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Kommentar

Die Praxis zählt hier leider nicht

Ferkel schlafen unter der Wärmelampe
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Andrea Tölle, Wochenblatt
am
14.08.2019

Die Sauenhalter sind frustriert. Das ist verständlich. Und doch kommt immer noch eins drauf.

Andrea Tölle

Man scheint die Ferkelerzeugung aus Deutschland weg haben zu wollen. Und die Zahlen sprechen leider dafür, dass das klappt. So hat bei der jüngsten Umfrage der Interessenvertretung der Schweinehalter in Deutschland über die Hälfte der befragten Sauenhalter angegeben gegenwärtig ans Aufgeben zu denken.Schon jetzt kommen circa 30 Prozent der in Deutschland benötigten Ferkel aus Nachbarländern. Ob es im Sinne des Tier- und Umweltschutzes ist, wenn kleine Ferkel durch ganz Deutschland gefahren werden bis sie in bayerischen Ställen zur Mast aufgestallt werden, scheint niemanden zu interessieren.
Vor allem die angeblich von Politik und Gesellschaft geschätzten kleinbäuerlichen Betriebe werden angesichts der erheblichen Investitionskosten und der ungeklärten bau- und immissionsrechtlichen Fragen nicht mehr die finanzielle Kraft haben, den Betriebszweig Sauenhaltung an die neuen gesetzlichen Regelungen anzupassen. Schlimm daran ist, dass die Landwirte das Gefühl bekommen, nicht mehr erwünscht zu sein.
Bemerkenswert ist dabei, dass das Bundeslandwirtschaftsministerium hier weder auf die Stimmen der Praktiker noch auf die der Wissenschaft gehört hat: So ist z. B. die Vorgabe von 5 m² frei verfügbarer Fläche für die Sau (damit sind Abferkelbuchten von i.d.R. 7,5 m² und mehr vorgegeben) auch aus Tierschutzsicht kontraproduktiv. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass in derartigen Buchtenausführungen die Saugferkelverluste deutlich zunehmen. Die Ferkel haben in sehr großen fast quadratischen Buchten Schwierigkeiten, das Gesäuge und das warme Ferkelnest zu finden. Unser Nachbar Österreich setzt dagegen um, was sich in Praxisstudien bewährt hat – eine Mindestgröße für die gesamte Bewegungsbucht von 5,5 m².

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