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Eurotier 2018

Rinderzucht - Doppelnutzung ist Trumpf

Die BayernGenetik zeigt auf der EuroTier ihren Spitzenvererber Mahango
Max Riesberg
am
30.11.2018

Die Rinderzuchtorganisationen aus Bayern, Baden-Württemberg und Österreich präsentierten sich mit starken Nachzuchtgruppen und Mastkälbern auf der EuroTier. Sie setzten so ein eindrucksvolles Zeichen für die Doppelnutzung.

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Die Tierhalle war auch in diesem Jahr auf der EuroTier in Hannover einer der Publikumsmagneten. Geändert hat sich daran nicht viel, nur vereinzelt die Standkonzepte der Aussteller. Aber nach wie vor präsentierten die starken Mannschaften der Rinderzuchtorganisationen aus dem Süden Deutschlands sowie aus Österreich rund um den TopTierTreff und in unterhaltsamen Rassepräsentationen auf der Bühne, ihre vielversprechende Spitzengenetik und ihre Serviceleistungen. Von insgesamt 104 ausgestellten Rindern war immerhin gut ein Viertel Fleck- und Braunvieh, wie die DLG als Veranstalter bekannt gab. Wenn das in wirtschaftlich schweren Zeiten für die Milchviehhalter mal kein Zeichen für die Doppelnutzung ist.

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„Gerade für die Messebesucher aus dem Norden und aus dem Ausland sind unsere Fleckvieh- und Braunviehtiere eine besonderer Hingucker und weckten großes Interesse aufgrund ihrer guten Körperkondition und hervorragenden Leistungen“, berichtete Thomas Unsinn, der neue Vorstand der Bayerischen Jungzüchter. Er war auch in diesem Jahr wieder am Gemeinschaftsstand von Fleckvieh Oberbayern, den Besamungsstationen Höchstädt, Bauer und Greifenberg, der Alpengenetik und der Allgäuer Herdebuchgesellschaft, die unter dem Motto „Effizienz aus dem Süden Deutschlands“ am großen Stand von GGI-Spermex auftraten. Zu sehen gab es dort beim Fleckvieh Töchter der Bullen Hussar, Viano und Pazifik sowie der Braunviehvererber Feuerstein, Vintage und Harrison.

Thomas Unsinn bayerischer Jungzüchtervorstand

„Gerade die junge Generation zeigt hier beim Standdienst und bei der Tierbetreuung immer höchsten Einsatz und ist voll motiviert. Mehr als zehn Mitglieder aus der Vorstandschaft des Landesverbands der bayerischen Jungzüchter sind heuer wieder in Hannover bei den verschiedenen Organisationen vertreten“, erzählt Jungzüchter Unsinn stolz. Viele würden schon am Freitag vor der Messe anreisen und die Tiere dann bestens versorgen, damit sie an den vier Messetagen so perfekt ausgestellt werden können.

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Einen der größten Auftritte in der Tierhalle hatte die Eurogenetik. Auch hier sieht man gute Chancen für die Zukunft der Doppelnutzung in der Rinderzucht. „Der internationale Besuch war einmal mehr sehr gut und zahlreiche Anfragen nach Samen, Embryonen oder Zuchtvieh der Rasse Fleckvieh lassen für eine gute Vermarktungsmöglichkeit in Zukunft hoffen“, heißt es im Messefazit des Verbundes aus: der Besamungsgenossenschaft Marktredwitz-Wölsau, dem Besamungsverein Neustadt/Aisch, der Kammer für Land- und Forstwirtschaft in Kärnten, der Oberösterreichischen Besamungsstation, der Rinderunion Baden-Württemberg, der Rinderzucht- und Erzeugergemeinschaft Tirol sowie der Zucht- und Besamungsunion Hessen.

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Mit insgesamt drei Nachzuchtgruppen von Fleckviehvererbern absolvierte Eurogenetik auf der Drehbühne das umfangreichste Programm aller Aussteller. Die Töchter von Evergreen (Everest x Rau x Merwert), Hotrocket (Hutera x Gebalot x Weinold) und Hurly (Hulkor x Sego x Hippo) verkörperten das Zuchtziel auf sehr hohem Niveau. Aber auch die ausgestellten Bullenkälber stießen vor allem bei Mastbetrieben auf großes Interesse.

Rinderzucht Süd auf der EuroTier

Eine absolute Besonderheit auf der EuroTier 2018 war, dass gleich zwei eindrucksvolle Töchtergruppen des Spitzenvererbers Mint präsentiert wurden, nämlich am Stand von CRV-Genetik und am Stand der Rinderzucht Austria ZAR. Im Zuge der 40-jährigen erfolgreichen Kooperation zwischen Genostar und CRV Deutschland, die auf der Messe gebührend gefeiert wurde, präsentierte man die jeweils dreiköpfigen Nachzuchtgruppen. Hierüber freuten sich die Züchter von Mint, Georg und Marianne Willibald aus Arzbach. Die beiden waren sogar selbst vor Ort, da sie im Rahmen des Bundeswettbewerbs „Landwirtschaftliches Bauen 2017/18“ im Rahmen der EuroTier für ihre besonders innovative Stallumbaulösung ausgezeichnet (Wochenblatt 47/S. 32) wurden. „Dass dann hier auch gleich noch sechs Spitzenkühe gezeigt werden, die auf Genetik aus unserem Stall zurückgehen, ist schon der Wahnsinn“, sagte Marianne Willibald stolz.

Mint stellt gleich zwei Töchtergruppen

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„Mint wurde bereits als genomischer Jungvererber breit in der europäischen Fleckviehpopulation eingesetzt. Das in ihn gesetzte Vertrauen zahlt er jetzt mit sensationellen Töchtern zurück. Diese stehen für eine extreme Gleichmäßigkeit im Typ, für Effizienz und Fitness auf höchstem Niveau“, betonte Johannes Wolf, Produktmanager Fleckvieh bei CRV. Obwohl in Bayern gezüchtet, hat Mint aber auch genetische Wurzeln aus Österreich. Denn sein Vater Manigo geht über Mandela auf den bekannten österreichischen Stier Malf zurück, mütterlicherseits hat Mint den österreichischen Stier Rau in der Abstammung.

Bayern-Genetik präsentierte an ihrem traditionell alpenländisch gehaltenen Messestand drei Manhango-Töchter und den drei Vertreterinnen ihrer sogenannten Typ-Kuh unter der Slogan „Kuh der Zukunft“. Der Geschäftsführer der Bayern-Genetik Dr. Thomas Grupp zeigt sich mit dem Konzept zufrieden: „Mit unserem Alleinstellungsmerkmal „Typ“ können überraschenderweise immer mehr Milchviehhalter etwas anfangen. Hier konnten die Mahango-Töchter, die im „Robust- bzw. Allround-Typ“ standen, voll überzeugen. Leistung, Fitness, Hornlosigkeit und Typ sind die Säulen, auf denen wir unsere Zuchtphilosophie aufbauen. Auffallend war, dass unsere Fleckviehkühe leicht mit den Leistungen der Holsteinkühe mithalten konnten, bei gleichzeitig weit besserer Kondition.“ Forcierte die Bayern-Genetik vor zwei Jahren noch die A2-Milch und sieht sich auf dem Gebiet der Genetik bei Fleckviehkühen mit Anlage für A2A2 als Vorreiter, so war der Renner am Stand der patentierte Nasenring „SuckStop“. „Er wurde zwar nicht als Innovation prämiert, wir sind jedoch der Meinung, dass gerade dieses neue Produkt für Furore sorgen und zu einem echten „Problemlöser“ wird“, ist sich Grupp sicher. Max Riesberg

Internationale Plattform

Hubert Hartl aus Burghub (Lks. Traunstein): „Wir bewirtschaften zu Hause einen Fleckviehzuchtbetrieb mit rund 70 Milchkühen und sind sogar am CRV-Stand mit einer Mint-Tochter vertreten. Was mich und meinen Sohn, der inzwischen auch zuchtbegeistert ist und der daheim die Stellung hält, mit Stolz erfüllt. Vor zwei Jahren bin ich in meiner Funktion als Vorsitzender des Rinderzuchtverbands Traunstein das erste Mal nach Hannover zur EuroTier gefahren. Für die Rinderzucht ist die Messe eine wichtige internationale Plattform. Der Austausch mit den anderen Verbänden aus Bayern, aber auch Züchtern aus dem gesamten Bundesgebiet ist für uns wichtig, um uns noch besser aufzustellen. Aber auch die Einflüsse der Politik auf die internationale Vermarktung zeigen sich hier deutlich. Haben uns vor zwei Jahren die Türken noch die Bude eingerannt, kommt heuer kaum mehr Interesse von dieser Seite. Es ist wichtig, dass wir hier Werbung für die Mastfähigkeit unseres Fleckviehs machen. Viele Kälber verkaufen wir von Süd nach Nord und am Messestand sind viele besgeistert von unseren gut entwickelten Kälbern.“

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Rudi Kaltner aus Seon (Lks. Traunstein): „Auch meine Familie bewirtschatet einen Milchviehbetrieb mit 70 Fleckviehkühen. Ich bin 22 Jahre alt und zum ersten Mal auf der EuroTier. Für mich ist es sehr interessant, die Dimensionen dieser Fachmesse zu sehen und die perfekten Auftritte der einzelnen Organisationen, Verbände und Firmen. Jeder zeigt sich von seiner besten Seite und das auf internationalem Parkett. Besonders stark sind die hier gezeigten Nachzucht- beziehungsweise Töchtergruppen der einzelnen Vererber. Wobei mir die Viano-Tochter am besten gefällt. Im Vergleich zu den anderen Rassen zeigt sich für mich schon ganz deutlich, dass wir mit der Doppelnutzung beim Fleckvieh schon einen ganz besonderen Vermarktungsvorteil haben. Viele Holstein-Züchter haben sich auf der EuroTier bei uns am Stand schon beklagt, dass ihre Kälber nichts mehr wert sind. Aber das kann bei einer Diskussion um Tierwohl und Nachhaltigkeit doch auch nicht der richtige Weg sein, finde ich.“ MR

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