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Laufstall

Es müssen keine 100 Kühe sein

Laufstall Hundhammer
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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
27.02.2018

Kein Melkroboter und zwei verschiedene Entmistungssysteme: Es gibt einige Dinge im Stall von Sebastian Hundhammer, die von heute üblichen Neubauten abweichen. Und dann kommt da noch die Tierzahl von 54 Kühen hinzu.

Den Stall von Sebastian Hundhammer aus Untermusbach bei Landshut als klein zu bezeichnen, trifft nicht den Kern der Sache, denn er bietet großzügigen Raum für Tier, Technik und Mensch. Durch die offene Architektur wirkt er luftig und geräumig.

Gut – er entspricht nicht unbedingt den heute gängigen Größenvorstellungen für Neubauten von Milchviehställen. Aber das war dem Bauherren auch bewusst. Er wollte  zum einen das Gebäude möglichst in das bestehende Landschaftsbild eingliedern, zum anderen mit dem bestehenden Kuhbestand fortfahren, ohne große Sprünge in der Tierzahl zu vollziehen.

Ein Produkt von der Stange kam für ihn damit nicht in Frage. So hat er sich intensiv in die Materie eingearbeitet und mit dem Für und Wider einzelner Möglichkeiten ausei-
nandergesetzt. Herausgekommen ist ein individueller, zum Standort passender Stall.

Viel Eigenleistung reingesteckt

Laufstall Hundhammer

Eine weitere Prämisse war für den Bauherren, die Kosten im Zaum zu halten. Konkret bedeutete dies, möglichst viel Eigenleistung einzubringen. Das geschah zum einen in Form von Arbeit, zum anderen durch Material. Nachdem zum Betrieb rund elf Hektar Wald gehören, war klar, eine Holzhülle zu errichten. Den Grundstock lieferten Bäume aus dem eigenen Wald.

Von einer Eigenleistung ausgenommen waren Teile, für die eine Gewährleistung durch Firmen wichtig ist. So stammt der Betonunterbau vollständig aus der Hand des Unternehmens Rembeck aus Massing.

Bei der Bauausführung hat der Milchviehhalter auf Unternehmen aus der Region vertraut. Die Holzkonstruktion hat der örtliche Zimmerer erstellt. Das Dach basiert auf einer Rahmenkonstruktion mit Koppelpfetten. Die Abdeckung erfolgte mit Sandwichplatten, deren Untermaterial aus Glasfaserkunststoff besteht. Nach außen sind sie mit rotem  Blech verkleidet. Der First ist offen, ebenso wie die hangaufwärtige Längswand. Sie sorgen für die Durchlüftung. Die isolierende Wirkung der Dachabdeckung kommt vor allem im Sommer zum Tragen. Im Winter ist sie aufgrund der Offenbauweise ohne Belang.

Bei der Beleuchtung hat der Landwirt auf handelsübliche Leuchtstoffröhren gesetzt. Durch den offenen First und die offene Längswand kommt seiner Einschätzung nach so viel Licht in den Innenraum, dass kein aufwändiges Beleuchtungskonzept nötig ist.

Zum Bauzeitpunkt im Jahr 2011 waren noch die Eltern Irmgard und Georg Hundhammer die Betriebsleiter. Das gab Sebastian den Freiraum als Betriebshelfer für den Maschinenring tätig zu sein. „Das war eine sehr lehrreiche Zeit für mich“, sagt er heute. Denn er konnte auf den verschiedenen Einsatzbetrieben Erfahrungen sammeln, was für ihn in Frage kommen würde und was nicht. Das Wissen konnte er in den eigenen Stall einfließen lassen. 2017 hat dann Sebastian das Ruder übernommen.

Zum Bauzeitpunkt war das Betriebsleiterehepaar Mitte Fünfzig, Sebastian Mitte Zwanzig. Damit standen auf dem Hof mehrere voll einsetzbare Arbeitskräfte zur Verfügung, was das Erbringen von Eigenleistung erleichterte. So kamen unterm Strich Kosten von 5600 € pro Kuhplatz zustande. Die Berechnung berücksichtigt den Stall, das Melkgebäude und ein Fahrsilo.

Spaltenboden und Schieber

Der Laufstall ist 36 x 20 m groß und 6 m hoch. Es steht der Länge nach quer zum Hang. Hangabwärts gesehen ergibt sich folgende Reihenfolge: Der oberste Bereich besteht aus einem befahrbaren, 5 m breiten Futtertisch und einem mit Epoxidharz beschichteten Barren.

Der Futtertisch ist komplett geschliffen, damit keine aufgerauten Flächen bestehen. Den Epoxidharzstreifen hat Hundhammer bewusst breit angelegt, um den feinen Nasen der Kühe Rechnung zu tragen, denn die Beschichtung verhindert, dass sich in Rissen oder Unebenheiten Futterreste sammeln und zu faulen beginnen.

Dann kommt ein etwas über 3 m breiter Entmistungsgang mit Schieber. Daran schließt eine Doppelreihe mit Liegebuchten an. Sie ist 5 m breit. Die einzelne Box ist also 2,50 m tief. Zum Aufstehen und Niederlegen können die Kühe als „Schwungraum“ die gegenüberliegende Box mitnutzen. Die Boxenbreite beträgt 1,25 m.

Anschließend folgt ein Entmistungsgang mit Spaltenboden. Er ist 2,50 m breit. Der darunterliegende Güllekanal gleicht die Hangneigung aus. Das war letztendlich auch der Grund, warum zwei verschiedene Entmistungssysteme zum Einsatz kamen. Den Abschluss des Stalles bildet eine Boxenreihe mit 2,80 m Tiefe, beziehungsweise einige Kälberboxen.

Hochboxen mit Weichbodenmatten

Die Liegefläche ist in Form von Hochboxen ausgeführt. Weichbodenmatten sorgen als Auflage für den nötigen Kuhkomfort. Den Ausschlag für diese Variante gab eine Staub­allergie des Betriebsleiters. Stroh als Einstreu fiel deshalb duch das Raster.

Am Anfang wurde die Liegefläche noch mit Urgesteinsmehl bestreut, um sie trocken zu halten. Das hat sich aber nicht bewährt. Das Mehl hat die Haut der Tiere aufgescheuert. Und wenn durch den offenen First Regen oder Schnee fiel, blieb die eingestreute Liegefläche länger nass als Buchten ohne Einstreu. Deshalb verwendet der Milchviehhalter heute keinerlei Einstreu mehr.

Insgesamt hat der Stall 45 Plätze für laktierende Kühe und 9 für Trockensteher. Dazu kommen 5 Kälber- und 1 Abkalbebox.  Das Tier-Liegeplatz-Verhältnis ist 1:1, das Fressplatz-Tier-Verhältnis 1:1,25.
Die Kalbinnen stehen im Altgebäude. Auch er ist auf Laufstallhaltung umgestellt worden. Auf dem Betrieb gibt es damit keine Tiere mehr in Anbindehaltung.

In gewissem Umfang mästet Hundhammer auch noch die eigenen Bullenkälber. Das verschafft ihm dann ein weiteres Standbein.

Betriebsleiter gibt Melkstand den Vorzug

An den Laufstall schließen sich das Melkgebäude und der Wartebereich an. Ein Teil davon ist unterkellert und kann als Güllelager genutzt werden. Das hat sich aufgrund der Hangneigung so ergeben. Der Lagerraum ist 12 x 5 x 2,5 m groß und fasst damit rund 150 m3.

Das Melkgebäude hat eine Grundfläche von 5 auf 10 m. Es ist ausgestattet mit einem 2x6-Fischgrätenmelkstand. „Ich bin kein Freund des Melkroboters“, nimmt der Betriebsleiter offen Stellung. Er will seine Tiere zweimal am Tag sehen und kontrollieren. Und auch die festen Melkzeiten sieht er nicht als Nachteil. Lieber zwei feste Termine als nachts um 3 Uhr durch den Melkroboter aus dem Bett geklingelt zu werden, so seine Devise.

Die erfasste Milchmenge geht direkt an den durchgängig laufenden Büro-PC weiter. Die Herdensoftware berechnet den Kraftfutterbedarf und gibt ihn an eine Steuereinheit weiter. Diese funkt dann den Wert direkt an die Kraftfutterstation im Stall. Insgesamt sind zwei Kraftfutterstationen und vier Antennen in den Gebäuden untergebracht. Die Kühe tragen eine Einzeltiererkennung mit Pedometer. Die Brunsterkennung über die Bewegungsaufzeichnung bezeichnet der Betriebsleiter durchaus als zuverlässig.

Am Hangfuß befindet sich das Güllelager. Es hat einen Durchmesser von 16 m und ist 4 m tief. Das bietet Lagerraum für 800 m3. Die Entmistung erfolgt mit dem natürlichen Gefälle. Der oberste Mistgang mit Schieber wirft den Mist in einen Abwurfschacht. Er steht mit dem Güllekanal des Spaltenbodens in Verbindung. Von dort fließt die Gülle dann durch den Güllekeller zur Güllegrube. Der Güllekeller ist damit eine reine Durchgangsstation. Bei Bedarf könnte aber auch an der Grube der Zulauf durch einen Schieber geschlossen werden. Dadurch würde sich die Gülle zurückstauen und im Keller sammeln. Bislang hat Hundhammer aber noch keinen Gebrauch davon gemacht.

Was wäre noch zu verbessern?

Im Kern würde Hundhammer das Meiste heute so wieder machen. Davon nimmt er zwei Dinge aus:

  • Der Gülleschacht, der die Schieberentmistung entsorgt, ist etwas zu flach. Er kann im Winter bei starken Minusgraden einfrieren. Heute würde er eine kleine Güllegrube dort anlegen, die nicht so leicht einfriert.
  • Beim Fressplatz-Tier-Verhältnis würde er auf 1:1 gehen. Damit hätte jedes Tier einen eigenen Fressplatz. Vor allem rangniedere Tieren würden davon profitieren.

Und wie sieht es für die Zukunft aus? Ein weiteres Aufstocken der Tierzahl hat Hundhammer zunächst nicht vor. Mit und von der jetzigen Größe kann er leben.
Der Stall ist aber so gebaut, dass er jederzeit verlängert werden kann. Der dahinterliegende Raum ist frei. Und mit dem 2x6er-Fischgrätenmelkstand schätzt der Milchviehhalter an die 80 Kühe melken zu können. Bei Bedarf wäre also noch Luft nach oben.

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