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PRRS

Das Impfen lohnt sich

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Andrea Tölle, Wochenblatt
am
06.10.2016

Stillnau - Nachdem die Leistungen ihrer Schweine gesunken sind, stellte Familie Wetzstein die Behandlung ihrer Schweine gegen PRRS um – und es lohnt sich auch wirtschaftlich. Der Antibiotikaeinsatz ist ebenfalls gesunken.

Mastschweine in der Bucht

Wir hatten im Herbst 2015 nur noch 800 g tägliche Zunahmen“, berichtet Christoph Wetzstein. Was für andere ein Ziel in der Schweinemast wäre, bereitete dem Landwirtschaftsmeister, der gemeinsam mit seinen Eltern Irma und Xaver sowie seinem Bruder Mathias den Betrieb in Stillnau bei Bissingen führt, Sorgen. Zudem zeigten weitere Faktoren wie

  • 3 % Abgänge und Verluste während der Mast. Ansonsten hat der Betrieb 2 bis 2,5 % Abgänge und Verluste. Dazu zählen auch die Ferkel, die als Spanferkel vorzeitig aus der Mast genommen werden,
  • ungleichere Würfe,
  • weniger Ferkel pro Sau und Jahr,
  • sowie ein höherer Antibiotikaeinsatz an, dass hier eine Erkrankung vorlag.

Die Erreger kamen vom Flatdeck
Deshalb zogen sie ihren Hoftierarzt zu Rate. Aufgrund von Blutuntersuchungen und Untersuchungen verendeter Tiere an der LMU stellte Dr. Nikolaus Ivanis fest, dass im neu gebauten Maststall PRRS aufgetreten war. Obwohl die Zuchtsauen alle drei bis vier Monate gegen PRRS bestandsweise geimpft werden, ging der Tierarzt davon aus, dass die Erreger vom Flatdeck gekommen sind. Denn die Ferkel wurden bis dahin nicht geimpft. Dafür gab es bis dato keinen Anlass. Der Infektionsdruck war sehr gering, da der nächste Schweinebetrieb 2,5 km Luftlinie entfernt ist und nur Jungsauen zugekauft werden.

Vorm Absetzen einen Impfschutz aufbauen
Bei den Untersuchungen wurde festgestellt, dass die Tiere mit einem PRRS-EU-Stamm befallen waren. Auf Anraten ihres Tierarztes änderte Familie Wetzstein ihr bisheriges Impfmanagement. Die Sauen wurden auf einen neuen Impfstoff umgestellt. Ein Punkt, bei dem viele Sauenhalter ein dumpfes Gefühl in der Magengegend bekommen, der hier aber völlig harmlos verlief. Der Impfrhythmus für die Sauen blieb wie bisher bei drei bis vier Monaten. Laut Herstellerangaben kann man Sauen in allen Trächtigkeitsstadien impfen. Seit Januar 2016 werden auch die Ferkel geimpft, sodass seit Ende Mai alle Tiere im Maststall Impfschutz haben. Die Ferkel werden zwischen dem 17. und 18. Tag geimpft, damit sie bereits vor dem Absetzen einen Impfschutz aufgebaut haben.
Weitere Maßnahmen waren die Schuhdesinfektion, die bestandseigene Kleidung, mehr Hygiene im Mastbereich, indem man zum Beispiel die Treibbretter für die Schweine in den hinteren Buchten ausschließlich dort verwendet und für die vorderen Buchten vorne. Außerdem kommt der Viehhändler jetzt immer mit einem leeren Transporter, um die Schweine zu holen. „Wir machen den Lkw dann mit unseren Schweinen schon voll“, sagt Christoph Wetzstein.
Mittlerweile wachsen die Gruppen wieder einheitlich und die Tageszunahmen sind wieder auf das ursprüngliche Niveau von 880 bis
890 g/Tag angestiegen. Immerhin bedeuten 80 bis 90 g geringere Tageszunahmen eine um zehn Tage längere Mastdauer und einen um ca. 25 kg höheren Futterverbrauch, was zu höheren Kosten von bis zu 10 € führt. Das ist schon für einen normalen Betrieb viel Geld, noch dazu in der derzeitigen Talsohle auf dem Schweinemarkt. Doch Familie Wetzstein hat im Jahr 2014 einen neuen Maststall gebaut, um die Ferkel der 140 Sauen zu mästen. Im Februar 2015 haben sie den Pig-Port-3-Außenklimastall bezogen. Leider stehen sie immer noch auf der Tierwohl-Warteliste, sodass ihre Mehrleistungen wie 40 % mehr Platzangebot, täglich Heu- und Strohhäcksel, Spielzeug und Auslauf noch nicht honoriert werden. Die Mehrkosten pro Schwein in Höhe von 9 € entstehen dagegen schon. Froh ist Xaver Wetzstein darüber, sein Fleisch mittlerweile für die Marke GutFleisch von Edeka zu verkaufen, weil er damit einen etwas höheren Preis erzielen kann.

Auf Fundament und Gesundheit achten
Familie Wetzstein fährt im 3-Wochen-Rhythmus mit vier Wochen Säugezeit und 140 Sauen im geschlossenen System. Pro Sau und Jahr werden durchschnittlich 24,5 Ferkel abgesetzt. „Ich will hier gar keinen höheren Wert, denn je mehr Ferkel pro Sau geboren werden, desto kleiner sind sie. Mehr Ferkel pro Sau und Jahr heißt ja nicht unbedingt, dass der Betrieb erfolgreicher ist“, sagt Xaver Wetzstein, der in der Ferkelerzeugung 35 Jahre Erfahrung hat. Wichtig sind dem Landwirt, der seine Jungsauen selbst nachzieht, auch Faktoren wie Fundament und Gesundheit. Wetzstein deckt seine Sauen der Deutschen Landrasse mit Pietrain-Ebern. Mit einem Magerfleischanteil von 60 % erzeugt er hohe Fleischqualität.
Auch wenn die Impfkosten 1,60 €/Ferkel betragen, lohnt sich die Maßnahme. Denn die Tageszunahmen liegen jetzt wieder bei 880 bis 890 g/Tier. Der Antibiotikaeinsatz ist wieder gesunken. Die Sauen bringen wieder gleichmäßigere Würfe und größere Ferkel zur Welt. Das Absetzgewicht liegt jetzt wieder bei 8,5 kg. Und die Abgänge und Verluste sind wieder auf 2 % gesunken.

Management gegen PRRS

Familie Wetzstein betreibt zusätzlich zur Impfung einige Vorsichtsmaßnahmen, um die Gesundheit der Schweine zu erhalten:

  • Nach dem Tierkontakt Hände waschen
  • Für jeden Stall (Sauen und Mast) eigene Stiefel
  • Tiere möglichst selten mischen
  • Saubere, desinfizierte und trockene Transportfahrzeuge – auch bei innerbetrieblichem Viehtransport
  • Kein Zutritt des Lkw-Fahrers in den Stall
  • Boxen vor Wiederbelegung gründlich reinigen und desinfizieren

Mehrleistungen durch die Impfung

  • Höhere Tageszunahmen
  • Gleichmäßigere Würfe
  • Höheres Absetzgewicht
  • Weniger Verluste und Abgänge
  • Weniger Antibiotika
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