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Tierwohl

Initiative Tierwohl sieht sich gut aufgestellt

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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
24.01.2018

Die Gesellschaft zur Förderung des Tierwohls in der Nutztierhaltung ist nach eigenen Angaben mit dem Januar erfolgreich in die neue, ebenfalls dreijährige Programmphase gestartet.

Initiative Tierwohl

Für die neue Programmphase 2018-2020 hat die Initiative Tierwohl vier Neuheiten geplant: Sie steigt in die Innovationsförderung ein. Vorhaben, die auch auf breiter Ebene einen Beitrag für tiergerechtere Haltung ermöglichen können, sollen gefördert werden. „Ein Ideenwettbewerb für mehr Tierwohl ist ebenfalls in Planung“, ergänzt Hinrichs.

Zweitens prüft die Initiative Tierwohl, Beratungs- und Weiterbildungsangebote für mehr Tierwohl für die teilnehmenden Landwirte zu schaffen.

Drittens wird weiter an der Entwicklung von Tiergesundheitsindices gearbeitet.

Viertens gibt die Initiative Tierwohl erstmals ein Produktsiegel heraus. Anhand dieses Siegels können Verbraucher ab April 2018 in den Geschäften des teilnehmenden Lebensmitteleinzelhandels unverarbeitetes Geflügelfleisch aus Tierwohl-Betrieben erkennen.

Breite Kontrolle

„Es geht uns nicht nur um die Höhe der Anforderungen. Es geht auch um Kontrolle“, erklärt Hinrichs. „Die Initiative Tierwohl ist das einzige existierende System, das flächendeckend im großen Umfang die Umsetzung von Tierwohl-Kriterien überprüft.“

Die Initiative Tierwohl kontrolliert jeden teilnehmenden Betrieb seit jeher mindestens einmal pro Jahr. Seit 2017 ist bei jedem teilnehmenden Betrieb mindestens eine völlig unangekündigte Kontrolle jährlich hinzugekommen.

„Vor diesem Hintergrund richte ich einen Appell an unsere Landwirte: Ich weiß, dass besonders die unangekündigten Kontrollen eine Belastung sein können. Aber jeder Tierwohl-Betrieb trägt eine besondere Verantwortung. Gemeinsam zeigen die Betriebe: die deutsche Landwirtschaft will und kann Tierwohl.“

Die Initiative Tierwohl hat bislang über 13.000 Kontrollen durchgeführt. 270 Betriebe mussten daraufhin aus der Initiative Tierwohl ausgeschlossen werden.

„Das ist zwar nicht schön, aber es beweist auch: Das System der Initiative Tierwohl aus Fordern, Fördern und Kontrollieren funktioniert“, so Hinrichs weiter. „Das sehen auch die Verbraucher so. Laut einer repräsentativen forsa-Befragung halten 93 Prozent der Verbraucher den Ansatz der Initiative Tierwohl für gut oder sehr gut.“

Breite Beteiligung

Initiative Tierwohl

In der ersten Programmphase 2015-2017 engagierten sich bereits rund 3.400 landwirtschaftliche Betriebe mit jährlich 249 Millionen erzeugten Tieren, für die durch die Initiative geförderten Maßnahmen für mehr Tierwohl umgesetzt werden konnten. In der neuen Programmphase sind dies über 6.000 Betriebe mit jährlich insgesamt 518 Millionen Tieren. Darunter sind 26 Millionen Schweine sowie 492 Millionen Hähnchen und Puten.

Auch der Lebensmitteleinzelhandel bringt sich in der neuen Programmphase noch stärker ein. So zahlen die Partnerunternehmen statt wie bisher 4 Cent nun 6,25 Cent pro verkauftem Kilogramm Geflügel und Schweinefleisch sowie Wurst in die Initiative Tierwohl ein. Dadurch entsteht ein jährliches Finanzvolumen von rund 130 Millionen Euro.

„An den erhöhten Teilnehmerzahlen, ermöglicht durch ein verstärktes Engagement des Lebensmitteleinzelhandels, zeigt sich ganz deutlich, dass wir unserem Anspruch in die Breite zu gehen, immer mehr gerecht werden“, erläutert Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Die Initiative Tierwohl ist – und das hat sie allen bisherigen Siegeln oder vergleichbaren Programmen voraus – keine Lösung für wenige. Wir sind angetreten, um die Landwirte dabei zu unterstützen, die Nutztierhaltung Schritt für Schritt tiergerechter zu machen. Hierzu gehört auch, dass wir mit dem Start der neuen Programmphase unsere Kriterien etwas erhöht bzw. verschärft haben.“

Schweinehalter müssen ihren Tieren jetzt verpflichtend mindestens 10 Prozent mehr Platz und zusätzliches organisches Beschäftigungsmaterial bieten. Die Geflügelhalter, die bereits in der vergangenen Programmphase u.a. zu einem erhöhten Platzangebot und zusätzlichem Beschäftigungsmaterial verpflichtet waren, müssen nun zusätzlich Stallklima- und Tränkewasserchecks umsetzen.

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