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Stallumbau

Kälberaufzucht - 10 Tipps zum Stallumbau

Tipp-9
Dr. Heike Engels
am
11.07.2018

Bei der Aufzucht von Bullenkälbern kommen häufig Tiere aus verschiedenen Höfen zusammen. Diese Herkunftsvielfalt sorgt für einen hohen Keimdruck. Der Stall sollte deshalb möglichst sauber und angenehm für die Tiere sein.

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Die Familie von Seggern hat den alten Milchviehstall zum Kälberaufzuchtstall umgebaut und dabei viele praktische Dinge umgesetzt. Ein Neubau kam für die Bullenmäster aus Dingstede, Kreis Oldenburg, nicht infrage, denn der Umbau war wesentlich preiswerter umzusetzen und die Genehmigung leichter zu bekommen. „Der Unterschied zwischen Neu- und Umbau lag bei uns bei über 50 000 Euro“, so Juniorchef Renke von Seggern. Die Baumaßnahme lief von September bis Dezember 2016 und hatte vor allem ein Mehr an Tierwohl sowie eine praktischere Bewirtschaftung zum Ziel.

Braunviehkälber aus Süddeutschland

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Die Familie bewirtschaftet seit dem 15. Jahrhundert den Betrieb. Heute leben drei Generationen von ihm. Die Kälber- bzw. Fresseraufzucht und Bullenmast bilden die Grundlage dafür. Früher gab es ebenfalls Milchvieh auf dem Betrieb, aber diesen Betriebszweig gaben von Seggern bereits auf. Auch die Mastschweinehaltung wurde abgestockt auf rund 400 Stück.

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In der Kälber- und Fresseraufzucht hat die Familie bereits eine lange Tradition. Seit 25 Jahren sind sie in diesem Geschäftsfeld tätig. „Wir wollen lieber aus unseren Kälbern unsere eigenen Fresser und Bullen aufziehen, als Fresser zukaufen, denn so wissen wir, was wir haben“, so Renke von Seggern.

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Schon immer favorisierten sie Braunviehkälber aufgrund ihrer Frohwüchsigkeit und ihrer Robustheit. Sie beziehen die Tiere über einen Händler, der sie von vielen verschiedenen Höfen und Auktionen in Süddeutschland aufkauft. Genau diese Herkunftsvielfalt aber stellt die hohen Ansprüche an den neuen Stall: „Das Problem ist ja, dass diese 80 Kälber im zarten Alter von 20 bis 40 Tagen von circa 76 Betrieben kommen, da ist der Keimdruck schon hoch, der Stall muss deshalb so sauber und angenehm wie möglich für die Tiere sein. Die Kälber waren auf der Auktion, haben circa zehn Stunden Fahrt hinter sich und kommen dann in unseren Stall. Sie kennen meistens noch nichts außer den Zitzen der Mutter. Man muss deshalb so viele Faktoren wie möglich optimieren, um es den Kälbern recht zu machen, damit sie sich schnell wohlfühlen“, erzählt Renke von Seggern einfühlsam über den Werdegang der Tiere.

Von Anfang an wird Rohfaser bereitgestellt

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„Bei uns bekommen die Kälber acht Kilo Milch mit 160 Gramm Milchaustauscher pro Liter über 28 Tage und werden danach abgesetzt“, sagt der Briebsleiter. Die Tiere bleiben insgesamt circa zwölf Wochen im Aufzuchtstall. Von Anfang an erhalten die Kälber Heu und eine selbstgemischte Trocken-TMR aus Strohmehl, Maiskörnern, Kraftfutter, Melasseschnitzeln und Mineralien. Bei Husten im Winter kommen noch Leckschalen mit Mentholzusatz hinzu und über den Medikamentendosierer der Tränkeautomaten gibt es ein homöopathisches Mittel auf Basis von ätherischen Ölen und Kräutern .

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Besonders praktisch an seinen Tränkeautomaten findet der Kälberhalter, dass notfalls auch ein Tier einzeln zu behandeln ist. Es wird im Steuerungsprogramm auf Priorität gesetzt und erhält dann aus dem Medikamentendosierer seine Arznei. Da der Betrieb immer ganze Tiergruppen einstallt, ist diese Funktion im vorliegenden Fall nicht ganz so wichtig, aber für Betriebe, die aus der eigenen Nachzucht immer Einzeltiere nachstallen, schon. Kälberdurchfall ist eigentlich kaum ein Problem, aber wenn er vorkommt, dann werden Elektrolyte über den Tränkeautomaten gegeben.

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Wichtig findet Renke von Seggern die Antränkhilfe, denn das Anlernen an den Tränkeautomaten ist eine sehr wichtige Aufgabe zu Beginn der Aufzucht, die schon mal ein wenig Zeit in Anspruch nehmen kann: Als Hilfe spritzt ein bisschen Milch auf Knopfdruck aus dem Nuckel, während das Kalb an den Nuckel des Automaten gehalten wird.

Tipp-8

Derzeit baut die Familie noch zwei neue Bullenendmastställe mit jeweils 96 Plätzen und Außenklima. Außerdem soll der alte Schweinestall in eine Zwischenstation umgestaltet werden, bevor die Kälber in den Fresserstall kommen.

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Ziel ist, nur eigene Kälber nach acht Wochen in den Fresserstall umzustallen. Mit sechs Monaten geht es weiter in den Endmaststall. Mit 18 Monaten sind die Tiere schlachtreif. „Ziel ist es, jeden Bullenplatz einmal im Jahr umzusetzen. Mit dem Kälberstall planen wir vier Durchgänge à 80 Tiere, dann haben wir genug Nachwuchs für die Bullenmast. Sollte das nicht so klappen, könnte der neue Kälberstall auch 100 Tiere fassen“, so von Seggern.

Mit dem neuen Kälberstall sollten die Ziele klappen: „Wir erreichen jetzt 1200 Gramm Tageszunahme nach 100 Lebenstagen der Kälber, früher im alten Stall haben wir nicht mal 1000 Gramm geschafft. Wir versorgen jetzt 80 Tiere in der gleichen Arbeitszeit von 1,5 Stunden pro Tag wie früher 36 Tiere. Der neue Stall bietet mehr Licht, Komfort und Platz für die Tiere, es macht einfach mehr Spaß, darin zu arbeiten.“

Betriebsspiegel:

80 Aufzuchtkälber,

Bullenmast mit 340 Plätzen,

110 ha in Bewirtschaftung, davon 97 ha Acker, Rest Grünland;

9 ha Wald,

Marion von Seggern: Direktvermarktung von Gemüse, Obst, Blumen, selbstgebackenem Schwarzbrot, Eiern und Honig über kleinen Hofladen.

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