Login
Auflagen

Natur- und Tierschutz: zu viele Ungereimtheiten

Schwein auf Stroh
Thumbnail
Ulrich Graf, Wochenblatt
am
02.05.2019

Auslaufställe für Schweine sind eine sehr tierfreundliche Haltungsform. Nur bauen darf man sie nicht.

Ulrich Graf

Ein „Weiter so“ darf es nicht geben. Kommt Ihnen der Spruch bekannt vor? Die Befürworter des Volksbegehrens zur Artenvielfalt haben ihn oft in den Mund genommen, um vermeintliche Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft anzuprangern. Was geschieht, wenn man sich diese Botschaft zu Herzen nimmt und etwas ändern will? Zum Beispiel die Sau rauslässt, wie in unserer Baulösung beschrieben.

Dann kann es passieren, dass ein anderer dem Vorhaben wieder einen Riegel vorschiebt. Denn wer er einen tierfreundlichen Außenklimastall für Schweine bauen will, muss mit Gegenwind bei der Genehmigung rechnen. Das mit dem Tierwohl sei ja schön und gut, heißt es dann behördenseits, aber die Emissionen seien doch arg bedenklich. Wobei hier das letzte Wort noch nicht gesprochen scheint. Doch mit Detailfragen will sich niemand so recht befassen.

Politiker streiten lieber darüber, wer in Umweltfragen den Hut aufhat. Dabei übertrumpfen sie sich gegenseitig mit immer umfangreicheren Maßnahmenkatalogen. Kommt jetzt der Turbo-Naturschutz?

Ehrlich gesagt, ich glaube nicht, dass ein Verbotswettlauf nach dem Höher-Schneller-Weiter-Prinzip die Menschen der Natur wieder näherbringt. Solange Wachstum und Rendite die Maxime der Wirtschaft sind und Konsum als zentraler Lebensinhalt gilt, wird sich nicht viel ändern. Das Kapital ist bekanntlich flüchtig wie ein Reh. Es wird sich ein neues Domizil suchen, wo es sich ungehindert der Umweltressourcen bedienen darf.

Unterm Strich kommt über den jetzt an den Tag gelegten Aktionismus nur etwas Symbolpolitik zulasten ortsgebundener Branchen heraus. Von einer fairen Lastenverteilung sind wir noch meilenweit entfernt. So bezieht sich der Großteil der Forderungen des Volksbegehrens auf die Landwirtschaft. Das befeuert den Strukturwandel. Dass Politik und Umweltverbände dies abstreiten, ist Wunschdenken oder schlichtweg Kalkül. Die Zahl der Agrarbetriebe spricht eine andere Sprache.

Auch interessant