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KTBL

Praktikerleitfäden „Tierschutzindikatoren“

pd
am
16.11.2016

Darmstadt - Die KTBL-Praktikerleitfäden „Tierschutzindikatoren – Rind“, „– Schwein“ und „– Geflügel“ wollen Nutztierhalter bei einer eigenverantwortlichen und systematischen Untersuchung des Zustands ihrer Tiere unterstützen.

Rinder im Stall

Eine regelmäßige betriebliche Analyse hinsichtlich der Tierwohl-Situation im eigenen Bestand kann Tierhalter in ihrer Eigenverantwortung stärken, im betrieblichen Management unterstützen und Sicherheit geben. Das vorgestellte Indikatorenset stellt für den Nutztierhalter eine Möglichkeit dar, eine betriebliche Schwachstellenanalyse hinsichtlich Tiergerechtheit durchzuführen. Gleichzeitig kann er damit auch seiner Pflicht zur betrieblichen Eigenkontrolle gemäß Tierschutzgesetz § 11(8) nachkommen. Dort wird von Nutztierhaltern seit 2014 eine „betriebliche Eigenkontrolle“ gefordert: Tierhalter müssen anhand von tierbezogenen Indikatoren nachweisen, dass die Tiere gemäß § 2 des Tierschutzgesetzes, also tiergerecht, gehalten werden. Das Gesetz gibt jedoch keine klare Definition, wie diese Eigenkontrolle aussehen soll.

Das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V. (KTBL) hat sich der Thematik angenommen, um eine praktikable Lösung zu erarbeiten. In zwei Fachgesprächen stellten dazu rund 50 Rinder-, Schweine- und Geflügelexperten aus den Bereichen Wissenschaft, Beratung und Praxis für die wichtigsten Produktionsrichtungen geeignete Tierschutzindikatoren zusammen. Diese Indikatoren wurden 2015 vom KTBL veröffentlicht (KTBL-Schrift 507).

In den zurückliegenden Monaten hat jeweils ein Autorenteam um Dr. Jan Brinkmann (Rind), Dr. Lars Schrader (Schwein) bzw. Prof. Ute Knierim (Geflügel) die ausgewählten Indikatoren als Anleitung für die Praxis ausgearbeitet. Sie liefert dem Tierhalter – oder von ihm beauftragten Dritten wie Berater oder Tierarzt – eine Vor- gehensweise, wie eine Überprüfung der Tiergerechtheit nach aktuellem wissenschaftlichen Stand durchgeführt werden kann. Ein Ablaufschema für jede Produktionsrichtung zeigt, welche Indikatoren wann und an wie vielen Tieren erhoben werden sollten. Der Steckbrief zu jedem Indikator enthält eine kurze fachliche Hinführung, Foto-Klassifikationstabelle bzw. Rechenformel sowie weitere Hinweise zu Erhebung.

Um über die Zielstellung und Inhalt der Leitfäden zu informieren und größtmögliche Akzeptanz in der Praxis und Beratung zu erreichen, fanden 2016 Informationsgespräche mit den Tierschutzreferenten der Länder und mit den (Bundes-)Vertretern der verschiedenen Erzeugerverbände Rind, Schwein, Geflügel und dem Deutschen Bauernverband statt. Hierbei wurde dem KTBL von allen Seiten Unterstützung bei den nun anstehenden Tests der Leitfäden im Praxiseinsatz signalisiert.

Wünschenswert ist, dass dieser „erste Aufschlag“ der Leitfäden in der Praxis, in Erzeugerverbänden, in der Ausbildung und Beratung sowie in der veterinärmedizinischen Bestandsbetreuung benutzt und ausgetestet wird. Mittelfristig können sie so auf Basis der Praxiserfahrungen weiter optimiert werden. Die stalltauglichen Leitfäden mit Steckbriefaufbau, Fototabellen, stabiler Ringbindung im A4-Format und abwaschbaren Seitenoberflächen sind für je 18 € beim Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) e.V. erhältlich. Ansprechpartnerin im KTBL: Rita Zapf Tel.: 06151 7001-144 E-Mail: r.zapf@ktbl.de

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