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Sauenhaltung

Niedrige Erdrückungsverluste durch mütterliche Sauen

Andrea Tölle/Markus Bauer
am
06.03.2018

Eveline und Hubert Heigl aus Eichkreith, Gemeinde Kallmünz, Lks. Regensburg, halten 70 Sauen. Die Leistung liegt bei elf bis zwölf aufgezogenen Ferkeln pro Wurf.

Heigl

Der Betrieb ist unter anderem bekannt für seine niedrigen Erdrückungsverluste. So liegt der gleitende Betriebsdurchschnitt vom 15. September 2016 bis 15. September 2017 laut LKV Sauenplaner bei 8,98 %, der gleitende Ringdurchschnitt für den gleichen Zeitraum bei 10,12 %. „Wir liegen immer so um die zehn Prozent wie die konventionell wirtschaftenden Kollegen auch“, meint Hubert Heigl.

Hierfür drehen die Schweinehalter an vielen Stellschrauben. Die erste ist die Genetik. Familie Heigl hat sich für das Schweizer Edelschwein entschieden, das sehr mütterlich und gleichzeitig ruhig und umgänglich ist. Die Rasse hat einen weiteren Vorteil: „Die Schweizer Edelschweine sind resistent gegen Coli-F18“, erklärt Hubert Heigl. Zudem ist die Fleischqualität sehr gut. Diese Ausgeglichenheit findet sich im Zuchtziel der Schweizer Edelschweine, bei denen der Schwerpunkt auf die Aufzuchtraten und weniger auf sehr große Würfe gelegt wird, wieder.

Sehr fitte Sauen

Eine andere Stellschraube ist die Buchtengestaltung. So gibt es auf dem Betrieb Heigl große Abferkelnester (2 x 2,30 m), die durch integrierte Ferkelnester mit Bodenheizung angenehm warm sind. Dadurch nehmen die Ferkel die Nester von Anfang an sehr gut an. Ferkel brauchen anfangs eine Temperatur von 30 °C.

Nach den Erfahrungen von Eveline und Hubert Heigl beschleunigt die Befriedigung des Nestbautriebes die Geburten. „Zudem sind die Sauen durch die Bewegung und die mittels regelmäßiger Konditionsbewertung optimierte Fütterung sehr fit“, berichtet Hubert Heigl.
1998 hat Eveline Heigl den Hof von ihren Eltern übernommen. „Wir standen vor der schwierigen Entscheidung: Aufhören, Ackerbau oder Neubau mit dem Schwerpunkt Ferkelerzeugung.

Für uns kam dabei nur die Ökohaltung infrage“, berichtet Eveline Heigl. Nach intensiver Planung wurden nach und nach alle Ställe neu gebaut. Begonnen wurde mit dem Abferkel- und dem Wartestall. Dann folgten die Ställe für die Ferkel- und Jungsauenaufzucht. 2016 wurde dann der Gruppensäugestall fertiggestellt. Dabei legte Familie Heigl Wert auf Außenklimaställe mit Klimazonen. Die Liegebereiche sind warm und ohne Versorgungseinrichtungen. Das Wasser gibt es im Freien.

Von der Mutter lernen

Vier Wochen sind die Sauen mit ihren Ferkeln im Abferkelstall. Hier ist jede Bucht 13 m² groß und hat die drei Funktionsbereiche Fressen, Schlafen und WC. In die Abferkelnester sind die Ferkelnester inte-griert. Dann geht es für drei Wochen in den Gruppensäugestall. Hier leben drei bis vier Sauen zusammen. Pro Sau mit Ferkeln stehen 10 m² zur Verfügung. Im Stall gibt es einen Liegebereich mit Ferkelnest.

Wichtig ist Familie Heigl der trittsichere Boden, für den sie Gussasphalt verwendeten, und der mit Stroh eingestreut wird. Im Außenbereich stehen den Tieren Wasser aus Mutter-Kind-Tränken und Futterautomaten über einem Rindertrog zur Verfügung. Dadurch haben sie viel Platz zum Fressen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Ferkel gleich von den Müttern das Fressen lernen und das Absetzen später weniger stressig ist. Das Futter wird täglich über spezielle Futterautomaten vorgelegt. Zur Anregung der Speichelproduktion wird trocken gefüttert und die Tiere können den ganzen Tag verteilt kleine Portionen abholen.

Wellness dank Bürste

Im Wartestall leben die Sauen in der Großgruppe. Hier sorgt eine automatische Bürstenmaschine für Wohlbefinden. Sie wird von den Tieren gut angenommen. „Da stehen die Sauen oft Schlange“, erzählt Eveline Heigl.

Alle Ställe werden zweimal wöchentlich komplett gemistet und mit neuem Stroh ausgelegt. „Auf unseren 70 Hektar landwirtschaftlicher Fläche erzeugen wir das gesamte Getreide und Stroh, das wir brauchen“, erklärt Eveline Heigl. Entmistet wird über Mistachsen mit dem Hoflader, eingestreut wird mit dem Lader und per Hand.

Um einwandfreies Getreide und Stroh zu ernten, achten Eveline und Hubert Heigl sehr genau auf eine trockene Einlagerung und die Belüftung. Das Stroh wird nur ganz trocken gepresst und dann unter Dach gelagert. Schließlich fressen die Tiere locker die Hälfte der Einstreu auf. Das Futter wird selbst gemischt aus Triticale, Gerste, Hafer, Erbsen und einem zugekauften Öko-Eiweißergänzer. Zusätzlich wird im Sommer Kleegras und im Winter Heu gefüttert.

Die Vermarktung und damit die weitere Mast der Ferkel findet auf drei Naturlandpartnerbetrieben statt. „Beim Vermarkten haben sich feste Beziehungen entwickelt, bei denen die Marktgesellschaft der Naturlandbauern eine zentrale Rolle spielt“, beschreibt Hubert Heigl die Rahmenbedingungen.

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