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Pflanzenschutz

Luftkampf gegen den Maiszünsler

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Patrizia Schallert
am
11.10.2018

Das Landwirtschaftsamt Wertingen stellt Drohnen und andere Bekämpfungsmöglichkeiten vor.

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Er ist nicht einmal zwei Zentimeter groß, verursacht aber während seiner sechs Larvenstadien massive Schäden bis hin zum Totalausfall und bringt die betroffenen Landwirte schier zur Verzweiflung: Ostrinia nubilalis, besser bekannt als Maiszünsler. Unter der Devise „Kampf dem Maiszünsler“ führte das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Wertingen einen Infotag in Finningen durch. Die Teilnahme von 40 Maisanbauern an den praktischen Vorführungen zur Maisstoppelbearbeitung spiegelt ihren gestiegenen Leidensdruck wieder.

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„Der unscheinbare kleine Falter mit einer Flügelspannweite von rund 30 Millimetern ist in den vergangenen Jahren in unserer Region zum Maisschädling Nummer Eins geworden“, klagte AELF-Chef Magnus Mayer. Weltweit sorgt der Schmetterling für 4 %, also rund 40 Mio. Tonnen Verlust beim Körnermais. Die Klimaerwärmung kommt dem Maiszünsler entgegen. „Wer glaubt, dass wir dieses Getier wieder loswerden, sitzt einer Illusion auf. Wir müssen uns darauf einstellen, dass der Maiszünsler in der flächenmäßig wichtigsten Kultur im Kreis Dillingen als unerwünschter Dauergast bleibt und sich weiter ausbreitet.“

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Die radikalste Methode, ihn loszuwerden, sei sicher ein Insektizid. Bei der Bevölkerung würde dessen Einsatz allerdings auf wenig Begeisterung stoßen. Eine biologische Möglichkeit der Zünslerbekämpfung sei das Ausbringen von Nützlingen über eine Drohne, wie es der Maschinenring Dillingen seit zwei Jahren erprobt. „Eigentlich wäre das eine geniale Methode“, sagte Mayer. „Aber nachdem sich das Verhalten von Lebewesen nicht auf Punkt und Komma berechnen lässt und in der Natur tausend Einflüsse zum Tragen kommen, wirkt die biologische Methode einmal sehr gut und manchmal eben nur gut.“

Schädling mechanisch zu Leibe rücken

Eine weitere Möglichkeit, dem Schädling den Garaus zu machen, sei die mechanische Bearbeitung der Maisfelder. Welche Geräte dabei zum Einsatz kommen können, erfuhren die Landwirte auf einem Maisschlag des Finninger Milchviehhalters Werner Oblinger.
Vorgestellt wurden eine Messerwalze der Firma Wallner Landtechnik, eine Walze von Güttler (Matador Super Maxx 60-7 Bio) mit 6 m Arbeitsbreite, die Messerwalze X-Cut Solo von Kerner, der „Zünslerschreck“ von Knoche (Vierkantstabwalze zur Maisstoppelbearbeitung) sowie ein Mulchgerät der Firma Müthing.
Wie ernst der Maiszünsler als Schädling zu nehmen ist, erläuterte Franz Specker, Außendienstmitarbeiter des amerikanischen Chemieunternehmens FMC Corporation, in seinem mit zahlreichen Bildern unterlegten Vortrag. Der Maiszünsler gehört zu der Schmetterlingsfamilie der Zünsler. In Mitteleuropa haben sich zwei Rassen ausgebreitet: Die Z-Rasse, die sich auf den Mais spezialisiert hat, und die E-Rasse, die neben dem Mais auch im Beifuß, Hopfen, in den Kartoffeln und Sonnenblumen ihr Unwesen treibt.
In der Generationenfolge ist der Falter sehr flexibel. In Mittel- und Nordeuropa hat er bislang jährlich nur eine Generation gebildet. In der Schweiz und in Süddeutschland konnten inzwischen jedoch bereits zwei Generationen beobachtet werden. „Die Schäden verursacht aber nicht der Schmetterling, sondern die Raupe“, erklärte Specker. Der nachtaktive Falter ist je nach Region von Mai bis September aktiv. Ein Maiszünsler-Weibchen legt insgesamt 300 bis 1000 Eier an den Unterseiten der Maisblätter ab, meist erst ab der zweiten oder dritten Blattetage. Die jeweils nur aus 10 bis 40 Eiern bestehenden Gelege sind aufgrund ihrer geringen Größe kaum erkennbar.
Die Raupen schlüpfen nach sieben bis 14 Tagen und fressen zuerst Maispollen, bevor sie sich in das Stängelmark einbohren und dann in Richtung Stängelgrund oder Wurzelbereich wandern, wo sie überwintern. „Je trockener und kälter der Winter, umso größer ist die Überlebenschance der Raupen.“
Zu Beginn des Frühjahrs, je nach Witterung meist im Mai, verpuppt sich die Raupe. Die Puppenruhe dauert rund zwölf Tage, anschließend schwärmt die neue Faltergeneration aus. Leichte Winde sind ideal für den dämmerungsaktiven Maiszünsler, dessen Hauptflugzeit Ende Juni bis Anfang Juli während der Phase der Eiablage stattfindet.
Anzeichen für einen Zünslerbefall sind Puppen im Maisstroh, Falterflug, Eigelege an der Blattunterseite, Fraßschäden an den oberen Blättern, Bohrlöcher am Stängel, Abknicken der Fahne und Abknicken der Stängel bei starkem Wind.
Der Zünsler kann in einem einzigen Maisfeld große Schäden anrichten, erläuterte Fachmann Specker. Durch den Larvenfraß verliert die Pflanze ihre mechanische Stabilität und knickt ab. Die Wasser- und Nährstoffversorgung wird verringert, die Bohrgänge bilden Einlasspforten für Pilze.

Vorbeugung ist besser als bohren lassen

Als vorbeugende pflanzenbauliche Maßnahmen empfiehlt Specker das Ernten des Maises mit tiefer Schnitthöhe, das Abschlegeln der Stoppeln bis zur Bodenoberfläche, ein möglichst tiefes Unterpflügen der Reste einen Tag nach der Ernte und einen geeigneten Fruchtwechsel. „Diese Maßnahmen sollten höchste Priorität haben, damit die Überwinterungsgrundlage der Raupen zerstört wird.“
Als chemische Keule kommen die Pflanzenschutzmittel „Coragen“ oder „Steward“ zum Einsatz. Der ideale Zeitpunkt der Bekämpfung ist nach der Eiablage, also Ende Juni bis Mitte Juli. Die Kontrolle des Zünslerhauptflugs erfolgt durch Pheromon- oder Lichtfallen, am besten in Kombination mit einem Schlupfkäfig. Während sich Pheromonfallen oft als ungenau erweisen, ist für die genehmigungspflichtigen Lichtfallen eine gute Sachkenntnis bei der Auswertung der Fänge erforderlich. Mit Blick auf das Monitoring leiste die LfL in Bayern hervorragende Arbeit, betonte Specker. Eine große Bedeutung bei der Feld- und Pflanzenkontrolle hat das Auszählen der Eigelege. Der empfohlene Behandlungszeitpunkt ist nach dem Flughöhepunkt oder zu Beginn des Larvenschlupfs.
Eine weitere Möglichkeit, dem Maiszünsler Einhalt zu gebieten, ist die Bekämpfung mit Trichogrammen (Schlupfwespen). Dafür gibt es Trichoboxen zum Aufhängen oder Trichocaps zum Aufwerfen auf den Boden mit jeweils zwei Freilassungen und insgesamt 200 000 Trichogrammen pro Hektar. Aus den Boxen oder Kapseln schlüpfen Trichogrammen, die aktiv die Maispflanzen nach Zünslereiern absuchen. Sie legen ihre Eier in die Zünslereier und zerstören diese. Aus den zerstörten Schädlingseiern schlüpfen wieder Trichogrammen und bilden Feldgenerationen.
Die Trichoboxen werden in jeder 20. Reihe alle 14 m auf halber Höhe der Maispflanze angebracht. Der Arbeitsaufwand beläuft sich auf rund 30 Minuten pro Hektar. Durch den guten Schutz der Trichogrammen in der Box ist eine hohe Wirkungssicherheit gewährleistet. Bei den Trichocaps werden in jeder 26. Reihe alle 5 m zwei Kapseln auf den Boden geworfen. Der Arbeitsaufwand beträgt bei dieser Variante rund 20 Minuten pro Hektar, wobei die Kapseln auch maschinell ausgebracht werden können.

Natur und moderne Technik in Einsatz

Wer die Ausbringung der Schlupfwespenlarven noch einfacher gestalten möchte, sollte sich an die Firma R2 Data Solutions in Hülen wenden. Das Unternehmen hat sich auf das Anbieten von Drohnentechnik spezialisiert. „Im Bereich der Maiszünslerbekämpfung arbeiten wir bereits im zweiten Jahr mit dem Maschinenring Dillingen zusammen“, sagte R2 Data-Geschäftsführer Daniel Racsits. Dabei kommen Natur und moderne Technik zum Einsatz: ein Hexacopter mit einem maximalen Aufstiegsgewicht von 5 kg. Das 3 kg schwere Gerät kann somit 2 kg Trichogrammen transportieren. In jeder Kugel verbergen sich rund 1100 Schlupfwespeneier in verschiedenen Schlupfstadien. Die Hülle der Kugeln besteht meist aus Maisstärke oder Filz.
Der GPS-gesteuerte Hexacopter richtet sich nach dem eingegeben Flugplan mit den exakten Parametern, der Pilot ist nur noch für den Start und die Landung zuständig. Mit einem einzigen Flug wirft die Drohne rund 500 Kugeln und somit eine halbe Million Schlupfwespen auf rund 5 ha Mais in nur 15 Minuten ab. Insgesamt belaufen sich die Kosten auf etwa 70 bis 80 €/ha

„Die Ausbringung der Trichogrammen mit dem Hexacopter ist im Gegensatz zu chemischen Pflanzenschutzmitteln nicht nur umweltfreundlich und ungefährlich für Nützlinge und Bienen, sondern vermeidet auch Fahrschäden in den Beständen“, betonte Racsits. Der Einsatz der Trichogrammen sei außerdem nicht teurer als die Chemievariante. Auch wenn die Erfolgsquote nur bei 70 bis 80 % liege, so habe der Landwirt etwas Gutes für die Natur getan. Einige Bundesländer wie Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz fördern den Einsatz von Trichogrammen im Maisanbau im Rahmen ihrer Agrarumweltprogramme mit 60 €/ha.

„Mit Grubbern ist es nicht getan.“

Oblinger

Werner Oblinger (Finningen): Im vergangenen Jahr hatte ich in meinen Maisfeldern einen massiven Befall mit Maiszünslerlarven. Damit es nicht noch schlimmer wird, hat mir das AELF Augsburg heuer für das Monitoring eine Lichtfalle mit Fangkäfig zur Verfügung gestellt. Vor rund zehn Jahren wurden bei uns schon einmal alle Maisfelder von einem Lohnunternehmer chemisch gegen den Maiszünsler mit großem Erfolg behandelt. Damals haben alle Landwirte im Dorf mitgemacht. Heuer konnte ich nur zehn Berufskollegen für diese Maßnahme mit ins Boot holen und das Pflanzenschutzmittel wurde auf rund 150 ha ausgebracht. Das Ergebnis war wiederum sehr gut, wir hatten kaum Schäden. Leider scheren sich manche Bauern wenig um den Zünsler, arbeiten schlampig auf dem Feld und glauben, mit ein bisschen Grubbern ist es getan. Den Einsatz von Trichogrammen halte ich für zu teuer und zu wenig wirksam. Deshalb werde ich auch künftig den Maiszünsler chemisch bekämpfen. Der Naturschutz ist mir wichtig, aber letztlich muss ich eben auch wirtschaftlich denken.

Müller

Werner Müller (Unterbechingen): In Baden-Württemberg wird die Bekämpfung des Maiszünslers mit Trichogrammen schon länger durchgeführt. Im vergangenen Jahr hat dann auch der Maschinenring Dillingen 350 ha und heuer bereits 408 ha beflogen. Die Ergebnisse sind sowohl bei der chemischen Behandlung als auch mit Trichogrammen sehr unterschiedlich. Eine pauschale Aussage, welche der beiden Methoden effizienter ist, lässt sich nicht machen. Aber gleich für welche Methode sich der Landwirt entscheidet, das A und O ist stets der optimale Zeitpunkt der Ausbringung. Nachdem die Landwirtschaft zunehmend in der Öffentlichkeit hinterfragt wird, sollten wir versuchen, so weit möglich auf Insektizide zu verzichten Auf absehbare Zeit werden chemische Wirkstoffe wohl ohnehin verboten. Während wir nördlich der Donau rund 60% der Maisflächen mit Trichogrammen behandelt haben, wurden südlich der Donau bislang nur wenige Landwirte bedient. Im Wertinger Bereich ist offensichtlich der Zünslerdruck noch nicht so hoch.

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