Login
DLG-Unternehmertage

Schweinehaltung: Gülle nach Umweltgesichtspunkten optimieren

schweinemast
pd
am
08.09.2017

Würzburg - Die Düngeverordnung zieht die Daumenschrauben bei der Gülleausbringung an. Das Tierwohl fordert "Schweine an die frische Luft". Emmissionsverordnungen schränken wieder ein. Wie soll man mit diesen Konfliktfeldern umgehen.

Mit der Frage, ob das Spannungsfeld von Nährstoffmanagement im Zeichen der Düngeverordnungsnovelle auf der einen und steigenden Tierwohlanforderungen auf der anderen Seite zu einen Zielkonflikt in der Praxis führt beschäftigte sich ein Arbeitskreis zum Thema „Schwein“ im Rahmen der Unternehmertage der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft e. V.) am 5. und 6. September 2017 in Würzburg.

Hoher Rohproteingehalt bedeutet nicht gleichzeitig einen hohen Futterwert

Martin Schäffler von der Landesanstalt für Landwirtschaft Bayern (LfL Grub) stellte in seinem Impulsvortrag die Auswirkungen von Düngung und Ertrag auf den Futterwert des erzeugten Futtergetreides dar und erläuterte, dass eine Ausrichtung des Getreidebaus auf Futterwert und Umweltwirkung im Veredelungsbetrieb vorteilhaft sein kann. Basis seiner Berechnungen war das jährliche LfL-Getreidemonitoring für Winterweizen. Ein hoher Rohproteingehalt stellte hier nicht gleichzeitig auch einen hohen Futterwert für die Schweinefütterung dar, insbesondere wenn man die Auswirkung des Rohprotein-bzw. Aminosäurengehalts auf sowohl Fütterung, als auch auf Nährstoffausscheidungen Gülleausbringung und die dafür benötigten Flächen sowie die Stoffstrombilanzen betrachtet. Futtergetreide mit geringerem Rohproteingehalt von ca. 10 % kann hier in Bezug auf einen geringeren Flächenbedarf und eine Entlastung der Stickstoffbilanz vorteilhaft sein.

Gülletransport über längere Distanzen

Stefan Klaus, Sauenhalter in Nutteln (Niedersachsen) zeigte in seinem Impulsvortrag zum Nährstoffmanagement in der Schweinehaltung auf, dass eine Abgabe von Gülle auch in weiter entfernte Regionen durchaus möglich und sinnhaft sein kann. Er gibt über 400 Lkw-Ladungen Gülle pro Jahr ab und machte klar, dass die neue Düngeverordnung sowohl den Betrieb als auch vor- und nachgelagerte Firmen vor große Herausforderung stellt. Zwar kann über eine enge Zusammenarbeit zwischen Abgeber, Transporteur und Aufnehmer mit dem Produkt Gülle eine gezielte Düngung erfolgen und diese einen Teil der Mineraldünger ersetzen sowie den Humushaushalt des Bodens verbessern. Klaus machte deutlich, dass es die Aufgabe des abgebenden Betriebs ist, seine Gülle attraktiv zu machen – z. B. durch möglichst genaue Analysen und Nährstoffgehalte sowie abgegebene Mengen. Außerdem müssen sowohl am Abgabe- als auch am Aufnahmeort entsprechende Lagermöglichkeiten vorhanden sein, damit zum richtigen Zeitpunkt auch eine ausreichende Menge zur Verfügung stehen kann.

Alternative Haltungsformen

Josef Gelb, Schweinehaltung aus Merching (Bayern) stellte seinen neu errichteten Tierwohlstall vor. Er setzt auf eine Kombination aus Offenstallhaltung, Außenfütterung auch im Winter und Stroheinstreu. Für diese hat er sich - trotz um ca. 40 % höheren Baukosten –letztlich entschieden, weil er neben verbessertem Tierwohl auch langfristig eine regionale Vermarktung über Metzgereien anstrebt und somit auch die Ansprüche der Verbraucher befriedigen kann, die Tiere auf Stroh sehen wollen. Allerdings machte Gelb auch deutlich, dass es beim Aufbau dieses Vermarktungsweges durchaus noch Schwierigkeiten zu überwinden gibt.
In der Abschlussdiskussion konkretisierte Dr. Frank Lorenz von der LUFA Nordwest in Oldenburg noch einige Punkte aus seinem Plenarvortrag. Er stellte heraus, dass in der Umsetzung der aktuellen Düngeverordnung, genauer im Bewertungssystem, noch einige Dinge unklar sind. Dies gilt insbesondere für gewerbliche Mäster bzw. Betriebe mit sehr kleinen Eigenflächen, die Gülle abgeben müssen.
Alle vier Diskutanten auf dem Podium waren sich darüber einig, dass sowohl das Thema Tierwohl als auch das Thema Umwelt und Emissionen gleichberechtigt nebeneinander weiterentwickelt werden müssen und könnnen. Sie bedauerten, dass es hier Unterschiede in der Handhabung zwischen den Bundesländern gibt.

Auch interessant