompakte Stallform und viele kurze Güllekanäle aufweist, ist nicht geeignet für den Einsatz von Entmistungsschiebern. Nötig sind schmälere, aber längere Stallgebäude, in denen die Buchten vom Mittelgang hin zur Außenwand orientiert sind. Diese Anordnung weisen Außenklimaställe auf, sie kann aber auch in klimatisierten und geschlossenen Stallungen umgesetzt werden. Die Einrichtung geschlossener und eventuell sogar eingestreuter Liegeflächen ist hier einfacher möglich, da die Schweine Harn und Kot vermehrt an der Außenwand absetzen. Ebenso kann der Zugang zu einem Auslauf geschaffen werden. Zumindest in größeren Ställen wird die Grobfuttervorlage häufig automatisiert erfolgen. Auch hier entwickeln viele Firmen seit kurzer Zeit Techniken für gepresste und lose Ware.
Hinsichtlich der Anpassungsfähigkeit wäre es durchaus möglich, einen Vollspaltenstall mit entsprechender Ausrichtung der Buchten zwischen mittigem Kontrollgang und Außenwand sowie der Entmistungsbahnen quer zu den Buchten und ausgestattet mit Entmistungsschieber zu bauen. Dieser Stall könnte jetzt intensiv belegt werden und bei gesetzlichen Änderungen oder Vermarktungschancen über ein Label angepasst werden, etwa durch Austausch der Spaltenelemente gegen Festflächen oder durch eine Verringerung der Besatzdichte.

Kurz gefasst

Schweineställe werden sich gegenüber dem heutigen Stand ändern, je nach Entwicklung im gesetzlichen Bereich oder in Vermarktungsinitiativen in verschiedenen Bereichen und unterschiedlich stark. Zukunftsorientiert bauen heißt, absehbare Entwicklungen heute schon zu berücksichtigen und ihre Umsetzung, auch wenn diese vielleicht erst in der Zukunft vollzogen wird, zu ermöglichen. Zukunftsorientierte Haltungssysteme sind solche Systeme, die anpassungsfähig sind.

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