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Schafzucht

Schafe - mit drei Rassen im Herdbuch

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Helga Gebendorfer
am
05.07.2018

Als Kind bekam Johann Morigl sein erstes Lamm geschenkt. Mittlerweile züchtet er drei Rassen und seit März ist er Vorsitzender des Maisacher Schäferstammtischs. Ein Leben ohne Schafe kann er sich nicht vorstellen.

Morigl im Stall 1

Johann Morigl aus Karlsfeld im Landkreis Dachau ist Schafzüchter mit Leib und Seele. „So lange ich kann, werde ich Schafe haben“, verrät er und erzählt, dass seine Begeisterung für diese Tierart mit einem Flaschen-Lamm begann, das er als Kind von einem Schäfer geschenkt bekam. „Daraus wurden immer mehr, bis die Herde auf 15 Mutterschafe angewachsen ist, die damals am elterlichen Hof grasten.

Bockgruppe 1

Heute ist die Schafhaltung einer von mehreren Standbeinen von Johann und Cornelia Morigl. Sie bewirtschaften gemeinsam im Voll-erwerb 60 ha LN, davon 20 ha Grünland. Zu den Betriebszweigen gehören Heu- und Strohverkauf an Milch- und Pferdebetriebe, Kürbisanbau mit Direktvermarktung, Blumenfelder zum Selberschneiden im Münchner Westen sowie Christbaumverkauf an den drei Standorten Dachau, Karlsfeld und Gräfelfing.

Juraschafe

2006 übernahmen die Eheleute den Betrieb der Morigl-Eltern in München-Allach und siedelten 2007 nach Karlsfeld aus. „Der Grund war die beengte Hoflage und unser Wunsch, alles an einem Standort zusammen zu führen“, erklärt Johann Morigl. Denn in Karlsfeld stand schon seit 1996 die Maschinenhalle. Während die Eltern ihr Einkommen mit der Bullenmast erwirtschafteten, entschlossen sich Johann und Cornelia Morigl, sich breiter aufzustellen.

Vom Hobby zur intensiven Zucht

Familie

Die Schafhaltung des Landwirts und gelernten Zimmerers ist mit der Zeit erheblich gewachsen. Denn befreundete Schafhalterkollegen animierten ihn, die Schafhaltung durch Zucht zu intensivieren. „Ursprünglich wollten wir nur einen Tierbestand von 20 Mutterschafen halten, doch aus meinem Hobby wurde mehr – so ist die Zucht nach der Aussiedlung immer größer geworden“, blickt er zurück.

Texel punktet mit Fleischqualität

Stall 3

2008 stieg er mit 20 Texel-Mutterschafen in die Herdbuchzucht ein, deren Bestand sogar zwischendurch einmal bis zu 50 Zuchttieren anstieg. Als begeisterter Texel-Züchter kennt er genau die Vorteile dieser Fleischrasse, die einmal jährlich lammt. Sie sind ruhige, gesunde Tiere, sie punkten mit Fleischmenge und -qualität sowie über 50 Prozent Ausschlachtung und die Böcke eignen sich hervorragend für die Kreuzung mit Berg- und Landschafen.

Texel
Vor sechs Jahren kaufte der Züchter dann drei Juraschafe, deren Bestand bis heute auf aktuell 15 Mutterschafe im Herdbuch angestiegen ist. Die gesunden, robusten und fruchtbaren Schafe mit guter Mütterlichkeit lammen im Gegensatz zu den Texel alle acht Monate und auch ohne Schwierigkeiten. Doch dem nicht genug: Letztes Jahr kaufte Morigl zudem 30 Schwarzköpfige Fleischschafe aus bayerischer und mecklenburgischer Zucht zu und ließ sie ebenfalls ins Herdbuch eintragen. Die Kennzeichen dieser Rasse: sehr leicht lammend und sehr mütterlich, robust und asaisonal, so dass sie sehr gut in den Betriebsablauf passen. „Mein Ziel ist letztendlich eine kürzere Stallzeit durch eine Lammung im November/Dezember auf der Weide“, informiert der 40-jährige.

Korrekte Tiere mit starker Bemuskelung

Morigl mit Texel 3
Alles in allem sieht er die Entwicklung von Texel- zu Juraschafen und schließlich zu den Schwarzköpfigen Fleischschafen als Experiment. „Ich suche immer wieder eine neue Herausforderung“, betont der Züchter, der stets bestrebt ist, fehlerfreie, robuste Zuchttiere mit rassetypischen Merkmalen zu produzieren. „Dabei lege ich Wert auf korrekte Tiere mit starker Bemuskelung“, ergänzt er und weist darauf hin, dass sich gute Zuchttiere immer bezahlt machen. Selbst sucht er sie sich durchaus im Umkreis von bis zu 1000 km. „Wenn mir eins gefällt, bin ich gerne bereit, auch einmal tiefer in die Tasche zu greifen“, meint er. In seiner züchterischen Laufbahn konnte Morigl eine Reihe von Erfolgen auf Ausstellungen, Märkten und Schauen erzielen. Dazu zählen u. a. mit Texel: Siegergruppe der Fleischschafe 2009 bei der 50-Jahrfeier der BHG (Bayerische Herdbuchgesellschaft) in Dettelbach, Bundessieger bei der Agrarmesse in Leipzig 2011 sowie jeweils die Siegergruppe der Fleischschafe beim Zen- trallandwirtschaftsfest 2012 und 2016.
Zuchttierverkauf, Lämmervermarktung und Landschaftspflege sind die drei Einkommensquellen in der Schafhaltung. „Dabei ist der Verkauf von Zuchttieren ab Hof und auf Auktionen mein Hauptziel“, berichtet Morigl. Er bestückt regelmäßig die Märkte der Bayerischen Herdbuchgesellschaft für Schafzucht, wo insgesamt von sämtlichen Rassen rund 15 Böcke im Alter von sechs Monaten bis ein Jahr verkauft werden.

Die Lämmer kommen auf die Hofweide

Hinzu kommt der Lebendverkauf von Schlachttieren, wobei mit einem Lebendgewicht von rund 50 kg aussortiert wird zwischen Schlacht- und Zuchttieren zum Verkauf und die eigene Nachzucht. Nach dem Absetzen der Lämmer zwischen der 10. bis 12. Woche erfolgt der Austrieb der Mutterschafe, während die Lämmer auf die Hofweide kommen und zugefüttert werden. Beweidet werden 20 ha betriebseigene Weiden, 10 ha Landschaftspflegeflächen ca. 1 km vom Hof entfernt – allerdings erst nach der Heumahd – und Ausgleichswiesen von den umliegenden Gemeinden.

„Die Schafhaltung hat mir immer Spaß gemacht“, lautete das Fazit von Johann Morigl, der sich nicht scheut, unterschiedliche Rassen auszuprobieren. Dabei erlebt er, dass jede Rasse seine Vorteile hat. Sein Ziel ist, weiterhin viele gute Zuchttiere zu verkaufen. „Dabei wird sich herausstellen, auf welche Rasse ich künftig verstärkt setze“, lächelt er verschmitzt. Weiterhin wünscht er sich, mehr junge Leute für die Schafhaltung und -zucht begeistern zu können. „Darin sehe ich als neuer, im März gewählter Vorsitzender vom Maisacher Schäferstammtisch eine wichtige Aufgabe“, gibt er Auskunft.

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