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Haltung

Pferde zur Bewegung animieren

Pferde
Miriam Abriel
am
23.05.2019

Pferde sind Lauftiere. Dieses Bedürfnis soll die Offenstallhaltung befriedigen. Durch getrennte Funktionsbereiche müssen die Tiere sich bewegen. Allerdings können kranke und alte Pferde damit auch überfordert sein und leiden darunter.

Padock

Die Offenstallhaltung liegt im Trend. Dabei werden immer neue Konzepte gefunden, welche die Pferde zu mehr Bewegung animieren. Nachdem die ursprünglichen Offenställe meistens nur offene Hütten mit einer frei zugänglichen Weide drum herum waren, die bei Regenwetter im Matsch versanken, hält nun immer mehr Hightech Einzug in die Pferdehaltung. Dies beginnt bei der Bodengestaltung und -befestigung und geht über Einwegtore bis hin zu computergesteuerter Fütterung über Transponder im oder am Pferd.

Im herkömmlichen Offenstall sind die Bewegungsanreize tatsächlich eher gering. Vor allem außerhalb der Weidesaison bewegen sich die Pferde kaum von der Futterstelle weg. Wenn nun die Tränke ebenfalls in der direkten Umgebung der Futterstelle ist, gibt es für die Rösser kaum einen Grund, die restlichen Bereiche zu betreten.

Durch verstreute Futterstellen werden bereits einige Bewegungsanreize geschaffen. Ranghohe Tiere wechseln immer wieder einmal die Futterstelle und rangniedrigere müssen weichen und zur nächsten freien Stelle gehen. Je weiter die Futterstellen auseinander sind, desto mehr wird gelaufen. Auch die Platzierung der Tränke abseits des Futters animiert dazu, gewisse Strecken zu laufen.

Durch den Einsatz eines Einwegtors zu bestimmten Orten, zu denen die Tiere mehrmals täglich möchten, beispielsweise zur Tränke, kann erreicht werden, dass die Pferde einen Laufgang („Trail“) betreten, den sie erst entlanggehen müssen, um wieder zur Futterstelle zu kommen. Dabei sollte der Weg zur Tränke kurz sein, der zum Heu zurück dann länger. Dieser Trail kann beispielsweise um eine Weide herum angelegt werden, um eine möglichst lange Strecke zu gewährleisten.

Bewegungsanzeize setzen

Bewegung

Setzt man die Tränke als Lockmittel ein, dass sich die Pferde auf den Trail begeben, so werden sie dies wahrscheinlich nur drei- bis viermal am Tag tun. Investiert man dagegen in eine transpondergesteuerte Kraftfutterstation als „Lockmittel“, in der jedes Tier zehnmal täglich eine kleine Portion erhält, so kann man die zurückgelegten Wege um ein Vielfaches erhöhen.

Weitere Anreize zu mehr Bewegung auf Paddockflächen und Trailwegen können auch noch durch strukturierende Elemente gegeben werden, wie zum Beispiel Kletterhügel, Wasserlöcher und Baumstämme. Auch gewisse Unterschiede in der Bodengestaltung und Bodenbeschaffenheit bringen Abwechslung und wirken sich zudem positiv auf die Hufgesundheit aus.

Der Großteil der Freizeitpferde profitiert von einer solchen Haltungsform. Für die Lunge, das Immunsystem, den Bewegungsapparat, die Hufe und auch die Psyche, ist Bewegung im Grunde genommen das Nonplusultra. Sind aber einer oder mehrere dieser Bereiche bei einem Pferd bereits vorgeschädigt, kann das Ganze sehr schnell auch ins Gegenteil kippen.

Bei einigen schwachen Vierbeinern kann diese Haltungsform zur Stabilisierung der Gesundheit beitragen, aber leider nicht bei allen. Alte beispielsweise, welche nicht mehr gut zu Fuß sind, oder Pferde mit empfindlichen Hufen können bei z.B. zu langen Trailwegen oder zu groben Bodengegebenheiten hier schnell an ihre Grenzen geraten. Das Ergebnis könnte dann sein, dass sie sich weniger bewegen, um die Belastung zu meiden und sich zu schonen. Auch dass Pferde unter Umständen weniger saufen oder fressen, wenn die Hufe überfordert sind, kann dann richtig problematisch sein und gesundheitliche Folgen haben. Auch verspannte Muskeln sind sogar schon bei geringen Hufproblemen möglich. 

Fütterungssysteme

Bewegung

Da es in einer solchen Haltungsform schwer möglich ist, die Herde in bedarfsgerechte Kleingruppen zu trennen, kann auch die Fütterung zum Problem werden. Hier gibt es zwei gängige Konzepte: das erste ist die Heufütterung mittels transpondergesteuerten Heufressständern, die je nach Berechtigung des Pferdes öffnen oder schließen. Hiermit ist es zwar möglich, den Vierbeinern individuelle Mengen zuzuteilen, jedoch wird häufig beobachtet, dass die Tiere enorm unter Stress stehen. Zum einen, weil die Zeit des Fressens limitiert ist, was dazu führt, dass hastig gefressen wird.

Zum anderen, weil bei dieser Art der Fütterung immer deutlich weniger Fressplätze als Pferde zur Verfügung stehen, was bedeutet, dass die wartenden Rösser um den nächsten Zutritt zum Fressständer buhlen und das fressende Tier, durch die hinter ihm wartenden Pferde, ebenfalls Druck und Hektik ausgesetzt ist. Zudem lernen die Pferde schnell die Zeiten, wann sich welche Futterstelle öffnet, und werden dann durch diese Zeiten in ihrem Alltag gestresst.

Das zweite und für die Pferde deutlich entspanntere Fütterungssystem ist die 24-Stunden-Heufütterung, bei der immer Heu für alle Pferde gleichzeitig zur Verfügung steht. Dies kommt den Pferden sowohl verdauungsphysiologisch als auch psycho-sozial zugute, da wenig Stress entsteht. Aber auch diese Art der Fütterung kann zu Problemen führen, wenn ein Pferd über seinen Bedarf Heu aufnimmt und dadurch verfettet, was bei leichtfuttrigen Tieren schnell passieren kann.

Ein ebenfalls wichtiger Faktor in der Offenstallhaltung ist die Bodenbeschaffenheit. Da Matsch zu regnerischen Zeiten wie Herbst und Winter ein großes Problem darstellt, gibt es inzwischen viele Möglichkeiten, den Boden zu befestigen. Matsch ist zum einen ein großes hygienisches Problem, da der Mist hier nicht mehr richtig von den Flächen entfernt werden kann und  sich Krankheiten wie zum Beispiel Strahlfäule und Mauke ausbreiten können, wenn die Hufe und Fesseln über längere Zeit zu tief in feuchter und mit Mist durchmischter Erde stehen. Zum anderen ist Matsch auch für den Betreiber ein Hindernis für effizientes Arbeiten: Die Schubkarre bleibt beim Abmisten schon mal im Matsch stecken, der aufgesammelte Mist ist schwerer und die Schubkarre muss dadurch öfter entleert werden.

Unter Umständen Hufschutz erforderlich

Reitweg

Eine einfache und kostengünstige, aber oft auch genehmigungspflichtige Form der Befestigung ist verdichtbarer Kies. Auch Rasengittersteine sind relativ günstig und gut geeignet, Flächen matschfrei zu bekommen. Allerdings muss hier bedacht werden, dass diese beiden Möglichkeiten für die Hufe eine Herausforderung darstellen. Viele Pferde haben zumindest anfangs das Problem, dass sich die Hufe zu stark abreiben und die Lederhaut gereizt wird oder sich sogar entzündet. Häufig gewöhnen sich die Tiere nach einiger Zeit aber daran und die Hufe passen sich den Bedingungen an, indem sie kräftiger werden und schneller nachwachsen.

Manche Pferde jedoch, die von Haus aus schwache Hufe haben, gewöhnen sich nicht an diese Haltungsbedingungen und leiden dauerhaft darunter. Diese Tiere benötigen dann  einen Hufschutz z. B. einen Beschlag. Welchen Hufschutz man wählt, muss man individuell entscheiden.

Hufschuhe kann man vorübergehend  auch mal 24 Stunden dranlassen. Sie sind aber keine Dauerlösung. Da ein Hufschutz meistens nur vorne nötig ist, besteht durch einen Beschlag an den Vorderhufen keine Gefahr für andere Pferde. Gefährlich sind Hufeisen allerdings, wenn Raufutter aus Heunetzen gefüttert wird. Hier können die Pferde sich durchaus mit den Eisen in den Netzen verheddern. Als Vorsichtsmaßnahme sollte man deshalb einen geschlossenen Verbundbeschlag z. B. von Duplo wählen.
Auch für Pferde mit degenerativen Erkrankungen wie Arthrose oder Hufrollenentzündung ist diese Art der Bodenbefestigung nicht ideal, da er sehr hart ist. Huf- und gelenkschonendere Böden sind Kunststoffraster, die mit Sand befüllt werden. Diese federn ein wenig, sind rutschfest und leicht zu reinigen.

Oberfläche richtig gestalten

Eine für die Pferde besonders komfortable Bodenart ist gebrauchter, mit Sand verfüllter Kunstrasen von Sportplätzen. Dieser wird auf eine verdichtete Kiesschicht verlegt und ist besonders huf- und gelenkschonend, rutschfest und leicht zu reinigen.

Auch für die Liegeflächen gibt es bereits moderne Lösungen, welche darauf abzielen, Einstreu zu sparen. Einstreu ist arbeitsintensiv und vervielfacht die Menge an Mist, weshalb einige sehr weiche, mit Schaumstoff gefüllte Gummimatten auf dem Markt zu finden sind. Auch sogenannte Fallschutzmatten, die ursprünglich für Kinderspielplätze konzipiert wurden, eignen sich als Liegefläche. Diese werden meist von den Pferden auch sehr gut angenommen, da sie ein komfortables und weiches Liegen ermöglichen.

Wer Matten als Liegeflächen verwendet, sollte zusätzlich ein eingestreutes Pferdeklo anbieten. Sonst pinkeln die Tiere auf die Matten  oder irgendwo anders, wo es nicht ideal ist z. B. in den Sandauslauf, der dann nach einiger Zeit furchtbar stinkt.

Normale Gummimatten wie aus der Rinderhaltung bekannt sind dagegen als Schlafplatz für Pferde nicht geeignet, da sie zu hart sind und von den meisten nicht als Liegefläche akzeptiert werden. Hier muss zusätzlich Einstreu aufgebracht werden, da sonst einige Tiere auf die so wichtige Tiefschlafphase verzichten. Die Tief­schlafphase ist nur im Liegen möglich. Als Folge hiervon sind sie gestresst und übermüdet. Im Extremfall kann dies dazu führen, dass die Tiere im Stehen einschlafen und hinfallen, was dann oftmals als „Narkolepsie“ bezeichnet wird, in Wirklichkeit ist es jedoch schlichtweg Schlafmangel und hat nichts mit der Krankheit zu tun, die man beim Menschen als Narkolepsie bezeichnet.

Pferde profitieren

Ein sehr großer Teil der Freizeitpferde profitiert enorm von den modernen Haltungssystemen mit Bewegungsanreizen. Diese kommen den Pferden als Lauf- und Herdentiere in ihren natürlichen Verhaltensweisen entgegen, stärken die Körperfunktionen und bewirken eine psychische Ausgeglichenheit. Ist jedoch ein einzelnes Individuum mit den Gegebenheiten überfordert, so schlagen die Auswirkungen schnell ins Gegenteil um. Körperliche Probleme und Stress sind die Folge. Deshalb muss immer genau beobachtet werden, wie sich ein Pferd im Offenstall und in der Gruppe verhält und gegebenenfalls eingegriffen werden. 

Oftmals reichen schon einfache Änderungen, z. B. wenn das Pferd für einige Stunden am Tag separiert wird, um in Ruhe zu fressen oder sich abzulegen. Das Separieren von ein paar schwächeren Tieren, die Ruhe oder mehr Futter benötigen, kann man entweder „per Hand“ machen oder über  ein Selektionstor, das nur bestimmte Pferde in einen extra Bereich lässt. Hierfür benötigt man einen zusätzlichen Platz.

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