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Seltene Rassen

Murnau-Werdenfelser: Stimmen aus der Praxis

Murnau-Werdenfelser
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Max Riesberg, Wochenblatt
am
05.09.2017

München - Halter von Murnau-Werdenfelser-Rindern kommen zu Wort.

Josef Seitz aus Mittenwald (Lks. Garmisch-Partenkirchen)

Josef Seitz

„Wir halten sieben Murnau-Werdenfleser Milchkühe plus Nachzucht auf unserem Bergbauernhof. Bis Anfang der 70er-Jahre gab es in der Region fast ausschließlich die Murnau-Werdenfelser. Die durchschnittliche Betriebsgröße lag bei fünf Kühen und die Gemeinde war für die Stierhaltung zuständig. Eigentlich wären wir auch gezwungen gewesen, auf Fleckvieh umzustelllen, aber da wir schon 1969 ausgesiedelt haben, konnten wir unsere rindrigen Kühe nicht mehr dem Gemeindestier im Ort zutreiben. Der Ausweg war die künstliche Besamung, die aber damals noch sehr teuer war. Doch wir wurden von der Gemeinde finanziell unterstützt. Das war die Rettung für die Murnau-Werdenfelser auf unserem Betrieb und letztelich auch für die Linienvielfalt der Rasse.
Vor Kurzem haben wir den Verein zur Erhaltung des Murnau-Werdenfelser Rindes gegründet. Ab November soll auch die Milch der Rasse extra erfasst und in der Sennerei Ettal zu Käse verarbeitet und dort als Spezialität vermarktet werden. Wichtig ist uns in gleichem Maße die Wertschöpfung der Milch und des Fleisches unserer Murnau-Werdenfelser. Im Schnitt haben wir auf unserer Futtergrundlage heute einen Stalldurchschnitt von 4500 Litern. Aber auch Leistungen von 6000 Liter pro Laktation sind möglich.“

Ludwig Maurer aus Partenkirchen (Lks. GAP)

Ludwig Maurer

„Ich habe fünf Murnau-Werdenfelser Kühe und zwei Kalbinnen. Am Betrieb war immer schon diese Rasse zu Hause. Wir hatten zwar auch mal zwei Schecken, aber was die mehr an Milch geben, steht für mich in keinem Verhältnis zu den höheren Tierarztkosten. Für uns sind die Murnau-Werdenfelser einfach das ideale Weide- und Almvieh, robust, genügsam sowie mit harten Klauen ausgestattet und trittsicher. Wichtig ist für uns auch das althergebrachte Haltungssystem mit Anbindehaltung im Winter und Weidegang, von Anfang Mai bis Ende Oktober. So, wie es das Wetter eben zulässt. In dieser Kombinationshaltung beschäftigen wir uns viel intensiver mit unseren Tieren als beispielsweise im Laufstall, sodass diese viel umgänglichersind.
Früher gab es sogar mal eine Schlachtprämie für Murnau-Werdenfelser. Man wollte sie unbedingt verschwinden lassen. Zum Glück sieht das heute wieder anders aus. Das Einkreuzen der Tarentaise war wichtig, damit die Rasse im Rahmen wieder zugenommen hat und auch im Wesen sind sie ruhiger geworden. Die Kälber sind derzeit gefragt wie nie. Vom Verband werden einem für ein 60 kg schweres Bullenkalb 450 Euro garantiert und für weibliche Zuchttiere habe ich sogar eine Warteliste, auf der sicher 20 Namen stehen. Die Interessenten kommen aus dem gesamten Bundesgebiet, bis Ostfriesland. Vor 30 Jahren noch waren die Murnau-Werdenfelser nichts wert und heute dieser Boom. Das verstehe, wer will. Aber es macht Mut.“

Klaus Steigenberger aus Weghaus (Lks. GAP)

Klaus Steinberger

„Wir halten zehn Murnau-Werdenfelser Milchkühe, deren Nachzucht und so um die 25 Ochsen. Schon früher hatten wir diese ursprüngliche, seit jeher bei uns beheimatete Rasse. Dann in den 60er-Jahren haben wir mit dem Tbc-Geschehen auf einen Schlag mit der Rasse aufgehört und heute sind wir zum Glück wieder auf die Murnau-Werdenfelser gekommen. Unsere ganze Familie ist sehr traditonsbewusst und für uns gibt es schlichtweg keine schöneren Rinder. Außerdem sind die Tiere gute Futterverwerter. Sie kommen mit Heu und Wasser als Grundlage gut zurecht. Ich bin froh, dass sich in Sachen Zucht was tut, dass man auch auf ältere Samen
reserven zurückgreift, neue Besamungsbullen aufstellen will und genauestens auf den Inzuchtgrad schaut. Nur so können wir die Murnau-Werdenfelser Rasse zukünftig wieder auf ein breiteres genetisches Fundament stellen.“

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