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Bienenschutz

Neue Gefahren für die Bienen

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Dr. Nicole Höcherl Institut für Bienenkunde und Imkerei, Dr. Andreas Schierling TGD Bayern
am
28.05.2018

Bayerische Honigbienen werden durch neue invasive Schädlinge bedroht: Die Asiatische Hornisse und der Kleine Beutenkäfer. Es gilt, die Schädlinge schnell zu identifizieren und dann unverzüglich die Behörden zu informieren.

Bakterien, Viren, parasitische Einzeller, Pilze und Milben – die Liste der Erreger/Parasiten von Honigbienen ist lang. Die meisten davon sind aber seit vielen Jahren bekannt und es stehen wirksame Gegenmaßnahmen und Präventionsstrategien zur Verfügung. Mit der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina) und dem Kleinen Beutenkäfer (Aethina tumida) sind jedoch zwei weitere Schädlinge von Honigbienenvölkern in Europa eingetroffen, die gravierende Einflüsse auf die Imkerei in Bayern haben könnten.

Gleich zwei bayerische Stellen, die eng zusammenarbeiten, bemühen sich bereits jetzt – bevor die beiden Schädlinge im Bayern ankommen – um Aufklärung: Das Institut für Bienenkunde und Imkerei (IBI) mit seinem Projekt „Bee Warned“ und der Bienengesundheitsdienst (BGD) des Tiergesundheitsdiensts Bayern.

Asiatische Hornisse verbreitet sich rasant

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Das natürliche Verbreitungsgebiet der Asiatischen Hornisse liegt im südostasiatischen Raum mit Schwerpunkt in Indonesien sowie im Süden Indiens und Chinas. Über Warenimporte gelangte die Hornissenart 2004 nach Südfrankreich. Innerhalb weniger Jahre breitete sich die Asiatische Hornisse rasant aus. 2014 wurde ein erstes Nest in Deutschland in Rheinland-Pfalz entdeckt. Mittlerweile sind mehrere Nester in Baden-Württemberg nachgewiesen worden. Die Insektenfresser decken bis zu 85 % ihres Eiweißbedarfs durch erbeutete Honigbienen. Hierzu positionieren sich die jagenden Arbeiterinnen im Schwebflug vor den Fluglöchern der Bienenkästen. Kommt eine Biene der Hornisse zu nahe, packt diese blitzschnell zu. Anschließend werden Kopf, Hinterleib und Beine entfernt und das – durch die Flugmuskulatur – sehr eiweißreiche Bruststück der Honigbiene als Larvenfutter ins Hornissennest transportiert. Wenn sich ein starkes Hornissenvolk auf einen Bienenstand „eingeflogen“ hat, kommt es innerhalb weniger Tage zu beträchtlichen Flugbienenverlusten. Als Reaktion stellen die verbleibenden Sammlerinnen die Flugaktivität ein. Durch die verlorenen Sammlerinnen und den Stopp der Sammelflüge entstehen Versorgungslücken in den Bienenvölkern, die zu Schädigungen oder im Extremfall zu Volkszusammenbrüchen führen können.

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Kann die Asiatische Hornisse während der Jagd vor Bienenvölkern beobachtet werden, so ist sie leicht von der heimischen – streng geschützten – Europäischen Hornisse (Vespa crabro) zu unterscheiden (Fotos oben). Die ca. 60 bis 100 cm großen, elliptischen Nester der Asiatischen Hornisse werden in den meisten Fällen frei hängend in den Kronen hoher Laubbäume angelegt. Der Nesteingang befindet sich in der Regel seitlich. Vespa crabro hingegen bevorzugt vorwiegend Höhlen für den Nestbau. Werden frei hängende Nester gebaut, so findet sich ein großer Eingang an der Unterseite des Nestes.

Der Kleine Beutenkäfer schädigt die Brut

Der Kleine Beutenkäfer ist ursprünglich im südlichen Afrika beheimatet. Durch den Handel mit Bienenvölkern bzw. -schwärmen wurde der Käfer 1996 in die USA eingeschleppt. Innerhalb weniger Jahre breitete sich der Kleine Beutenkäfer rasant auf dem amerikanischen Kontinent aus. In Europa erfolgte die Einschleppung 2014 in die süditalienische Region Kalabrien. Selbst durch intensivste Bekämpfungsmaßnahmen der italienischen Behörden ist eine Ausrottung des Eindringlings nicht gelungen.

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Der Kleine Beutenkäfer sucht Bienenvölker auf, wobei er fliegend Strecken von bis zu 16 km zurücklegt. Die weiblichen Käfer legen ihre Eier versteckt im Bienenvolk ab. Die Larven ernähren sich von Brut, Pollen, Honig und Wachs. Neben der Schädigung der Brut und der Destabilisierung der zerfressenen Waben, wird der Honig durch hefehaltige Ausscheidungen der Larven verunreinigt. Bei starkem Befall wird der Honig zu einer gärigen, nicht mehr von den Bienen nutzbaren Masse. Die Bienenvölker gehen zugrunde oder verlassen als „Notschwarm“ den Bienenkasten.

on_Abb2B_Wanderlarve_B

Auf das Wachstumsstadium der Larven folgt ein Wanderstadium, in dem die Wanderlarven die Bienenvölker verlassen und sich zur Verpuppung rund um die Völker eingraben. Nach einigen Wochen schlüpft eine neue Käfergeneration, die weitere Bienenvölker aufsucht.

Bienen setzen sich durchaus gegen die Eindringlinge zur Wehr und attackieren die Käfer, die in Ritzen und Spalten flüchten. Sind die befallenen Völker aber zu schwach um alle Waben zu bewachen oder werden Waben bienenfrei gelagert, steht einer unkontrollierten Vermehrung des Kleinen Beutenkäfers nichts im Weg.

Flächendeckendes Monitoring

Je früher die Schädlinge entdeckt und ihre Vermehrung eingedämmt werden kann, desto größer ist die Chance, sie wieder auszurotten. Um ihr Auftreten schnell festzustellen und zielgerichtet handeln zu können, braucht es ein flächendeckendes Monitoring. Ein solches Beobachtung-system startete im letzten Jahr am IBI. Die Monitoring-Imkereien erfassen dreimal jährlich Daten zu beiden Tieren. Durch regelmäßige Kontrollen von in die Bienenvölker eingelegten Beutenkäferfallen und gezielten Feldbeobachtungen sollen die Monitoring-Imkereien das Auftreten des Kleinen Beutenkäfers und der Asiatischen Hornisse in einem frühen Stadium erkennen.

Alle Beobachtungen werden online über die „Bürgerplattform Wildtiere in Bayern“ der LfL gemeldet. Die Meldungen werden aufgrund der Koordinaten den Landkreisen zugeordnet und auf der Homepage der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau veröffentlicht. Speziell entwickelte Bestimmungsschlüssel für die möglichst zweifelsfreie Bestimmung der beiden Schädlinge stehen im Rahmen des Projektes den bayerischen Imkern zur Verfügung.

Bei Verdacht die Stellen informieren

Der Befall mit dem Kleinen Beutenkäfer stellt in Deutschland eine anzeigepflichtige Tierseuche dar. Jeder festgestellte Befall sowie der Verdacht ist dem zuständigen Veterinäramt sofort anzuzeigen. Zusätzlich wird um gleichzeitige Information des IBI oder des BGD gebeten. Wie die Vergangenheit zeigt, besteht im Falle eines Erstbefalls mit A. tumida die einzige Chance zur Verhinderung einer Ausbreitung in schnellem Handeln. Deshalb sollten alle Imker bei verdächtigen Beobachtungen umgehend die genannten Stellen informieren.

Die Asiatische Hornisse steht nicht unter der Kontrolle der staatlichen Tierseuchenbekämpfung. Eine Anzeigepflicht bei der örtlichen Veterinärbehörde besteht deshalb nicht. Bei der Sichtung von Nestern oder Hornissen sollte dennoch das IBI und der BGD informiert werden – am besten mit Foto.

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