Login
Bundestag

Kastration - Koalition verständigt sich auf Gesetzentwurf

Ferkel
Thumbnail
Ulrich Graf, Wochenblatt
am
06.11.2018

Die Koalitionsfraktionen haben sich am Freitag auf einen Gesetzentwurf verständigt, mit dem die Übergangsfrist bis zum vollständigen Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration um zwei Jahre verlängert wird.

Für Gitta Connemann, stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, würden ohne ein Handeln des Gesetzgebers  gerade die kleinen Höfe ab dem kommenden Jahr vor einem unlösbaren Problem stehen. Denn es gebe zur Zeit keine marktgängige oder praktikable Lösung zur betäubungslosen Ferkelkastration. Erforderliche Tierarzneimittel seien noch nicht zugelassen. Alternative Verfahren würden bislang weder der Handel noch der Verbraucher akzeptieren. Ein Verbot würde deshalb viele Sauenhalter zur Aufgabe zwingen. Die Folge wäre die Abwanderung der Ferkelerzeugung ins Ausland - mit zum Teil erheblich niedrigeren Tierschutzstandards. Den Preis dafür würden also auch Tierwohl und Verbraucher zahlen.

Die zweijährige Übergangsfrist soll jetzt genutzt werden, um tierschutzgerechte Alternativen für die Praxis zu erarbeiten. Die CDU/CSU-Fraktion erwartet, dass diese Aufgabe von allen Beteiligten mit Hochdruck angegangen wird. Insbesondere soll es dem geschulten Landwirt ermöglicht werden, Tierarzneimittel selbst anzuwenden. Bei der Umstellung auf alternative Verfahren und die damit verbundene Anschaffung der dafür notwenigen Geräte wollen die Politiker die landwirtschaftlichen Tierhalter in Deutschland finanziell unterstützen.

Insbesondere die lokale Betäubung des Tieres durch den Landwirt selbst könnte nach Connemann eine in der Praxis leicht umzusetzende Methode sein. Diese wird bereits heute bei europäischen Nachbarn angewendet. Als problematisch bei den heutigen Methoden betrachtet Connemann, dass: 

die Betäubung mit dem Tierarzneimittel Isofluran Fragen des Anwenderschutzes aufwirft.

dass das Kaufverhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher zu berücksichtigen ist. Denn am Ende werde an der Ladenkasse über das Tierwohl entschieden. Mit einer Aufklärungskampagne soll deshalb für eine größere Akzeptanz für Schweinefleisch gesorgt werden, das mit alternativen Methoden erzeugt wird.

Auch interessant