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Biolandtagung

Schaf- und Ziegenhaltung - viele kleine Betriebe steigen ein

Krainer Steinschafe_B
Landesverband Bayerischer Ziegenzüchter
am
29.03.2018

Viel Input wurde den knapp 200 Teilnehmern der 12. Internationalen Bioland Schaf- und Ziegentagung in Oberbozen in Südtirol geboten.

Viel Input wurde den knapp 200 Teilnehmern der 12. Internationalen Bioland Schaf- und Ziegentagung in Oberbozen in Südtirol geboten. Schwerpunkte der Tagung, die von den Fachberatern des Bioland-Verbandes organsiert wurde, waren zum einen die Landwirtschaft mit Schafen und Ziegen im alpinen Raum, zum anderen Stoffwechsel und leistungsgerechte Fütterung.

Drei Exkursionen mit verschiedenen Schwerpunkten boten einen Einblick in die Erzeugung und Vermarktung von Schaf- und Ziegenprodukten in Südtirol. Bei der Exkursion „Extreme Berglandwirtschaft“ wurde das teilweise hochalpine Ultental besucht.

Heu: hohe Qualität durch Belüftung

Ziegen Ahrntal_B

Auf 1250 m Meereshöhe erzeugt die Familie Breitenberger oberhalb des Bergdorfes St. Nikolaus mit 70 Saanen-Milchziegen und hofeigener Verarbeitung qualitativ hochwertigen Käse, der über Läden vermarktet wird. Wie auf diesem Betrieb sind auch auf dem zweiten besuchten Betrieb der Familie Marsoner in St. Pankraz, der auf 1500 m liegt, höchstens zwei Grasschnitte möglich. Der Schnitt erfolgt aufgrund der sehr steilen Wiesen nur mit teuren Spezialmähern und viel Handarbeit. Die Lage der Betriebe am Berg stellt auch bauliche Herausforderungen, sodass teils sehr individuelle Lösungen für Aufstallung, aber auch Melktechnik und Auslauf gefragt sind. Die Exkursionsteilnehmer konnten sich bei beiden Betrieben von der hohen Grundfutterqualität überzeugen, die ohne Heubelüftung so nicht zu erzielen wäre. Staunende Blicke gab es angesichts der doch teilweise waghalsig steilen Hänge, die von den Betriebsleitern als Heuwiesen vorgestellt wurden.

Auch der Bioland-Betrieb Marsoner verarbeitet die Milch seiner 35 Milchziegen der Rasse Gemsfarbige Gebirgsziege selbst und erzielt in der Direktvermarktung gute Preise. Ebenfalls ökologisch bewirtschaftet wird der Betrieb der Familie Kapaurer in St. Pankraz, der in der hofeigenen Käserei die Milch von knapp 50 Krainer Steinschafen zu Joghurt, Frischkäse und Weißschimmelkäse verarbeitet und über Bauernmärkte, aber auch Hotels und Restaurants vermarktet.

BILD_5_Villnöser Brillenschaf_B

Den Tourismus nutzt ein weiterer besuchter Betrieb. Familie Oberhollenzer hat sich auf dem ökologisch bewirtschaftetem Moserhof im Ahrntal mit 100 Ostfriesischen Milchschafen und einem Restaurant mit Hofladen eine Existenz aufgebaut. Steinhaus im Ahrntal ist als Wintersportort bekannt und auch im Sommer kommen viele Touristen. Auf 14 ha teils extrem steiler Grünlandfläche wird das Futter für die Tiere erzeugt.

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Die Veredelung der Milch und des erzeugten Lammfleisches geschieht in der leistungsstarken Käserei und in der Küche. In der Käserei werden neben der eigenen Milch auch Ziegenmilch aus einem Partnerbetrieb und Kuhmilch aus der örtlichen Bioland-Sammlung verarbeitet.
BILD_1_Melktechnik_B
Einige Kilometer talauswärts erzeugt unter einfacheren Bedingungen der konventionell wirtschaftende Betrieb Rederlechner – weniger arbeits- dafür umso tierintensiver – Ziegenmilch als Lieferbetrieb für die ansässige Molkerei. Hier konnten sich die Exkursionsteilnehmer einen Eindruck verschaffen, wie mit einer hohen Tierzahl – gemolken werden 240 Saanenziegen – intensivster Fütterung und Nutzung leistungsstarker Genetik hohe Milchmengen erzeugt werden können.
BILD_3_Ostfriesische Milchschafe_B
Eine Rarität unter den Bergschafrassen lernten die Teilnehmer bei der Exkursion ins Villnößtal kennen. Das Villnösser Brillenschaft ist Südtirols älteste Schafrasse und zeichnet sich neben der charakteristischen Pigmentierung um die Augen – der Brille – besonders durch seine Robustheit, aber auch die hervorragende Fleischqualität aus. Nichtsdestotrotz wäre diese extensive Rasse mit mittlerer Fleischleistung längst ausgestorben, gäbe es nicht einige begeisterte Landwirte, die diese Tiere im Ursprungsgebiet wieder vermehrt halten, züchten und nutzen. Durch dieses Engagement ist die Zahl der Zuchttiere inzwischen wieder auf über 1000 angestiegen.
Hervorragende Zuchttiere konnten auf den nach EU-Biorichtlinien wirtschaftenden Betrieben Pernthaler und Messner bewundert werden. Günter Pernthaler macht mit seinen Tieren derzeit in Zusammenarbeit mit der Universität Bozen einen Versuch zur ganzjährigen Freilandhaltung, wofür sich die ursprünglichen Schafe scheinbar sehr gut eignen.
Auf den abwechslungsreichen Exkursionstag folgte die Vortragstagung. Im Eingangsreferat erläuterte die Geschäftsführerin des Landesverbands der Südtiroler Kleintierzüchter Barbara Mock die derzeitige Marktsituation für Schaf- und Ziegenprodukte in Südtirol und im restlichen Italien. Die Anzahl der in Italien gehaltenen Schafe und Ziegen zeige einen deutlich negativen Trend. Waren 1989 noch rund 13 Mio. Schafe und Ziegen registriert, so seien es in 2016 nur mehr gut 8 Mio. gewesen. Nur 15 % der Betriebe und 7 % der Tiere würden im Norden Italiens gehalten, der Hauptanteil an Schafen und Ziegen dagegen im Süden des Landes.

Ziegenkäse ist eine Rarität in Südtirol

In Südtirol hat die Schaf- und Ziegenhaltung einen nur geringen Anteil. Die durchschnittliche Betriebsgröße beträgt 14 Tiere, bestehend überwiegend aus Bergschafrassen zur Lämmerproduktion und Landschaftspflege. Nur 5 % der Ziegen in Südtirol sind Milchziegen, sodass man bei dem erzeugten Käse von einem Nischenprodukt sprechen muss. Dies im Gegensatz zu dem hauptsächlich in Süditalien und Sardinien erzeugten Pecorino aus Schafmilch; hier ist Italien europaweit Marktführer.
Dass nunmehr in der Region vermehrt kleine, ökologisch bewirtschaftete Betriebe in die Milchverarbeitung und Direktvermarktung einsteigen, erweise sich laut Barbara Mock derzeit als relativ erfolgreich und werde vom Staat auch entsprechend unterstützt. Die nächste Bioland Schaf- und Ziegentagung soll Anfang Dezember in Schwaben stattfinden. Andrea Kaufmann
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