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Seltene Rassen

Pinzgauer - auch die Reinrassigen können Milch

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Max Riesberg, Wochenblatt
am
19.04.2018

Beim Jandlbauer in Wagrain werden seit Generationen Pinzgauer gezüchtet. Vom Fremdblutanteil bei den Milchkühen hat sich Jungbauer Andreas Riepler nun aber wieder verabschiedet. Die Herdenleistung kann sich trotzdem sehen lassen.

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Vor einigen Wochen ist beim Jandlbauer in Wagrain die letzte Kreuzungskuh (Pinzgauer x Red Friesian) vom Betrieb gegangen. „Jetzt haben alle Tiere in unserem Stall einen Fremdblutanteil von weniger als 6,25 Prozent“, berichtet Andreas Riepler, der Jungbauer und eingefleischte Pinzgauer-Züchter. Er hat die Leidenschaft für diese urtümliche Rasse quasi in die Wiege gelegt bekommen. 2014 hat er mit seiner Frau Simone den elterlichen Betrieb übernommen. 22 Milchkühe, ein Zuchtbulle und die Nachzucht stehen derzeit im Stall – eine stolze 50-köpfige Pinzgauer-Herde mit Horn und bestem Exterieur, um die sich, neben dem Fremdenverkehr, das Leben am Hof dreht.

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„Mir gefällt einfach der Pinzgauer-Typ in der Doppelnutzung. Die sind einzigartig und unverkennbar in ihrer urtümlichen Art“, sagt Riepler und kommt sofort für seine Rasse ins Schwärmen. Für ihn sind die milchbetonten Pinzgauer-Kreuzungskühe einfach so, wie viele andere Milchrassen, die es gibt. „Die Fellfarbe ist bei ihnen allen beliebig austauschbar“, meint er überspitzt. Das Zuchtziel für seine Herde beschreibt der 33-Jährige wie folgt: „Wir wollen eine mittelrahmige, typvolle, reine Kuh mit guter Euteranlage und Leistungsbereitschaft, die auch auf der Alm gut zurechtkommt.“ Dass seine reinrassigen Pinzgauer auch gut in Milch können und mit ihren prächtig gehörnten Köpfen nicht nur schön ausschauen, beweist der Herdendurchschnitt von gut 7000 kg Milch.

Viele Stiermütter

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Besonders stolz ist Familie Riepler darauf, dass eine ganze Reihe an Stiermüttern bei ihnen im Stall steht. „Diese werden mit aktuellen positiven Vererbern und nach den Vorschlägen im Zuchtprogramm besamt. Für die Anpaarung der anderen Kühe nehme ich dann noch einige Teststiere und bei etwa der Hälfte unseren eigenen Sprungstier her“, sagt Riepler. Aktuell ist das ein imposanter zweijähriger Stier (Reif x Luchs) aus eigener Zucht. Meist bleibt der Deckstier zwei Jahre am Betrieb. Seit fünf Jahren ist Andreas Riepler Eigenbestandsbesamer. „Wichtig ist es, bei der Anpaarung immer die Stärken und Schwächen jedes einzelnen Tieres auszugleichen“, so seine Erfahrung. Er sucht sich meist zwei bis drei Merkmale aus, die jeweils für ihn am wichtigsten sind, z. B. der Rahmen, aber auch die Leistung, Euterqualität oder die Melkbarkeit.

Vor rund 25 Jahren hat Familie Riepler den bekannten Pinzgauer-Spitzenstier Lenker gezüchtet. Im Laufe der Jahre gingen einige Stiere aus der Zucht des Jandlbauern in den Testeinsatz. Aktuell trägt im Besamungskatalog der Stier Ritzl (Rat x Martenko) die züchterische Handschrift Rieplers. Jedes Jahr verkaufen sie bis zu drei Stiere mit 13 bzw. 14 Monaten beim Markt in Maishofen. Auch weibliche Tiere zur Zucht, zwischen acht und zehn Stück pro Jahr, setzen sie über den für sie sehr wichtigen Marktstandort des Rinderzuchtverbandes Salzburg ab.

Einige Titel

Riepler ist Gründungsmitglied der Pinzgauer Jungzüchter, die sich 2002 formiert haben. Bei seinem Schaudebüt 2003 in St. Donat wurde er gleich Vorführ-Reservechampion und die Kalbin, mit der er teilnahm, wurde Typsieger. Daran erinnert er sich gerne zurück. 2009 wurde beim zweiten Jungkuhchampionat in Maishofen seine Liabin Siegerin. Ein Jahr später holte diese Samuel-Tochter beim Dai- ry Grand-Prix in Rotholz/Tirol den Titel des Reserve-Champions. „Das war schon ein großer Moment für unseren Zuchtbetrieb“, sagt Riepler zurückblickend. Von Liabin wird im Rahmen der Eliteauktion am 28. 4. in Maishofen eine Enkelin angeboten.

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2017 holte Riepler mit seiner Rado-Tochter Gams auf dem Jungkuhchampionat die Schärpe der Eutersiegerin. Mit ihr macht er auch bei der großen Länderschau mit (s. S. 41). Die Mutter von Gams, Rat-Tochter Gräfin, ist für Riepler das Sinnbild einer idealen und leistungsstarken Pinzgauer-Kuh. Durchschnittlich gibt sie 8000 l Milch und zeigt sich auch in der sechsten Laktation immer noch unverbraucht und von ihrer besten Seite. „Es ist einfach die schönste Rasse der Welt“, daran hat der Jungbauer keinen Zweifel. Max Riesberg

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