Login
Tierschutz

Die Hochträchtigen nicht schlachten

Thumbnail
Max Riesberg, Wochenblatt
am
23.02.2017

München - Gemeinsam am Ball bleiben und Fruchtbarkeitsmanagement weiter verbessern.

Hochträchtige Kuh

Die Schlachtung hochträchtiger Rinder sollte mit Ausnahme derjenigen Fälle, in denen aus Gründen des Tierschutzes oder der Tierseuchenbekämpfung eine Schlachtung notwendig ist, grundsätzlich vermieden werden. Vor allem ethische Gründe sprechen gegen eine Schlachtung solcher Tiere. Darin sind sich alle Beteiligten aus Land- und Fleischwirtschaft, Politik und Tierärzteschaft einig. Dies wurde unter anderem mit der „Gemeinsamen Erklärung zur Rolle der Tierhaltung und zur Verbesserung des Tierwohls in der bayerischen Landwirtschaft“ vom Juni 2015 bestätigt. Bei Rindern, die zur Schlachtung anstehen, überprüft der Tierhalter den Trächtigkeitsstatus. Im Falle hochträchtiger Rinder (letztes Drittel der Trächtigkeit) soll nach Möglichkeit die Geburt auf dem landwirtschaftlichen Betrieb abgewartet werden. Eine Krankschlachtung ist nicht zulässig.
Doch wie kann die Schlachtung eines hochträchtigen Rindes generell vermieden werden? Bereits vor der Besamung sollte sich der Landwirt Gedanken über den Gesundheitszustand des Tieres machen. Treten im Verlauf der Trächtigkeit schwerwiegende Erkrankungen oder Verletzungen auf, bei denen die Heilungschancen gering sind, muss rechtzeitig, in Abstimmung mit dem Hoftierarzt, eine Entscheidung über den Verbleib des Tieres getroffen werden.

Besamungen und Trächtigkeit im Blick

Vor der Abgabe zur Schlachtung muss sich der Landwirt absichern, dass die Kuh nicht hochträchtig ist. Ein gutes Besamungsmanagement bietet die Grundlage, auch eine versehentliche Abgabe eines hochträchtigen Rindes zur Schlachtung zu vermeiden. Daher empfiehlt es sich, unbedingt regelmäßige Trächtigkeitsuntersuchung durchzuführen. Vor allem in Zweifelsfällen bringen diese mehr Klarheit. Infrage kommen dafür folgende Methoden:
eine Untersuchung durch den Tierarzt oder Besamungstechniker,
ein Test in Blut oder Milch auf sogenannte PAGs.
Der PAG-Test kann ab dem 28. Tag nach einer Besamung zur Trächtigkeitsuntersuchung eingesetzt werden. Ist die Kuh trächtig, können von der Gebärmutter gebildete Glykoproteine (PAG) nachgewiesen werden. Diese sind allerdings auch noch bis 60 Tage nach einer Kalbung und kurz nach einem Abort in hohen Konzentrationen zu finden. Der Test wird z. B. vom TGD Bayern (Blut) sowie dem Milchprüfring Bayern und dem LKV Bayern (Milch) angeboten. Der Milchtest kann im Rahmen der Milchleistungsprüfung durchgeführt werden. Eine Untersuchung von Milchproben ist aber auch zu jedem anderen Zeitpunkt möglich.
Die Bundestierärztekammer fordert eine Euthanasie, um einen tierschutzgerechten Tod der Föten zu gewährleisten, falls das Muttertier aus gesundheitlichen Gründen den Geburtstermin nicht mehr erleben kann. Ausnahmen dürfe es lediglich bei besonderen Maßnahmen zur Verhinderung der Verschleppung von Tierseuchen (staatliche Tierseuchenbekämpfung) geben. Es müsse gesetzlich geregelt werden, dass Tierhalter ihre Tiere bei fortgeschrittener Trächtigkeit nicht zur Schlachtung abgeben dürfen. Die Bundestierärztekammer hofft, dass die geplante gesetzliche Regelung der Schlachtung gravider Tiere zügig auf den Weg gebracht wird, um einen tierschutzgerechten Umgang mit diesen Tieren zu gewährleisten.
In Berlin liegt derzeit ein Gesetzesentwurf vor, in dem die Abgabe zur Schlachtung eines hochträchtigen Säugetieres verboten werden soll. Hierbei herrscht Unklarheit, welche genaue Formulierung aktuell vorliegt. Der Bauernverband setzt sich dafür ein, dass auch aus Tierschutzgründen eine Schlachtung grundsätzlich möglich sein muss. Die Folgen eines entsprechenden Gesetzes wären beim Milchvieh vergleichweise praxisnah umsetzbar, wie es hingegen bei anderen Säugetieren, z. B. Schafen, aussehen würde, ist unsicher. Gerade bei Wanderschafhaltungen (auch bei Mutterkuhhaltungen) ist eine Trächtigkeitsuntersuchung sehr aufwendig und damit kostenintensiv.
Das bayerische Umwelt- sowie das Landwirtschaftsministerium haben unter maßgebender Zusammenarbeit mit dem  Bayerischen Bauernverband und dem TGD Bayern sowie sechs weiteren namhaften Organisationen einen Flyer zum Thema he­rausgebracht. Infos unter www.tiergesundheit.bayern.de.MR

Auch interessant