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Kühlung im Stall

Schutz vor der Sommerhitze

LfL Tierhaltung, Grub
am
15.05.2018

Im Milchviehstall wird den Kühen die heiße Jahreszeit schon ab 16 °C zur Last. Mit gezielten Maßnahmen kann man ihnen den Arbeitsalltag jedoch deutlich erleichtern. Am besten den Hitzestress einfach mit dem Ventilator wegblasen.

MR_Tränke-Milchviehstall

Jeden Sommer zeigt sich aufs Neue, wie sich Hitze auf verschiedene Leistungsparameter, aber auch auf das Tierwohl von Milchkühen auswirkt. Neben dem Rückgang von Futteraufnahme und Liegezeiten sind bereits kurz nach Beginn einer Hitzeperiode erste Auswirkungen auf die Tiergesundheit feststellbar. Andere negative Folgen machen sich aber erst Monate später bemerkbar. Neben Ketosen, Pansen-azidosen oder Fruchtbarkeitsstörungen lassen sich auch Klauenprobleme auf die Hitzeeinwirkung zurückführen. Allgemein entsteht bei den Tieren ein zunehmendes Unbehagen, was sich in Kombination mit den anderen Krankheitsbildern schlussendlich auf die Milchleistung und -inhaltsstoffe auswirkt.

Das Rind hat aufgrund seiner Verdauung eine sehr hohe Wärmeproduktion. Zusätzlich wirkt die Sonne auf den Stall ein, sodass sich im Inneren die Umgebungstemperatur erhöht. Bereits ab 16 °C können erste Anzeichen von Unwohlsein, wie eine Erhöhung der Atemfrequenz, beobachtet werden. Die Kuh sucht „angenehmere“ Plätze auf und wirkt unruhiger. Die Tiere halten sich vermehrt an offenen Stalltoren oder in der Nähe von Tränkestellen auf. Ab einer Temperatur von ca. 20 °C können die Kühe die selbst produzierte und aufgenommene Wärme nicht mehr in ausreichendem Maße an die Umgebung abgeben. Wenn die Atemfrequenz über 70 Atemzüge pro Minute hinausgeht, ist dies ein sicheres Zeichen, dass die Tiere mit der Hitze zu kämpfen haben.
Neben der Temperatur spielt die Luftfeuchtigkeit eine entscheidende Rolle. Je höher sie ist, je schwüler es also ist, desto wärmer fühlt sich die Umgebung an. Das Zusammenwirken von Luftfeuchtigkeit und -temperatur sowie die daraus resultierenden Reaktionen der Milchkuh können am sogenannten TH-Index abgelesen werden (siehe Grafik).

Bauliche Maßnahmen

Bei bestehenden Stallanlagen wird durch die Öffnung der Seitenwände die natürliche Lüftung der Ställe verbessert, wodurch die relative Luftfeuchtigkeit gesenkt werden kann. Dadurch kann die Hitzebelastung und auch die Schadgaskonzentration verringert werden. Eingriffe in die bestehende Gebäudestatik müssen jedoch gut durchdacht werden. Tränkebecken und die Melktechnik sind dabei so zu gestalten, dass auch im Winter die Frostsicherheit gewährleistet bleibt.
Bei einem Neubau spielt die Wahl des Standorts und die Ausrichtung des Gebäudes quer zur Hauptwindrichtung eine entscheidende Rolle. Curtains und Hubfenster müssen maximal geöffnet sein, um einen bestmöglichen Luftaustausch zu erreichen. Dabei ist es wichtig, dass die Öffnungen nicht durch davor gelagertes Material blockiert werden. Auch Einbauten im Stall, wie Kraftfuttersilos oder das Melkhaus, können die Querlüftung negativ beeinflussen. Eine alleinige Entlüftung über einen offenen First kann im Sommer nicht den nötigen Luftwechsel sicherstellen. Damit die Wandöffnungen zum richtigen Zeitpunkt geöffnet oder geschlossen werden, empfiehlt es sich, eine Steuerung einzubauen.
Bei einem Neubau sollte bereits während der Planungsphase die Optimierung des Gebäudes hinsichtlich eines möglichst geringen Wärmeeintrags beginnen. Durch die richtige Wahl des Dachaufbaus kann das Eindringen der Wärmeenergie in den Stall weiter reduziert werden. Je mehr Speichermasse das Dach besitzt, desto geringer ist der Wärmeeintrag. Nachdem die Dachhaut flächenmäßig die größte Angriffsfläche für den solaren Wärmeeintrag bietet, ist hier auch das größte Potenzial zu erwarten. Ein reines Blechdach bietet so gut wie keinen Schutz vor Wärmeeintrag, eine Dämmung aus Hartschaum oder ein Holzunterdach leisten hier hingegen gute Dienste, um das Eindringen der Sonnenwärme zu verlangsamen und zu reduzieren. Eine weitere Erhöhung der Pufferkapazität verbessert die Situation allerdings deutlich.
Lichtplatten auf den sonnenzugewandten Dachflächen (Ost, West, Süd) führen, wie auch Lichtfirste, zwar zu viel Lichteintrag, allerdings geht dies immer mit einem erhöhten Wärmeeintrag einher. Sonnenlicht, das indirekt über Lichtplatten auf der Nordseite oder über die geöffneten Seitenwände in den Stall fällt, ist in der Regel für das Wohlbefinden der Tiere vollkommen ausreichend.

Für Abkühlung sorgen

Auch bei optimierten Gebäudehüllen, bei denen der Eintrag von Strahlungswärme auf ein Minimum reduziert wurde und dadurch die Lufttemperatur innen nur geringfügig von der Außentemperatur abweicht, müssen an heißen Tagen trotzdem weitere Maßnahmen ergriffen werden, um den Kühen die Wärmeabgabe zu erleichtern.
Durch Ventilatoren kann die Wärmeabgabe der Tiere unterstützt werden, wodurch die gefühlte Temperatur zurückgeht. Dabei muss auf dem Tier eine Luftgeschwindigkeit von mindestens 2 m/s erreicht werden, um einen Abkühlungseffekt zu erhalten. Eine bestmögliche Abkühlung wird erzielt, wenn die Ventilatoren entlang der Liegeboxenreihen eingebaut sind. Der Abstand zwischen den Ventilatoren richtet sich nach der jeweiligen Leistung (bis ca. 15 m). Sie werden dabei mit einem Winkel von 15 bis 25 ° nach vorne geneigt, um die nötige Luftgeschwindigkeit in den Tierbereich zu leiten.
Bei der Auswahl der Ventilatoren sollte neben den Anschaffungskosten, dem tatsächlichen Stromverbrauch und der erreichbaren Luftgeschwindigkeit auch die Lautstärke berücksichtigt werden. Auch eine automatische Steuerung sollte vorgesehen werden, welche die Ventilationsanlage nach den Ansprüchen der Tiere regelt und den Landwirt von der täglichen Entscheidung befreit.
Auch ältere Ställe können durch den gezielten Einsatz von Ventilatoren deutlich aufgewertet und dadurch den Ansprüchen der Tiere gerechter werden. Um eine optimale Wirkung zu erzielen, empfiehlt es sich, sich professionelle Unterstützung ins Haus zu holen, die z. B. durch die Haltungsberater des LKV erfolgen kann. Johannes Zahner
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