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Kommentar

Kälber enthornen: Dünnes Eis

enthorntes Kalb liegt im Stroh
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Max Riesberg, Wochenblatt
am
03.01.2019

Die Hauptabnehmer der bayerischer Kälber wollen ab 1. Februar nur noch sauber und früh enthornte Kälber kaufen.

maxriesberg

Aufregung herrschte noch vor Weihnachten. Nicht nur, dass kurz vor dem Fest die Anbindehaltung wieder ins Kreuzfeuer geraten ist  – ohne dass sich die meisten über die Konsequenzen im Klaren sind – nein auch das Thema „Kälber enthornen“ ließ dem ein oder anderen die Lust auf die Weihnachtsgans vergehen. Im Nordwesten der Republik haben sich die Hauptabnehmer bayerischer Kälber formiert und erklären, dass sie ab 1. Februar nur noch sauber und früh enthornte Kälber kaufen wollen. Soweit so gut, denn der rechtliche Rahmen dafür ist ja ganz genau gesteckt.
Doch schade, dass es überhaupt Anlass zu diesem Schritt gibt. Denn alle Beteiligten haben vor Jahren mit Ausdauer, Vehemenz und guten Argumenten für diese für die Betriebe extrem wichtige Ausnahmeregelung des Tierschutzgesetzes gekämpft. Denn das Veröden der Hornanlagen bei Kälbern innerhalb der ersten sechs Lebenswochen muss in den Händen der Landwirte bleiben. Unbedingt! Wenn man zu den Ferkelerzeugern und auf das leidige Thema „Kastration“ blickt, sollte das jedem spätestens jetzt klar sein.
Den Abnehmern der Kälber, den Fressererzeugern und Mästern, sind die Hände gebunden. Sie müssen sich darauf verlassen können, dass die Milchviehhalter mit Sorgfalt und Weitblick handeln. Bei den weiblichen Kälbern, die am Betrieb bleiben, funktioniert es ja schließlich auch. Dann sollten die Bullenkälber doch auch so mitlaufen können?
Und je jünger die Kälber sind, desto einfacher ist das Veröden tatsächlich vorzunehmen. Wenn die Gerätschaften einwandfrei funktionieren, dann braucht es keine Kraft. Die Ergebnisse überzeugen! Den kleineren Betrieben mit weniger Kälbern können die Größeren helfen, bei denen die ganze Sache routinemäßig läuft. Der Erfahrungsaustausch muss weiter vorangetrieben werden, wie die aktuelle Aufregung zeigt. Pfusch können sich weder Milchviehhalter noch Mäster leisten, zu dünn ist das Eis.

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