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Seltene Rassen

Pinzgauer- Juwelen in der heutigen Zeit

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Max Riesberg, Wochenblatt
am
19.04.2018

Einst waren die Pinzgauer im Salzburger Land, aber auch im südlichen Bayern und in Tirol weit verbreitet. Dann verschwanden sie zunehmend von der Bildfläche. Doch ihre Vielseitigkeit macht sie heute für einige wieder interessant.

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Wenn man von der Pinzgauer Rasse spricht, dann denken viele an kleine Bergbauernbetriebe, gehörnte, urige Rinder auf steilen Almwiesen und an Anbinde- bzw. Kombinationshaltung. Ein System, das auch im 21. Jahhundert und in der modernen Landwirtschaft im Zeitalter der Digitalisierung durchaus Bestand hat und seine Anhänger findet. Das werden sicher einige unterstreichen können, die sich aus dem Hamsterrad von Höchstleistungen und Preisdumping befreien wollen. Dass die Pinzgauer Rasse mit Ursprung im Salzburger Pinzgau jedoch inzwischen viele Facetten in ihrer Nutzung zeigt, hat sie längst bewiesen. Ob als anpassungsfähige Mutterkuh in Europa, aber auch in Afrika oder Australien, ob als scharfe milchbetonte Red-Friesian-Kreuzung im Melkroboterstall oder eben als bodenständige Almkuh mit bester Milch und ausgezeichnetem Premiumfleisch – die Pinzgauer sind längst eine Weltrasse mit ganz besonderem Charme und einer großen Fangemeinde.

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An der Landwirtschaftlichen Fachschule (LFS) in Bruck an der Großglocknerstraße im Salzburger Land werden knapp 40 Pinzgauer Milchkühe sowie deren Nachzucht in einem modernen Laufstall aus dem Jahr 2012 gehalten. An die 300 Schüler absolvieren dort jährlich im Rahmen ihrer Ausbildung den Melkkurs im Doppel-Vierer-Side-by-Side-Melkstand. Martina Mühlbauer aus Hirschbach im Landkreis Rottal-Inn ist die Melkerin und Herdenmanagerin. Sie kümmert sich auch um die Nachwuchsmelker. „Die Pinzgauer sind die ideale Rasse für unseren Schulbetrieb“, berichtet sie, da diese absolut genügsam, ruhig vom Wesen her und nicht so sensibel wie andere Rassen sind. „Unter Umständen haben wir in der Woche acht unterschiedliche Melker. Davon lassen sich unsere Pinzgauer aber nicht beirren, bleiben stabil in der Leistung und reagieren auch nicht mit einem Anstieg der Zellzahl in der Milch“, weiß die Niederbayerin zu berichten, die schon seit viereinhalb Jahren ihren Arbeitsein-satz im Salzburger Land absolviert. Im Sommer zieht sie mit der kompletten Herde der LFS Bruck auf die Piffalm. Dort erstrecken sich die Weideflächen von 1200 m auf 2600 m ü. M., wobei sich mehr als zwei Drittel im Sonderschutzgebiet des Nationalparks Hohe Tauern befinden. Zum Ende des Sommers gibt es dann im Rahmen des Salzburger Bauernherbstes einen festlichen Almabtrieb. In diesem Jahr sollte man sich den 1. September vormerken.

Vielseitigkeit sichert die Zukunft der Rasse

„Die vielfältige Einsatzmöglichkeit sichert die Zukunft der Pinzgauer Rasse“, betont Christian Dullnig, Direktor der LFS Bruck und Obmann der ARGE Pinzgauer. Es sei die Kombination aus Milch- und Fleischproduktion sowie Zuchtviehverkauf in der Reinzucht, aber auch in der Kreuzung mit Red-Friesian-Blut, die die Rasse so breit aufstellt. „Jeder kann sich die passende Richtung aussuchen. Die genetische Breite erlaubt unterschiedliche Schwerpunkte in der Nutzung, ermöglicht aber zugleich auch einen schnellen Wechsel von einem Produktionsschwerpunkt zu einem anderen. Diese Flexibilität brauchen wir in der modernen Landwirtschaft und gerade in Zeiten schwankender Marktpreise“, ist Dullnig überzeugt.

Empfindlichkeit bei den Konsumenten

Gerade wenn es um kleinere Strukturen geht, sei der Aspekt der Produktion für den internationalen Markt eher unbedeutend, ist sich der ARGE -Obmann sicher. Er belegt das mit einem Beispiel: „Der österreichische Anteil der Milchproduktion für den EU-Markt beträgt gerade mal 1,9 Prozent. Das spielt kaum eine Rolle.“ Man müsse daher auf besondere Premiumprodukte setzen, die nicht kopierbar sind. Das Pinzgauer Rind sei hier ein „gottgegebener Schlüssel zum Erfolg“. Denn die Konsumenten sind „empfindlich“ für diese schönen Kühe und bereit, mehr Geld für ihre Produkte zu zahlen. „Viele Menschen haben Angst vor der Globalisierung. Hier sehe ich bei den alteingesessenen, heimischen Rassen einen deutlichen Vorteil, im Gegensatz zu den kosmopolitschen Rassen wie die Holsteins. Es sind Juwelen in der heutigen Zeit, weil es nicht mehr viele davon gibt und wir sie wie einen Schatz pflegen müssen“, mahnt Dullnig.

Gerne erinnert er sich an einen ganz speziellen Erfolg im vergangen Jahr im Rahmen der Austrian-Dairy-Show in Traboch/Steiermark zurück. Mit der Rat-Tochter Munter (damals drei Kälber) holte man den Grand-Champion-Titel an die LFS Bruck. Eine Bildtafel im Foyer der Schule mit der Siegerschärpe, dem Siegerfoto und einigen Zeitungsausschnitten erinnert noch daran. Und wer weiß, vielleicht klappt im Rahmen der großen Länderschau in Maishofen zum 12. Pinzgauer Weltkongress (siehe unten) ein ähnlich großer züchterischer Wurf. Mathias Kinberger, Lehrer an der LFS und Geschäftsführer der internationalen Pinzgauer Vereinigung ist zuversichtlich. „Eines ist jetzt schon sicher: Der Weltkongress und die Länderschau mit über 200 Tieren, Jungzüchterwettbewerb und Eliteauktion wird allen lange in Erinnerung bleiben“, ist der Organisator des Weltkongresses schon jetzt überzeugt. Max Riesberg

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