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Seltene Rinderrassen

Murnau Werdenfelser - Kälberschau auf dem Betrieb Spatz

Murnau-Werdenfelser
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Max Riesberg, Wochenblatt
am
04.04.2018

Das Murnau-Werdenfelser-Projekt geht in die nächste Runde. Experten und Züchter wählen die vielversprechendsten Kandidaten für die Besamung zur Aufzucht aus.

Nachdem ein Großteil der Murnau-Werdenfelser Kälber aus dem Verbundprojekt „Genomunterstützte Inzuchtvermeidung und Selektion neuer Bullenlinien“ (siehe Wochenblatt 35/2017) bereits geboren wurde, trafen sich die Beteiligten der LMU, der LfL, des Zuchtverbandes Weilheim und der Besamungsstation Greifenberg sowie die Züchter der Spenderbetriebe im Rahmen des Embryotransfers (ET) nun auf dem Betrieb Spatz in Hurlachn (Lkr. Landesberg am Lech). Dort wird zwar in erster Linie Fleckvieh gehalten, im Rahmen des Projekts war man jedoch auf der Suche nach geeigneten ET-Trägertieren und wurde sich mit Familie Spatz einig.

„Wir haben zwar selbst 120 Fleckvieh-Milchkühe und deren Nachzucht im Stall stehen, meine Familie und ich können uns aber auch für bedrohte Rassen faszinieren“, erklärt Fleckviehzüchter Reinhard Spatz. So kommt es, dass auch vier Pinzgauer-Kühe, eine Braunvieh-Gurt- und bereits eine Murnau-Werdenfelser-Kreuzungskuh zur Herde der Familie Spatz gehören. „Außerdem gefallen uns die schönen Fellzeichnungen der Tiere, die aus unserem Fleckvieh richtig herausstechen“, so Spatz weiter.

 Im Frühjahr letzten Jahres wurden 30 Murnau-Werdenfelser-Embryonen aus besonders interessanten Anpaarungen bei seinen Kühen und Kalbinnen eingepflanzt. Zehn Kälber sind aus diesen ETs entstanden. Weil eines der Tiere leider verendete, blieben am Betrieb zuletzt fünf männliche und vier weibliche Zuchtkandidaten übrig. Die Experten nahmen gemeinsam mit den Züchtern, sowohl die Abstammung, wie auch den Entwicklungszustand, vor alllem der Bullenkälber, genau unter die Lupe.

Inzucht vermeiden

Murnau Werdenfelser

Man entschied sich schließlich, einen Berg-Sohn aus Britta und zwei Rank-Söhne aus Afra zur Aufzucht an die Besamungsstation Greifenberg zu überstellen. Dort steht bereits ein Xaverl-Sohn aus einer Rakete-Tochter, der schon in der ersten Auswahlrunde  als interessanter männlicher Zuchtkandidat bestimmt wurde.

„Um die Rassenintegrität zu schützen und zugleich möglichst unverwandte Tiere in der sehr engen Blutlinienführung bei den Murnauern auszuwählen, schließen wir sogenannte Outlier aus der Kernpopulation aus“, schildert Dr. Ivica Medjugorac von der AG Populationsgenomik der LMU. In die genetische Analyse fließen über 50.000 Marker ein. Für Doktorandin Regina Thum bedeutet das jede Menge Arbeit, um diese auszuwerten. „Aber nur so können wir sichergehen eine möglichst große Linienvielfalt zu erhalten und dass die Tiere möglichst wenig Tarentaise-Blut in sich tragen“, schildert sie.

Ende der 1980er-Jahre wurde diese vom Erscheinungsbild her den Murnau-Werdenfelsern sehr ähnliche französische Rinderrasse aufgrund der Inzuchtdepression eingekreuzt. Was sich aber im Nachhinein im Sinne der Erhaltungszucht als problematisch herausstellte, da beide Populationen kaum genetische Verwandtschaft aufweisen.

Nun stehen noch fünf Geburten aus ET und vier aus gezielter Paarung an. Aus diesen Tieren sollen dann noch maximal zwei für die Aufzucht für die Besamungsstation Greifenberg ausgewählt werden, wie Geschäftsführer Helmut Goßner in Aussicht stellt. Zudem will man versuchen, die alte Rawe-Linie für die Genreserve zu erhalten. Es bleibt also spannend, welcher der Kandidaten aus dem Projekt in absehbarer Zeit wirklich als Besamungsbulle das Blut der Murnau-Werdenfelser auffrischen darf und so zur Rettung dieser Rasse beiträgt.

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