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Milchindustrie

Milch - wenn der Rubel rollt

Russland
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Rainer Königer, Wochenblatt
am
22.11.2018

Auf der Jahrestagung des Milchindustrieverbands standen zwei Themenblöcke auf der Agenda, die auf den ersten Blick nicht so recht zusammenpassen wollen.

Der deutsche Markt für Biomilch und der weite Blick nach Russland, wo Mega-Ställe für Milchvieh entstehen.

Auf den zweiten Blick passen die Themen aber doch zueinander. In beiden Fällen geht es um die großen Räder der Entwicklung, die gerade gedreht werden. Der weltweit operierende Handelskonzern Lidl steigt massiv in das Biosegment ein. Kein Wunder. Bio boomt, und das nicht nur in Deutschland. Wenn der Rubel rollt, sind die Discounter nicht weit.

Ob der Rubel auch für die Biobauern rollt? Schwer zu sagen. Der Markt ist zwar da, aber wer sich in die Abhängigkeit der Discounter begibt, kann schnell erdrückt werden.

„Wenn es nicht wir machen, dann machen es die anderen.“ Diese Aussage hört man in der Landwirtschaft jetzt immer öfter. Es scheint einen regelrechten Sog in eine Entwicklung zu geben, die sich immer mehr beschleunigt. Auf jeden Trend wird fast hysterisch reagiert. Wer nicht sofort mitmacht, verdient damit kurz darauf nichts mehr. Denn dann wird die nächste Sau durchs Dorf getrieben und das nächste goldene Kalb geschlachtet. Der schnelle Profit in unserer neoliberalen Wirtschaftswelt und das Erdige, was die bayerische, bäuerliche Landwirtschaft eigentlich auszeichnet, passen nicht zusammen. Wer auf einem rasenden Zug sitzt, kann sich nicht erden und keine Kühe melken. Außer die Kühe fahren mit.

Wer in dieser schnelllebigen Zeit einen Trend verpasst – und das gilt für alle Lebenssituationen – braucht sich nicht grämen. Der nächste Trend ist schneller da als Sie denken. Auch dieser Zug wird wieder vorbei ziehen. Zug um Zug rauschen vorbei, es wird dunkel und es wird wieder hell, und im Stall fressen gelassene Kühe.

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