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Prävention

Pferdekrankheiten - Atypische Weidemyopathie

Weidemyopathie
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Andrea Tölle, Wochenblatt
am
05.03.2019

Vor allem der Herbst und das Frühjahr sind gefährlich.

Im letzten Herbst verloren einige Züchter Pferde aufgrund der Atypischen Weidemyopathie. Mag. med. vet. Caroline Rezabek warnt deshalb vor dem Berg- und dem Eschenahorn. In Bayern gibt es v. a. den Bergahorn. Doch nicht jedes Jahr erkranken gleich viele Pferde. Vor allem in den sehr fruchttragenden Mastjahren, alle drei bis fünf Jahre, kommt es zu Erkrankungen und Todesfällen, wenn Pferde von den Samen und Keimlingen fressen. „Schon eine Handvoll Samen kann zum Tod eines Pferdes führen“, warnte die Tierärztin aus Bad Feilnbach.

Das in den Samen und Keimlingen enthaltene Hypoglycin A führt bei Pferden zu kolik- und kreuzverschlagsähnlichen Symptomen bis zum Tod der Pferde. Als erstes Alarmzeichen sieht man nur Zittern und einen steifen Gang. Doch schon kurz darauf liegen die Pferde fest. Denn durch Hypoglycin A sterben die Muskelzellen ab. In weiterer Folge kommt es zu Herz- und Atemstillstand. Erkennt man die Erkrankung erst, wenn die Pferde bereits festliegen, kann man sie nur noch einschläfern.

Die Krankheit schreitet relativ schnell voran (bisweilen entwickelt sich die Symptomatik innerhalb eines halben Tages) und hat eine schlechte Prognose. Der Muskelfarbstoff Myoglobin wird beim Absterben der Muskelzellen freigesetzt und erscheint im Harn. Deshalb ist der Harn bei erkrankten Pferden braun-rot gefärbt.

Aus den zerfallenen Muskelzellen wird auch das Enzym Kreatinkinase frei. Nicht alle Pferde, die Ahornsamen und Keimlinge gefressen haben, erkranken. „Manche Pferde verstoffwechseln das HGA in der Leber nicht zu dem muskelschädigenden MCPA. Denen tut der Bergahorn nichts. Welche Pferde ‚resistent‘ gegen Hypoglycin A sind, kann man nicht voraussehen“, erklärte Rezabek und wies darauf hin, dass man schon beim Verdacht auf eine HGA-Vergiftung folgende Maßnahmen ergreifen sollte:

  • Das Pferd mit einem Hänger von der Koppel holen, weil es sich möglichst wenig bewegen soll, damit die Muskelzellen nicht noch mehr geschädigt werden.
  • Sofort den Tierarzt rufen.
  • Das Pferd warm eindecken und jede Bewegung vermeiden.
  • Die Koppelpartner auch reinholen, damit diese nicht noch mehr Ahornkeimlinge oder -samen fressen.

Um zu klären, ob ein Pferd die Samen oder Keimblätter aufgenommen hat bedarf es eines gesicherten Nachweises. „Wenn man es nicht direkt beobachtet hat, dann liefert eine Blutserumanalyse diagnostische Werte“, erklärte Rezabek.

Zu den meisten Todesfällen kommt es im Herbst, wenn die Samen von den Bäumen fallen. Eine weitere Spitze ist im März/April, wenn die Keimlinge wachsen. Junge Keimlinge mit zwei Blättern werden vom Pferd mitgefressen, ältere Keimlinge mit bereits vier Blättern (Primärblätter) können vom Pferd aussortiert werden. Je kürzer die Grasnarbe ist und je mehr Ahornfrüchte und Ahornkeimlinge dort vorhanden sind, desto eher können sie als Beifraß aufgenommen werden. Pferde fressen dort besonders intensiv, wo die Grasnarbe besonnt ist (höherer Gehalt an Fruktan und Protein), auch wenn der Aufwuchs an diesen Stellen sehr kurz ist.

Generell sollte man die Pferde von Samen und Keimlingen fernhalten. Am besten wäre es die Bäume zu fällen. Aber das ist ja nicht überall möglich. Auf jeden Fall sollte man den Koppelbereich in der Nähe von Bergahornbäumen großräumig absperren und Wiesen, auf denen Keimlinge wachsen könnten, nicht silieren.

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